Werte und Normen im Journalismus

by f.luebberding on 17. November 2014

Westliche Werte und Normen muss man tatsächlich verteidigen. Allerdings auch vor denen, die daraus Tapeten für westliche Wohnzimmer machen wollen. Die sitzen nicht in Moskau. Hier meine Altpapier-Kolumne über die Debatte zum Putin-Interview von Hubert Seipel und die anschließende Diskussion bei Günther Jauch.

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keiner November 19, 2014 um 12:20

Wer hat denn diese “Freiheitsbewegung” in der Ukraine finanziert und gesteuert? Mal drüber nachdenken. Wer diese Demonstranten auf die Straße gebracht hat? Vielleicht die selben Leute, die jetzt Demos gegen pro-russen Regime im ehemaligen Ostblock auf den Weg bringen? Fragen über Fragen. Aber TRSS ist froh, und bald ist Advent! Ein Lichtlein wird aufgehen!

topi November 19, 2014 um 12:49

Bleistift

“Die Kulturhoheit der USA besteht im Konsumwahn. In der Möglichkeit einer egalitären Massenkultur. Nicht darin besser sein zu wollen als der Nachbar. ”

Schon ganz allgemein sind “westliche” Kulturen viel stärker Individuum-orientiert als bspw. östliche.
Der Kapitalismus in seiner jetzigen Ausprägung macht tendenziell jeden zur Ich-AG. Der Arbeitskollege wird zum ersten Gegner im Kampf um Ressourcen, der Nachbar im Kampf um den größten Pool (oder die Außenanlage vom teuersten Architekten, je nach Wohnlage), schon der Schulkamerad zum Gegner im Kampf um bessere Bildungschancen (sorry, “Bildung”, geht ja nur um Formalqualifikationen zum besseren Berufseinstieg).

Das ist die Verkörperung der von den USA aus in die Welt gebrachten Lebensweise in Reinkultur.

Die Zeiten, als für jeden der wollte Land da war (man musste ja nur die Rothäute ordentlich abknallen vorher), sind schon etwas vorbei.

“Ja darum geht es doch hier. Also um die Frage: können die Menschen das überhaupt? Die einen haben viel Geld und kaum Zeit. Weil sie mit freier Zeit nicht umgehen können. Deshalb müssen sie immer arbeiten. Die anderen haben viel freie Zeit aber kein Geld. Können die mit ihrer freien Zeit umgehen? ”

In the Land of the free you can be what you wanna bee.

Aber wenig arbeiten und trotzdem materiell gut leben, also das geht nun wirklich nicht! Am Ende kannst du mit der gewonnenen Zeit gar nicht umgehen!

Was muss mensch passiert sein, dass er die Bescheuertheit dieser Argumentation nicht bemerkt? Auch wenn es “normal” ist, ist es ja nicht “normal”.

Na dann schauen die Leute eben 10 Stunden statt 6 RTL II, na und?

“Naja. Wie man hört wird ein großer Teil der Zeit in Alkohol und Zigaretten versenkt.”

Ah, haltet sie in Bullshitjobs, damit sie ihre Gesundheit nicht ruinieren, oder wie? hast du belastbare Daten dazu, oder ein rein gefühltes Argument, btw.?

“Offenkundig können die Menschen also nicht mit freier Zeit umgehen. Was würde Goodnight tun wenn er nicht den ganzen Tag lang ein wichtiger Entscheider sein könnte? Daraus zieht er doch sein Selbstwertgefühl.”

Das wird so sein.
“Ich bin der große Entscheider, und das kann nur ich
leider”
ist wichtiger Teil seines Selbstbildes.

Nur ist das ein individuelles Problem.
Gesellschaftlich interessant ist das Problem: wenn du eine bestimmte Position hast, musst du mindestens 45/50/55 Stunden + X pro Woche mit deiner Arbeit verbringen, sonst bist du dafür nicht geeignet.

Und das ist Bullshit.
Natürlich könnten viele solche pille-palle-Entscheidungen treffen wie auf unterer mittlerer Leistungseben nötig.

Nur es haben eben viele keinen Bock auf das Gesamtpaket an Arbeitsbedingungen und vor allem den radfahrerigen Weg, dorthin zu kommen (nach unten treten, nach oben buckeln).

“Wenn TRSS nicht am Ende des Monats den ganz großen Schw***vergleich durchführen könnte?”

Der hätte diverse Möglichkeiten. Hat sich entschieden Kapitalist zu sein, mit allen Konsequenzen (also auch das freie Denken weitgehend einzustellen). Muss er ja nicht.

” Was würde Andreas Kreuz und das Fragezeichen machen wenn sie nicht permanent beleidigt, empört und dagegen sein könnten?”

Das kannst du doch nichtmal erahnen; wenn es die Möglichkeit GÄBE, mit 15 Stunden sinnvoller Arbeit eine gute materielle Grundlage zu erarbeiten, fielen ja etliche Kritikpunkte weg.

” Was würdest du denn machen wenn du nur 15 Stunden die Woche arbeiten müsstest? Könntest du damit umgehen? Wie würdest du damit umgehen?
Worüber (über welche Themen) würdest du dann noch schreiben?”

Von “würde” kann keine Rede sein, das kommt ziemlich genau hin. Ich würde es vielleicht noch etwas ausbauen, aber bei 20 wäre Schluss (Notfälle wie ein akuter Hexenschuss gehen natürlich immer mal).

Dass ich meine Zeit nicht ganz “effizient” nutze im Sinne eines messbaren Outputs muss ich mir ja nicht vorwerfen lassen. (kommt noch :roll: )

Alleine die Tatsache, dass ich meine Kinder nicht völlig gestresst und genervt von der Erwerbsarbeit bei anstehendem Familienstress abhole, sondern wir ganz locker auch solche Großaufgaben wie Familieneinkauf mit drei Kindern mit Fahrrädern und Laufrad direkt nach der Schule/Kita meistern (inzwischen kommt der Große natürlich lange nicht mehr mit), ist doch etwas wertvolles.

Viel mehr als 30 zusätzliche Stunden Bullshitarbeit.

gelegentlich November 19, 2014 um 12:55

@keiner
Vermutlich muss man aufpassen die Maidan-Bewegung nicht als Armee fremdgesteuerter Roboter darzustellen. Das war die sicher nicht. Aber die haben sich mit „Partnern“ in ein Bett gelegt und nicht verhindern können im Schlaf erdrosselt zu werden.

Und das ist wohl der Kerndissens mit @TRSS und @Goodnight: wie kann man im Ernst versuchen diese Oligarchen, Figuren wie Jazenjuk oder den Rechten Block als Freiheitsfreunde zu verkaufen? Unappetitlicher wäre da höchstens die UCK.

„Freiheitsfreunde“ sind die hier:
http://www.heise.de/tp/artikel/43/43354/1.html
Sich nicht von Anderen rumschubsen lassen – darum geht es!

topi November 19, 2014 um 12:57

Aber nochmal weg von der individuellen Seite.

Momentan gibt es eben nicht die Entscheidung, entweder voll im Hamsterrad zu rotieren, oder mit sehr wenig Wochenarbeitszeit ein materiell anständiges leben führen zu können.

Nehmen wir an, es gäbe eine Großkooperative, dort wäre das möglich. Man entscheidet sich, dort zu leben. Mit Arbteit in Landwirtschaft, Produktion, Verwaltung, Energie, Soziales usw.

Es gibt auch eine “Exportabteilung”; wenn man nach Malle will, macht man dort ein paar Stunden mehr, wenn man noch -diven dranhängen will (:roll: ), noch ein paar.

Das wäre eine Freiheit; zwar auch begrenzt (soziale Wesen können nicht völlig frei sein), aber mit weit mehr Möglichkeiten, als in Bullshitjobs zu rotieren, oder zu rotieren, um reinzukommen, oder allseits mies behandelt zu werden, wenn man nicht drin ist.

The Real Slim Shady November 19, 2014 um 13:02

>Aber das wollten Andere, die den Maidan unterstützten, dem Anschein nach nicht.

Kein Problem:

Neuwahlen -> Mehrheitsentscheid -> Regierung -> Thema durch.

Hausaufgabe 1 für die lieben Kinder: Findet in obiger Folge den Begriff “Russische Intervention” und streicht ihn rot an!

Oder, in extremis:

Anhaltende Sezessionstendenzen -> innerukrainischer politischer Prozess -> viele Versuche aber klappt nicht -> Ordentliches Krim-Referendum -> Krim spaltet sich ab, wird teilautonom or whatever

Hausaufgabe 2 für die lieben Kinder: Findet in obiger Folge wiederum den Begriff “Russische Intervention” und streicht ihn diesmal blau an.

Und nun zu der Auswertung der Aufgaben, liebe Kinder:

1) Habt ihr ein Blatt Papier (oder einen Bildschirm) mit einem roten, einem blauen oder einen roten und blauen Strich vor Euch, dann seid Ihr gar lustige, liebe Kinder, aber vielleicht doch ein wenig doof.

2) Falls Ihr auf Blatt oder Schirm keine roten und/oder blauen Striche habt, dann seid Ihr ziemlich schlaue Menschens, zumindest schlauer als ich insgeheim dachte.

The Real Slim Shady November 19, 2014 um 13:09

>Aber die haben sich mit „Partnern“ in ein Bett gelegt

DAS ist exakt das Paranoide an dieser ganzen Diskussion, hier und andernorts, das mir schlicht nicht in den Kopf will: Es wird drüber nachgedacht, ob und mit wem oder wem nicht und wenn ja aus welchen Gründen die Leutchens in der Ukraine vielleicht gemeinsame Sache machen, um in IHREM Land die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und in einen anderen Verlauf zu geben. Aber wie und was und wer da auch immer sei, es muss AUF JEDEN FALL etwas gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz fürchterlich Schreckliches, wenn nicht gar, ja mein Gott, der AAAAAAMMMMIIIII sein, der da seine Finger im Spiel hat. Und wieviel Schwachsinn wurde gesagt und geschrieben, um das auch nur behelfsmäßig zu unterfüttern.

Während auf der anderen Seite ein Putin GANZ UND GAR OFFENSICHTLICH in einem Land militärisch unterwegs ist, das weder seines ist noch ihn um seinen Besuch gebeten hat.

Wem hier die Asymmetrie nicht auffällt, dem ist nicht mehr zu helfen, Freunde. Sorry, dass ich das so platt sagen muss, aber Ihr habt diesen Blog, der mal echt was hergemacht hat, zu einem Tummelplatz für Vollpfosten degradiert.

Dirk November 19, 2014 um 13:10

@holger:

Keine Ahnung, auf welcher Basis Du zu Deiner finsteren Prognose gekommen bist, andere blicken optimistischer in die Zukunft:

http://www.demografie-blog.de/2014/01/da-warens-plotzlich-noch-mehr/

topi November 19, 2014 um 13:14

Frankie

“Ja, aber dann gäbs noch mehr Kriege.”

Ach so.
Bullshitobs, geplante Obsoleszenz, Konsumwahn bis hin zu Konsumzwang durch Regelungen und Normen, verdichtete Arbeitswelten mit massenhaftem Burnout und sonstigen systemischen Erkrankungen als Folge, massivster Druck auf Außenseiter, sich in die Mühlen hineinzubegeben.

Das ist nur ein großes Friedensprojekt!

Also Arbeitslager für alle Tu-Nichts-Gute!

Nochmal nachgefragt; die Kriege gibt’s also, weil die Jungs nicht
ausgelastet sind, oder weil sie unzufrieden sind mit ihren Lebensverhältnissen?

Warum hasst denn “der Deutsche” “den Griechen” oder gleich “den Südländer” so?

Weil sie einem vorleben, dass harte Maloche NICHT des Lebens einziger Inhalt sein muss.

Andreas Kreuz November 19, 2014 um 13:22

@The Real Slim Shady November 19, 2014 um 13:09

Wenn Du auf Deiner timeline ein paar Meter rückwärts schaust,
kommst Du da nicht auch zu dem Schluss,
dass Geld nicht nur den Charakter verdirbt?

topi November 19, 2014 um 13:23

“Oder, in extremis:

Anhaltende Sezessionstendenzen -> innerukrainischer politischer Prozess -> viele Versuche aber klappt nicht -> Ordentliches Krim-Referendum -> Krim spaltet sich ab, wird teilautonom or whatever”

Richtig.
Laut der Aussage von Völkerrechtlern ein nicht aufzuhaltender Prozess, also auch nicht “in extremis”.

Nur; wenn man davon ausgeht, dass das Ergebnis das gleiche gewesen wäre.
Dann ist es einfach Realpolitik, vom Ergebnis auszugehen.

Mit der ATO wurden alle militärischen Verbände im Land, die Kiew unter seine Kontrolle bringen konnte (oder ins Land holen konnte), gegen die eigenen Städte, gegen die eigene Bevölkerung in Marsch gesetzt, mit massenhaft Bombardierungen ziviler Objekte.

Die haben nicht gegen Putin geschossen, falls dir das nicht aufgefallen sein sollte.

Am Ende ist das Ergebnis das gleiche wie am Anfang: Kiew hat über einen Teil des Landes die Kontrolle verloren; die Menschen dort hatten auch keinen Bock mehr auf diese Kontrolle, ohne föderale Entwicklungen.

Kecker November 19, 2014 um 13:24

@ TRSS “Sorry, dass ich das so platt sagen muss, aber Ihr habt diesen Blog, der mal echt was hergemacht hat, zu einem Tummelplatz für Vollpfosten degradiert.”

Du sprichst ein wahres Wort gelassen aus. (JWvG)

keiner November 19, 2014 um 13:26

“…Ihr habt diesen Blog, der mal echt was hergemacht hat, zu einem Tummelplatz für Vollpfosten degradiert.”

Willkommen zu hause! :-D

Klar gehört Putin die Krim nicht! Geh doch hin und nimm sie ihm weg!

Aber pass auf, er könnte sagen: Hat der Westen so mit dem Kosovo gemacht, warum sollte ich das nicht auf der Krim dürfen?

topi November 19, 2014 um 13:28

In Deutschland fielen ja die Revolutionen aus, weil man den Rasen nicht betreten darf.

Da in der Ukraine föderale Tendenzen gegen die nationale nationalistische Verfassung verstoßen, müssen sie mit Panzern bekämpft werden.

Die Schotten dürfen abstimmen, die Südtiroler fröhlich eigenständig sein, die Katalanen und Basken haben viele viele Sonderrechte.

Das Kosovo müssen wir gar raushauen, weil es beschissen behandelt wird von der Zentrale.

Wo ist die Konsistenz?

Außer: die örtliche Obrigkeit hat immer recht, außer wenn ich das anders sehe?

gelegentlich November 19, 2014 um 13:37

@TRSS

„Während auf der anderen Seite ein Putin GANZ UND GAR OFFENSICHTLICH in einem Land militärisch unterwegs ist, das weder seines ist noch ihn um seinen Besuch gebeten hat.“

Indirekte Stimulationen (Söldner statt Soldaten) rechnen wir zum Militärischen, ok? Dann machen Sie doch mal eine Liste, in welchen Ländern das zutrifft! Das Jemand ungebeten dort militärisch unterwegs ist.

„Wem hier die Asymmetrie nicht auffällt, dem ist nicht mehr zu helfen, Freunde. Sorry, dass ich das so platt sagen muss, aber Ihr habt diesen Blog, der mal echt was hergemacht hat, zu einem Tummelplatz für Vollpfosten degradiert.“

Nun, wenn man sich über das Thema informieren will kommt man um diesen Blog und um Telepolis nicht herum. Da ist trotz vielen Dinge, die vollpfostenmäßig sind, so schlecht nicht. Ich kann bei Ihren Beiträgen zu diesem Thema einfach nicht sehen warum sie in einer höheren Dimension sich abspielen sollen und finde die Position etwa von @fl, das realpolitisch per Deal abzuhandeln, vernünftiger. Paßt auch besser zu meinen Interessen. Von diesem geopolitischen Kram habe ich selber nichs. Wer Sanktionen will soll sie
1. begründen, rational begründen
2. sich um eine politische Mehrheit dafür bemühen – wir sind nicht gefragt worden
3. sie auch bezahlen. Mir gebet nix!

Andreas Kreuz November 19, 2014 um 13:43

@bleistift November 19, 2014 um 01:16

Was würde Andreas Kreuz und das Fragezeichen machen wenn sie nicht permanent beleidigt, empört und dagegen sein könnten?

Da erzähle ich Dir mal etwas, das gar nicht in Dein Weltbild passt:

Am Montag rief mich der Gemeinde-Fallmanger Hartz-IV an.

Er fragte, ob ich einer ‘Kundin’ helfen könnte,
die Ihrer Zwangsverpflichtung zur Bewerbung nicht nachkommen kann,
weil ihr Laptop nicht funktioniert und sie über keine Mittel zu einer Reparatur oder Neuanschaffung verfügt. Der Behörde seien hier die Hände gebunden.
Die Frau war früher Pharma-Referentin und kam mit ihrem ifone als hotspot, für dass sie die Raten auch nicht mehr bezahlen kann.
Aber Bewerbungen in dieser Branche laufen nun mal überwiegend online.
Beachtlich auch die Fallhöhe!

War kein Problem für mich, die Funktionen der Komponenten wieder herzustellen, aber beträchlicher Zeitaufwand.

Statt Bezahlung zu einem angemessenen Stundensatz gab es als Dankeschön ein ‘geweihtes’ Bildnis der Mutter Gottes (10mm groß).

Wenn den ‘Leistungsträgern’ und ‘Entscheidern’
da nicht Angst wird vor dem Pulverfass, auf dem sie sitzen,
ist ihnen nicht mehr zu helfen.

Aufspießen mit Mistgabeln wird noch die humane Art sein…

f.luebberding f.luebberding November 19, 2014 um 14:06

TRSS

Krieg ist als Mittel der Politik die effektivste Komplexitätsreduktion, die ich kenne. Dann wird alles ganz einfach: Sieg oder Niederlage.

keiner November 19, 2014 um 14:17

Genau. Und der Sieger hat dann auch Recht.

karla November 19, 2014 um 14:25

The Real Slim Shady November 19, 2014 um 13:09

“Während auf der anderen Seite ein Putin GANZ UND GAR OFFENSICHTLICH in einem Land militärisch unterwegs ist, das weder seines ist noch ihn um seinen Besuch gebeten hat….

Wem hier die Asymmetrie nicht auffällt, dem ist nicht mehr zu helfen, Freunde. Sorry, dass ich das so platt sagen muss, aber Ihr habt diesen Blog, der mal echt was hergemacht hat, zu einem Tummelplatz für Vollpfosten degradiert.”

Der Einwand mit der Asymmetrie ist halt der Einwand: Wer ist der schlimmere Finger? Ein erlesene Problemstellung.
Was die Bevölkerung in der UA will das sollte sie richtigerweise selbst durchsetzen. Wenn die Bevölkerung der UA dazu die EU und/oder die Nato für notwendig hält macht man sich als Bewohner dieser politischen Gemeinschaft und Nato-Bündnisses seine Gedanken und diskutiert sie eben auch in diesem blog.
Das wäre dann wie @fl angemerkt hat der Aspekt der Geopolitik. Darauf geht TRSS so gut wie nicht ein. Lieber tummelt er sich im Vollpfostendiskurs.

Soldat Schwejk November 19, 2014 um 14:32

@ TRSS

Du nun auch mit so einem Spielvorschlag, wie gestern schon “Old Scarhand” @Goodnight… Kommt das daher, daß der Dienstadel immer irgendwelche Motivationsseminare mit Multiple-Choice-Spielen und Buntstiftmalereien mitmachen muß?

Aber hier eine andere Aufgabe. Schauen wir uns an:

Krim: –> Kiewer Putsch –> Regionalbewegung radikalisiert sich –> örtliche Polizei unterstützt Regionalbewegung –> es droht Konfrontation mit Zentralmacht –> höfliche Leute erscheinen auf der Bildfläche –> es wird nicht geschossen, es gibt keinen Krieg, Truppen der Zentralmacht ziehen friedlich ab

Donbass: –> Kiewer Putsch –> Regionalbewegung radikalisiert sich –> örtliche Polizei unterstützt Regionalbewegung –> es droht Konfrontation mit Zentralmacht –> Kiew setzt Panzer in Bewegung –> es gibt Krieg, Truppen der Zentralmacht beschießen Städte mit Artillerie

Findet den Unterschied!

Und da es nicht schwer ist, soll das den höflichen Leuten gewidmete Lied hier recycelt sein.

Lasset uns höfliche Sachen sagen
Laßt uns der Oma die Tasche tragen
Höflich laßt uns die Waffe zeigen
und statt zu fluchen lieber schweigen
Laßt uns nach Möglichkeit nicht schießen
Laßt uns höflich kein Blut vergießen
Laßt uns freundliche Lieder singen
Laßt uns höflich den Frieden bringen
Laßt uns nicht sein wie das wilde Schwein
Lasset uns höfliche Leute sein

The Real Slim Shady November 19, 2014 um 14:34

@FL

>Krieg ist als Mittel der Politik die effektivste Komplexitätsreduktion

Sorry, dass ich bei Gelegenheit mal wieder drauf hinweisen muss, aber hier geht es um “journalistische Werte”, oder? Hier geht es nicht um das, was die Politik aus einer bestimmten Situation macht, sondern wie Journalisten darüber schreiben und wie wir über das diskutieren, was die Journalisten schreiben.

Die Politik wird aus dieser ganzen Chose irgendwas machen, was Politik halt daraus macht. And frankly, who gives a shit?

Was anderes ist es aber, wie Journalisten über den Vorgang schreiben, was sie gutheißen und was sie kritisieren, und wie man ihnen darob als Beobachter ihres Beobachtend begegnet.

Du kritisierst ja nicht die Politik, die dieses oder jenes macht, sondern du kritisierst hier Journalisten, die zum Vorgang Stellung beziehen. Und zwar relativ klar Stellung beziehen.

Ist der Unterschied erkennbar?

gelegentlich November 19, 2014 um 14:38

@TRSS
Ihre ungewöhnlich geschmeidigen Vermischungen machen Sie glitschig, aber nicht unangreifbar.
Man könnte abergläubisch werden. Warum hat Georg Seeßlen gerade heute das hier abgeliefert?
„Kapitalistischer Realismus als Street-Art ist die großformatige Stilisierung endlich befreiter Selbstsucht. Daher betreibt der kapitalistische Realismus der Mainstream-Medien eine schrille Performance zugunsten der neuen Verhältnisse: die Gier nach neuen Märkten, einschließlich neuer, billiger Arbeitskräfte, die weiterhelfen, die Arbeit im Wirtschaftsraum zu entwerten, und den Hass auf Gewerkschaften und deren Widerstand gegen diese Entwertung. Der kapitalistische Realismus zeigt, dass die Arbeit keine Chance gegen das Kapital hat. Seine Kunst nun liegt darin, dies in gefällige Bilder und Geschichten zu verwandeln. Und damit alle zu erreichen.

Wie jede Kunstrichtung, so ist auch der kapitalistische Realismus durchaus endlich. Es gibt Alternativen. Die Verlierer müssen nur aufwachen. Die Kapitalisierung der Welt ist nicht durch Schicksal, sondern durch Propaganda vorgeformt. Etwas Besseres als den ästhetischen und geistigen Tod finden wir allemal.

Kapitalistischer Realismus erzählt von der Freiheit, die man sich nehmen kann, wenn man in der Position dazu ist.“

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=me&dig=2014%2F11%2F19%2Fa0100&cHash=e2fa8d463e7c041a988c7cdf9351cfb7

Gibt es noch mehr solcher Künstler des kapitalistischen Realismus, da, wo Sie leben?

The Real Slim Shady November 19, 2014 um 14:40

>Kapitalistischer Realismus als Street-Art ist die großformatige Stilisierung endlich befreiter Selbstsucht

Sorry, aber ist mir viel zu kompliziert. Der gute Mann mag mit allem Recht haben, aber mir ist es jedenfalls zu hoch…

holger November 19, 2014 um 14:54

Dirk November 19, 2014 um 13:10
@holger:

Keine Ahnung, auf welcher Basis Du zu Deiner finsteren Prognose gekommen bist, andere blicken optimistischer in die Zukunft:”

Macht nix, andere machen auch aus Kacke nen Schokopudding…

hier:

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0e/Bevoelkerungsentwicklung_deutschland.png

Da braucht man auch keine Glaskugel oder einen Zauberstab. Müsste ganz einfach zu interpretieren zu sein… ok ich gebe zu, in der Moderne ist das ja auch nicht mehr gefragt.

f.luebberding f.luebberding November 19, 2014 um 14:56

TRSS

“Du kritisierst ja nicht die Politik, die dieses oder jenes macht, sondern du kritisierst hier Journalisten, die zum Vorgang Stellung beziehen. Und zwar relativ klar Stellung beziehen.”

Die Kritik gehört nun einmal zum Kerngeschäft des Journalismus. Ansonsten kann man ihn gleich durch Verlautbarungsblätter ersetzen. In meiner Kolumne ging es gerade darum, dass hier nicht nur versucht wurde, zum Vorgang Stellung zu beziehen, sondern eine Debatte über das Interview mit Putin durch Diskreditierung vorsorglich zu verhindern. Hier wurde nicht Journalismus, sondern Politik gemacht. Das war meine Kritik.

“Die Politik wird aus dieser ganzen Chose irgendwas machen, was Politik halt daraus macht.”

Was macht denn Politik daraus? Das würde mich jetzt wirklich interessieren.

gelegentlich November 19, 2014 um 14:57

@TRSS

„…, aber mir ist es jedenfalls zu hoch…“

Das scheint dann unser gemeinsames Problem zu sein. Sollten Ihre Bemerkungen zur Ukraine nicht eine mir unverständliche Ironie sein verstehe ich sie offenbar auch nicht. Mit diesem Link wollte ich nur versuchen die Debatte etwas hohlpfostiger (im Gegensatz zum sog. Vollpfosten) zu machen.

„Die Politik wird aus dieser ganzen Chose irgendwas machen, was Politik halt daraus macht. And frankly, who gives a shit?“

Also viele Mitleser hier, ich auch, give a shit.

Was die Kritik an Journalisten angeht ist es doch nicht sooo schwierig:
1. Nachprüfbar berichten
2. Den eigenen Standpunkt, die eigenen Interessen erkennbar darstellen
3. Kommentieren wie man mag
Wer aber von Werten spricht muss schon darauf achten dass diese nicht hohl sind, also universal zur Geltung kommen sollen. Nicht immer „Selbstbestimmung“ dort, aber unbedingt „Völkerrecht“ woanders, je nach Interessenlage.

Dirk November 19, 2014 um 15:07

@ holger

Du solltest Dich vielleicht doch ein wenig mehr mit meinem Link beschäftigen, dann findest Du auch den Fehler in Deiner Prognose.

georgi November 19, 2014 um 15:08

zurück zum Thema: mit dem Altpapier bin ich nicht einverstanden!

Der Gegensatz zu Diktaturen besteht schlicht darin, dass es dort mehr als nur eine Meinung gibt, die man zumeist als die der Regierung identifiziert. Die Trennung zwischen Berichterstattung und Kommentar ist eines der Ergebnisse dieser westlichen Vorstellung von Journalismus gewesen. Sobald man unangenehme Fakten unterschlägt oder vermeidet, siegt die Politik über den Journalismus. Das hängt keineswegs von den moralischen Qualitäten des einzelnen Journalisten ab, sondern von der Existenz eines pluralistisch organisierten Mediensystems. Was der eine lieber verschweigen würde, wird der andere schon bringen.

Al-Jazeera ist der Hofsender des Emirs von Qatars, einer ziemlich beschissenen Diktatur. Dennoch unterscheidet sich dieser Sender wenig vom Westfernsehen. Russia Today hingegen ähnelt dem verstrahlten Teils der Blogosphäre. Ähnlich schlimm geht es auch in anderen russischen Medien zu. Dabei ist das Meinungsspektrum in Rußland reichhaltiger als das der westlichen Medien. Es gibt dort nämlich nicht nur Russia Today und Pervij TV sondern eben auch Doschd, Novaja Gazeta und Echo Moskva, letztere von Gazprom gehalten, also auch eher staatsnah. Und auch zwischen Pervij und Russia Today gibt es deutlich wahrnehmbare Unterschiede. Mangelhaft sind diese Medien aber alle. Da werden Putin 40 Mia. angedichtet, Affären mit Stars und eine verheimlichte Homosexualität. Offenbar kann in RU jeder machen, was er will. Was sagt das über Rußlands Medienwirtschaft? Bestimmt aber nicht, daß es dort keine Meinungsvielfalt gäbe. “Diktatur” paßt irgendwie nicht als Erklärung, auch wenn man mit bürgerlichen Freiheit sicherlich hemdsärmlig umgeht.

The Real Slim Shady November 19, 2014 um 15:12

>Was macht denn Politik daraus?

Na Politik. Was sonst?

f.luebberding f.luebberding November 19, 2014 um 15:15

TRSS

Das ist tautologisch.

f.luebberding f.luebberding November 19, 2014 um 15:17

georgi

Der Boulevard als Unterhaltungsformat gehörte schon immer zum Journalismus. Das ist heute in Russland nicht anders als im Westen. Nur sind Boulevard-Journalisten in Russland auch nicht zum Ziel politischer Attacken geworden.

The Real Slim Shady November 19, 2014 um 15:31

>Das ist tautologisch.

Nope. Das ist autopoietisch. So kam es bis hierher und so wird es auch weitergehen. “Macht”, you know? Da war doch was… Name of the game. Für die Politik. Aber nicht für die Medien und nicht für die Journalisten.

keiner November 19, 2014 um 15:36

@Lübber, diesen neoliberalen Hütchenspielern kannst du nicht auf die Finger hauen, die sind zu schnell… :-D

georgi November 19, 2014 um 15:45

Der Boulevard als Unterhaltungsformat gehörte schon immer zum Journalismus. Das ist heute in Russland nicht anders als im Westen. Nur sind Boulevard-Journalisten in Russland auch nicht zum Ziel politischer Attacken geworden.

Die genannten Medien sind nicht Boulevard. Die genannten Behauptungen werden insbesondere von passionierten Putinhassern angeführt.

Irgendsoetwas wie Konsens, eine öffentlich geführte Übereinkunft scheint es da nicht zu geben. Dort gibt es irgendwie anscheinend keine Adornos, Foucaults, Marxe etc., dafür nur Scharlatane.

holger November 19, 2014 um 16:13

Dirk November 19, 2014 um 15:07
@ holger

Du solltest Dich vielleicht doch ein wenig mehr mit meinem Link beschäftigen, dann findest Du auch den Fehler in Deiner Prognose.”

Ich habe mir den angeschaut… finde doch selber den Fehler in der Beurteilung!

Was sagt denn der Zeitraum aus? Stehen da etwa die Anzahl der Rentner ? EBEN !!!

holger November 19, 2014 um 16:17

Dirk

und was ist das für ein Zeitraum? DAS ist doch lächerlich… ich rede bis zum Jahr 2020 2030 und wenn dann die Babybubble in Rände geht.

Natürlich stagnieren wir um die 80M Individuen… aber net mehr später… sollte doch wohl logich sein oder?

holger November 19, 2014 um 16:30

Dirk

weißte warum ich das geschröbbe hab?

Weil der Goodnight mit der Zeit was gebracht hat.

Wenn die Babybubble in Rände ist, dann haben Millionen ZEIT…

NOCH MEHR BLÖDSINN zu VERANSTALTEN

Man gut, dass die meisten Aufstocker sein werden… und sich noch nicht mal ne Zoch Fahrt leisten können :D

15 November 19, 2014 um 16:38

Hier wurde nicht Journalismus, sondern Politik gemacht.

Das ist in D bereits seit 1982 so. Klar ist es immer deutlicher geworden..
Können wir uns bitte mal darauf einigen, an den geraden Tagen ist neoliberale UKR-Hysterie dran und an den ungeraden neoliberale ISIS-Paranoia, heute ist ungerade, also ISIS wäre heute dran…..

..wenn nicht Feiertag ist. Der Blick auf den Kalender offenbart aber für heute/JETZT ist Buß- und Bet/tag…äh…..Arbeitgeberfreibier/tag für alle für den neoliberalen Endsieg…

ruby November 19, 2014 um 20:00

@ kecker + keiner zu TRSS
;-)
Willkommen im Klub
https://www.youtube.com/watch?v=_FvHkj5x6vk
stark bleiben
;-)

someone November 19, 2014 um 21:53

@lübberding:
“Nur ist es schlichter Unfug, dass die Finnlandisierung der Ukraine vom Westen als Kompromiss akzeptiert worden wäre. Alle Äußerungen machen zwar immer deutlich, dass zur Zeit ein NATO-Beitritt nicht zur Debatte steht, aber es grundsätzlich Russland nichts angeht, ob das irgendwann passiert. ”

Dass Russland kein Vetorecht in der NATO besitzt, versteht sich ja wohl von selbst, wär ja noch schöner.
Die Finnlandisierung: Teile der amerikanischen Politik würden die Ukraine sicherlich gerne in der Nato sehen. Nur stellten sich 2008 in Bukarest Deutschland und Frankreich namentlich dagegen und ich denke mal, einige andere wie Italien werden diese Entscheidung stillschweigend mitgetragen haben. Bis zu den Aktionen Russlands in diesem Jahr hatte ein Natobeitritt auch in der Ukraine keine Mehrheit. Man hatte ja das Budapester Memorandum als Sicherheit, nicht?
Bei der EU-Assoziation hätte man Russland vielleicht mehr einbinden sollen, wobei die Forderung nach Dreiseitengesprächen schon recht unverfroren ist. Ich mich weigere auch, die Prämisse anzuerkennen, dass eine EU-Assoziation der Vorlauf zu einem Natobeitritt ist. Es gibt selbst in der EU viele Staaten, die nicht in der NATO sind und bei Assoziationspartnern wie der EFTA, den AKP-Staaten oder der Mittelmeerunion kann davon überhaupt keine Rede sein.

“Der Hinweis auf die innenpolitischen Probleme in Russland kann dort nun wirklich nicht als vertrauensbildende Maßnahme verstanden werden. ”

Diese Bestandsaufnahme teilt doch russische Führung selbstz. Sowohl Putin als auch Medwedew malen den Zustand Russlands in düsteren Farben, was auch von Daten Rosstats unterstützt wird. Ist es jetzt schon Destabilisierung, wenn man diese Aussagen und die sie unterstützende Empirie zur Kenntnis nimmt und sie anspricht?

“Letztlich wird man eine Lösung finden müssen, die entweder ein Interessenausgleich mit wechselseitiger Anerkennung sein wird. Oder in einem dauerhaften Großkonflikt bestehen wird. Angesichts des sonstigen weltpolitischen Umfelds wäre das aber alles, nur nicht sinnvoll, auch und gerade aus der Perspektive des Westens.”

Wechselseitige Anerkennung ist ein tolles Schlagwort, das heißt jetzt genau was? Russland weiß selbst zwischen dem Nahen Osten und Europa zu unterscheiden, wenn du darauf anspielst. Außerdem wird der Preis eines kooperativen Russlands so langsam ziemlich hoch. Annexionen sind jetzt wieder in Europa denkbar; die OSZE-Akte ist empfindlichste geschädigt, da es seine Militärmanöver nicht mehr anmeldet und auch keine Beobachter mehr zulässt; es unterstützt Srebrenicaleugner wie den Dodik in Bosnien, Orban ist sein Lieblingspartner in der EU; die Kremlverlautbarungsorgane treten so aggressiv auf, dass es eine Wohltat ist, xinhua zu lesen…
Darüber hinaus gibt es starke Kräfte, die auch von Kreml unterstützt werden oder sogar in ihm sitzen, die unter “russkij mir” ein wahrlich grenzenloses Programm verstehen, vertreten durch Dugin und Rogosin.

Den ersten Absatz verstehe ich nicht so richtig, worauf beziehst du dich da?

gelegentlich November 19, 2014 um 22:47

Es ist einfach grotesk – auf einer ganz kleinen Fläche finde ich folgende 2 Textbausteine in anscheinbar friedlicher Koexistenz:
„Außerdem: Als ob jemand wie Präsident Putin vor der Nato Angst hätte! Die russische Führung fürchtet etwas ganz anderes: dass Länder, die sie in kolonialer Selbstverständlichkeit Russlands Einflussbereich zuschlägt, auf dem Weg zu Marktwirtschaft, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit vorankommen, und dass auch die Russen deswegen ins Grübeln kommen könnten.“
Und weiter unten:
„ Mit dem kunterbunten Holzhammer: „RT deutsch“ sendet Propaganda im Sinne Putins.“
Ich fasse es nicht. Die haben was vor.
Quelle:
http://www.faz.net/aktuell/politik/ukraine-krise-moskaus-angebliche-aengste-13273112.html

bleistift November 20, 2014 um 01:49

@ topi

“Schon ganz allgemein sind “westliche” Kulturen viel stärker Individuum-orientiert als bspw. östliche.”

Dieser eine Satz zeigt schon dein ganzes Dilemma. Du bist für eine 15 Stunden Woche aus Gründen eines angeblich linken Kollektivismus und beförderst damit nur den angeblich rechten (schlechten, westlichen) Individualismus.
Denn eben darum geht es dir doch: den Individualismus zu fördern. Die Freiheit vom Kollektiv zu fördern. Die Belästigung durch das Kollektiv zu beseitigen.
Man könnte es auch schärfer formulieren: Hauptsache topi hat keinen “Bullshitjob” (oder Mcjob). Mcjobs sind für das Kollektiv.
In den letzten Jahrzehnten haben wir in den westlichen Wohlstandsgesellschaften dieses Phänomen immer stärker erlebt. Die Befreiung des Individuums von den Belästigungen des Kollektivs. Da ist nix mit “dass die Sonne schön wie nie über Deutschland scheint” oder “laßt uns pflügen, laßt uns bauen, lernt und schafft wie nie zuvor”. Pflügen und bauen will schon lange niemand mehr. Jedenfalls nicht mit den eigenen Händen. Frage mal die Handwerksmeister die Azubis suchen. Wenn die Eltern alt und krank werden. Dann gibt es Alten- und Pflegeheime. Wenn man arbeitslos wird gibt es die Arbeitslosenversicherung. Der Familie will man mit solchen individuellen Schicksalsschlägen schon lange nicht mehr auf den Geist gehen. Am Ende scheitert noch die Ehe weil einer der Ehepartner individuelle Probleme hat. Kollektiv nennst du sowas? Egoismus nenne ich es.

“Der Arbeitskollege wird zum ersten Gegner im Kampf um Ressourcen, der Nachbar im Kampf um den größten Pool (oder die Außenanlage vom teuersten Architekten, je nach Wohnlage), schon der Schulkamerad zum Gegner im Kampf um bessere Bildungschancen (sorry, “Bildung”, geht ja nur um Formalqualifikationen zum besseren Berufseinstieg).”

Wir sehen beide ein Problem. Da haben wir was gemeinsam. Nur die Ursachen würde ich anders benennen. Wir leben nicht in einem Armuts-Kapitalismus sondern in einem Reichtums-Kapitalismus. Wir leben in einem sehr reichen Land.
Ich habe mal eine Weile in Kairo gelebt. Wenn du in Kairo auf der Straße umfällst, dann stehen zehn Menschen um dich rum und wollen dir helfen. In Deutschland interessiert es viele nichtmal wenn direkt vor ihrer Nase jemand zusammen geschlagen wird. Ausländerheime brennen. Lies dir das Geschwafel von Petervonkloss durch. In Kairo kannst du Menschen auf der Straße ansprechen und sie laden dich zu Essen ein. In Deutschland?
Ich glaube einfach nicht, dass eine 15-Stunden Woche die Menschen irgendwie besser machen würde. Der Individualismus, der Egoismus, der Zynismus würden wahrscheinlich ungeahnte Ausmaße annehmen. Dtl. ist heute schon ein sehr zynisches Land. Weil es reich ist und sich diesen Zynismus leisten kann.

“Das ist die Verkörperung der von den USA aus in die Welt gebrachten Lebensweise in Reinkultur.”

Inwiefern? Der Kapitalismus produziert Wohlstand. Dieser Wohlstand ermöglicht Freiheit von kollektiven Zwängen (habe ich oben angeführt) und fördert damit gleichzeitig den Egoismus. Ok. Und was ist nun die Lösung? Der Kapitalismus hat die Gelüste und Bedürfnisse des Menschen ja beileibe nicht erfunden. Was willst du hier propagieren? Ein Paradies a la Rousseau? Und dann kam die moderne Welt und hat den Menschen aus dieser idealen Welt entführt?

“Die Zeiten, als für jeden der wollte Land da war (man musste ja nur die Rothäute ordentlich abknallen vorher), sind schon etwas vorbei.”

Die Zeiten, dass man Lebensraum im Osten gesucht hat sind auch schon vorbei. Was willst du mit solch klugen (?) Sätzen eigentlich sagen?

“Gesellschaftlich interessant ist das Problem: wenn du eine bestimmte Position hast, musst du mindestens 45/50/55 Stunden + X pro Woche mit deiner Arbeit verbringen, sonst bist du dafür nicht geeignet.
Und das ist Bullshit.”

Glaubst du Philae wäre jemals auf Tschuri gelandet wenn die Leute da nicht ihren Job lieben würden?
Dein Modell der 15 Stunden Woche ist interessant für Leute die einen McJob haben. Nur umgekehrt geht es dann eben um “Brot und Spiele”. Denn die Leute wollen eben unterhalten werden. Die “Überflüssigen”.
Bei dem was du schreibst sehe ich nun keine Idee. Du möchtest nur befreit sein von den Belästigungen des täglichen Lebens. Möglichst wenig arbeiten und möglichst viel konsumieren. Nach Malle fahren und da Urlaub machen. Schreibst du ja selbst: “Es gibt auch eine “Exportabteilung”; wenn man nach Malle will, macht man dort ein paar Stunden mehr, wenn man noch -diven dranhängen will (:roll: ), noch ein paar.”
Das ist jetzt links? Nach Malle fahren und sich da in’s Koma saufen? Interessant.
Unter links verstehe ich was anderes. Sinnvolle Tätigkeiten würden dazu gehören. Mitgefühl würde dazu gehören. Sich um seine pflegebedürftigen Eltern kümmern würde dazu gehören.

bleistift November 20, 2014 um 03:17

Ich mag Krankenhäuser, diese Horte des Leidens
Wo sich die vergessenen Alten zu Organen verwandeln
Unter den spöttisch-gleichgültigen Blicken
Der Assistenzärzte, die sich kratzen und dabei Bananen essen.

In ihren hygienischen und dabei trübseligen Zimmern
Sieht man sehr deutlich dad Nichts, das ihrer harrt
Vor allem morgens, wenn sie sich totenblass recken
Und ächzend nach der ersten Zigarette verlangen.

Die Alten verstehen ganz leise zu weinen,
Sie vergessen die Gedanken, auch die Bewegungen vergessen sie
Sie lachen nicht mehr oft, und alles was ihnen bleibt
Nach ein paar Monaten, vor der allerletzten Zeit,

Sind ein paar Wörter, fast immer diesselben;
Danke ich hab keinen Hunger nächsten Sonntag kommt mein Sohn.
Mein Gedärm tut mir weh, trotzdem kommt mein Sohn.
Und der Sohn ist nicht da, und ihre fast schon weißen Hände.

…….

Und der Sohn ist ein Linksliberaler und muss nach Malle fahren.
Und überhaupt hat er keine Zeit. Der Sohn.

“…wie Familieneinkauf mit drei Kindern mit Fahrrädern und Laufrad direkt nach der Schule/Kita meistern..”

Wofür gibt es ein Pflegeheim? Sagt der Sohn.
Wofür gibt es eine Kita? Sagen die Eltern.
Haben wir nicht ein Recht auf todbringende Medikamente? Sagen die Vergessenen.
Ja! Sagen die Linksliberalen!
Ihr habt alle Rechte!
Nur bloß (bloß!) keine Pflichten!

bleistift November 20, 2014 um 03:25

L´ Amour, l’amour

Kurzatmige Rentner in einem Pornokino
Verfolgten ohne rechten Glauben
Die schlecht gefilmten Spiele zweier lasziver Paare;
Eine Handlung gab es nicht.

Da hast du, so dachte ich, das Gesicht der Liebe,
Ihr urechtes Gesicht.
Die einen sind verführerisch; sie verführen immer,
Die anderen schwimmen so mit.

Es gibt weder Schicksal noch Treue,
Nur Körper, die einander begehren.
Ohne jede Zuneigung und vor allem ohne Mitleid,
Man spielt und man zerreißt.

Manche sind verführerisch und daher viel geliebt;
Sie dürfen den Orgasmus erleben.
Doch so viele andere sind müde und haben keinerlei Geheimnis,
Nicht mal Phantasien mehr;

Nur noch Einsamkeit, vertieft durch
Die schamlose Freude der Frauen;
Nur noch eine Gewissheit: »Das ist nicht für mich«,
Ein unscheinbares kleines Drama.

Im Sterben werden sie, das ist sicher, recht ernüchtert sein,
Von poetischen Illusionen befreit;
Sie werden die Kunst des Selbsthasses gründlich beherrschen,
Ganz automatisch.

Ich wende mich an alle, die nie jemand geliebt hat,
Die nie zu gefallen wussten;
Ich wende mich an die, die im befreiten Sex nicht vorkommen,
Im rohen Sinnengenuss.

Fürchtet euch nicht, Freunde, da verpasst ihr kaum etwas:
Die Liebe gibt es nirgendwo.
Das hier ist nur ein grausames Spiel, und ihr seid die Opfer;
Ein Spiel für Spezialisten nur.

bleistift November 20, 2014 um 03:27

Elementarteilchen.

bleistift November 20, 2014 um 03:39

Jeder stirbt für sich allein.

Gute Nacht, meine Freunde!

Bogus November 20, 2014 um 06:54

OT
– oder doch nicht ganz. Denn zu den “Werten und Normen im Journalismus” gehört idealerweise die Ausgewogenheit, was beinhaltet, dass man alle Seiten zu Wort kommen lässt. Umso mehr freut es den kleinen Bogus, dass er ein Interview mit einem der beiden [gemäß BILD] “irren Israel-Hasser” gefunden hat, die den armen Gregor Gysi bis aufs Klo gehetzt haben. Die Quelle mag manchem nicht in den Kram passen, aber immerhin ist die Interviewerin sehr hübsch:

https://www.youtube.com/watch?v=QC_uPI2QeQ8

keiner November 20, 2014 um 08:46

Apropopopo “Journalismus”

https://krautreporter.de/149–die-wilde-novemberjagd

Ja, hab ich sie denn noch alle beisammen?

Frankie (f.k.a.B.) November 20, 2014 um 09:38

@bleistift

“Der Kapitalismus produziert Wohlstand.”

Ein grosser Satz, gelassen ausgesprochen, über den man sich mal unterhalten sollte.
Natürlich produziert nicht “der Kapitalismus” den Wohlstand, sondern Produktivität und Innovation. Sind diese Wohlstandserzeuger nur vor dem Hintergrund einer Kapitalismus- ( = Eigentums-) ökonomie vorstellbar? Oder glauben wir das nur, weil die Eigentumsökonomie den ökonomischen Prozess schon seit Mesopotamiens Zeiten gekapert hat? Gibts einen anderen Weg?

Empirisch-historisch dürfte die Sache klar sein: jede nicht-eigentumsbasierte Ökonomie ( charakterisiert z.B. durch Subsistenzwirtschaft) ist bei Berührung mit einer kapitalischen Kultur verdampft wie Fliegen an der Lampe. Die Verfassung jener Kulturen hat nicht ausgereicht, dass sie sich durchsetzen können, der Kapitalismus lieferte offenbar immer die spannendere Verheissung.

Innerlich störe ich mich oft an Kommentaren von z.B. @TRSS oder @goodnight, wenn sie zu gegebenen Anlass genau diese Überlegenheit und die Unantastbarkeit des kapitalistischen Prozesses thematisieren und als letztlich unabwendbar und zwingend darstellen. Andrerseits: sie folgen halt dem Sieger, und das ist effizient und hat im Diskurs die geringsten Opportunitätskosten – was wiederum die grösstmögliche Integrität von formulierter These und eigenem Verhalten darstellt. Und doch wohnt dieser propagierten Alternativlosigkeit eine gewisse Trostlosigkeit inne.

Es gibt ja auch Elemente in der Erfolgsgeschichte des Kapitalismus, die völlig andere Verhaltensmodi benötigen wie die bekannten. Die Wohlstandstreiber “Produktivität” und “Innovation” benötigen nicht nur Effizienz, Arbeitsteilung oder eine “lopezianische” Beschaffungskultur ., sondern auch Kooperation und , ja, auch Solidarität. Und ich behaupte, dass die letzteren sogar immer wichtiger werden, weil die Geschäftsprozesse immer komplexer, verschachtelter , integrierter werden und höhere Interdependenzen zwischen den Akteuren haben.

Aber es bleibt schon die Frage : geht Wohlstand nur mit Kapitalismus?

keiner November 20, 2014 um 09:47

Die spannende Frage ist doch: Wie lange geht Kapitalismus ohne Wohlstand? Siehe Südeuropa etc…

Und zu deinen Ausführungen zu TRSS etc: Die Welt ist nicht nur schwarz oder weiss, die Zeiten der Western sind vorbei. Also lautet das Motto: Spannung aushalten. Und Grenzen für Kapital und seine unmenschlichen Mechanismen setzen. Ich selbst gehe z.B. aus verschiedenen Gründen nicht in’s “subventionierte Autorentheater”. Aber über 3sat und arte weiss ich einen geregelten Kulturbetrieb zu schätzen und gehe von einer hohen Wichtigkeit für eine Nation aus.

Wie gesagt: Spannung aushalten, die plumpen Antworten sind nicht die richtigen. Sonst drücken diese Leute demnächst wieder Euthanasie unter dem Deckmantel der “Menschlichkeit” durch’s Parlament und bekommen die unnützen Esser weg, die ihre Wertschöpfung stören und ihre Produktivsklaven durch Pflegebemühungen einschränken.

keiner November 20, 2014 um 09:51

Schönes Beispiel:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/atommuell-eon-will-nicht-fuer-endlager-suche-zahlen-1.2228288

Tag für Tag mit abgeschriebenen Atommeilern 1 Mio Gewinn, aber für den Dreck soll der Staat bezahlen…

holger November 20, 2014 um 10:01

Frankie

—>>>Aber es bleibt schon die Frage : geht Wohlstand nur mit Kapitalismus?”

Hast Du doch schön beschrieben

—>>>Natürlich produziert nicht “der Kapitalismus” den Wohlstand, sondern Produktivität und Innovation”

Nun, hat man das innen liegende Scheixxhaus wegen dem “Kapitalismus” entworfen, oder weil es einfach nur schöner ist, bei Minus 20°C nicht im Haus mit Herz draußen zu sitzen, mitten in der Nacht?

karla November 20, 2014 um 10:41

Frankie (f.k.a.B.) November 20, 2014 um 09:38

“Aber es bleibt schon die Frage : geht Wohlstand nur mit Kapitalismus?”

Warum soll das nicht gehen? Die Frage ist doch eher will das heute noch jemand?
Bei Deiner Frage ist die notwendig dazu gehörende Armut unter kapitalistischen Produktionsbedingungen ausgeblendet. Reichtum und Armut sind leider kein Verteilungsproblem sondern das wird ständig reproduziert unter den jetzigen gesellschaftlichen Bedingungen.

holger November 20, 2014 um 10:01

“Hast Du doch schön beschrieben

—>>>Natürlich produziert nicht “der Kapitalismus” den Wohlstand, sondern Produktivität und Innovation”

Die gesellschaftlichen Bedingungen unter denen “Produktivität und Innovation” angewandt werden sind aber nicht bedeutungslos.
Wohlstand wurde auch in der Sklavenhaltergesellschaft erzeugt und die dazu gehörende Armut stand dort auch fest.

Manfred Peters November 20, 2014 um 11:02

Nachzapp “Kreml-TV”, für Interessierte es gibt dazu auch einen Prosateil.
Oder sind per Definition des Focus die Zuschauer blöd?

holger November 20, 2014 um 11:58

karla November 20, 2014 um 10:41

Es ging, so denke ich, mal nicht um die Frage Master&Servant.

—>>>Die gesellschaftlichen Bedingungen unter denen “Produktivität und Innovation” angewandt werden sind aber nicht bedeutungslos.
Wohlstand wurde auch in der Sklavenhaltergesellschaft erzeugt und die dazu gehörende Armut stand dort auch fest.”

nun ja… auch zu Leonardo da Vinci Zeiten war das wohl so.

Es ging ja darum, ob der “Kapitalismus” erst “Innovation” schafft. Und da kann man eben sagen NEIN.

Es gibt da so ein altes Sprichwort: “Not macht Erfinderisch”

Oder anders gesagt: Wenn es Kalt ist, sollte ich ein Feuer machen. unabhängig vom “Kapitalismus”.

someone November 20, 2014 um 12:15

Eine Liebeserklärung von Kiew nach nach Moskau:
https://www.youtube.com/watch?v=v2H8FtlrzCI

Andreas Kreuz November 20, 2014 um 12:33

Gehört auch zum Thema.

Wie Wunschdenken und Realität inzwischen auseinander klaffen…

Fassade glitzert – Tragebalken sind weg gefault.

Frankie (f.k.a.B.) November 20, 2014 um 13:13

@keiner

Das ““subventionierte Autorentheater” , das TRSS als Beispiel für ein Gut wählt, das er nach TTIP überhaupt nicht vermissen würde, ist ein selten dämliches Beispiel für die Harmlosigkeit von TTIP, fast genauso dämlich wie das berühmte “Chlorhühnchen” für die Gefährlichkeit desselben.

Frankie (f.k.a.B.) November 20, 2014 um 13:19

@keiner

“Tag für Tag mit abgeschriebenen Atommeilern 1 Mio Gewinn, aber für den Dreck soll der Staat bezahlen…”

Da sag Dir als Atomkraftgegner: ich bin dafür dass dafür der Staat zahlt. Die Entsorgung, der Rückbau und die Endlagerung ist auf privatwirtschaftlicher Basis eh nicht darstellbar, wenn man das der Atomwirtschaft überlässt , dann macht sie es entweder nicht oder geht pleite dabei. Der Dreck bleibt uns in jedem Fall. Deshalb Vorschlag: jetzt Geld absaugen von der Atomwirtschaft solange noch was da ist und selber machen als Staat.

Aber schnell, nach TTIP ist die Atomwirtschaft am längeren Hebel!

Andreas Kreuz November 20, 2014 um 13:27

@Frankie (f.k.a.B.) November 20, 2014 um 13:19

Es ist zu spät.

Frankie (f.k.a.B.) November 20, 2014 um 13:32

@holger

Innovation.
Beim innenliegenden Scheixxhaus geb ich Dir recht.
Bei der Tin Lizzy aber schon nicht mehr. Die hat bekanntermassen Amerika mobil gemacht, weil billig, und das ging deshalb weil der alte Ford das Fliessband “erfunden” , und vor allem, eingesetzt hat. Das war ganz schön aufwendig, viel Kapital musste allokiert werden, es wurde viel ins Risiko gegangen, und ich frage mich ob die Akteure dazu bereit gewesen wären, wenn nicht eine Fantastilliarde dabei herausgesprungen wäre. Ich meine, in eienr Friede-Freude-Eierkuchen-Eloi-Gesellschaft hätte man sich die paar Oldsmobile, Packards oder Duesenbergs , die es damals gab, ja auch teilen können. Wenn man mal wohin muss. Und vielleicht muss man ja garnicht soviel rum.

(das mit dem Auto ist jetzt nur ein Beispiel für industrielle Massenporduktion, bitte nicht daran aufhängen wenn was falsch ist!)

holger November 20, 2014 um 13:45

Frankie (f.k.a.B.) November 20, 2014 um 13:32

Am Auto mach ich das bestimmt nicht fest :D denkt ja der ami immer noch, das Töff Töff erfunden zu haben.

Gut, Produktionsmethoden haben gewiss “Kapitalistischen” Charakter. Ganz klar. Aber die Notwendigkeit eine Innovation im Sinne einer Innovation zu “erfinden” das wohl nicht.

Ich red jetzt nicht von Pokemon Karten oder Panini Sammel Alben ;)

holger November 20, 2014 um 13:57

Frankie

und nun nenne ich dir 2 Namen, die mit dem “Kapitalismus” schwer verschwängert sind.

Rudolf Diesel und Thomas Alva Edison

Beide !!! Achtung beide haben nur bei anderen geklaut. Selber haben die beiden Nichts auf die reihe bekommen. Sie haben Plagiert, und das als ihr eigenes “Wissen” verkauft.

holger November 20, 2014 um 14:03

Und noch was Frankie

eine “Innovation” wir dann erst “Kapitalistisch”, wenn diese Massen tauglich ist.

Der Kapitalismus muss Massen vorhalten. Daher auch TTIP unbeschränkter Markt Zugang…

karla November 20, 2014 um 14:23

holger November 20, 2014 um 11:58

“Es ging ja darum, ob der “Kapitalismus” erst “Innovation” schafft. Und da kann man eben sagen NEIN.

Es gibt da so ein altes Sprichwort: “Not macht Erfinderisch”

Oder anders gesagt: Wenn es Kalt ist, sollte ich ein Feuer machen. unabhängig vom “Kapitalismus”.

Das mit der Innovation vor dem Kapitalismus ist schon richtig.

Nur, wie soll man unter kapitalistischen Bedingungen die Wohnung heizen wenn die “Kohle” für die Kohle nicht reicht? Soll man die Wohnung verheizen?

niemand November 20, 2014 um 14:29

>”Innerlich störe ich mich oft an Kommentaren von z.B. @TRSS oder @goodnight, wenn sie zu gegebenen Anlass genau diese Überlegenheit und die Unantastbarkeit des kapitalistischen Prozesses thematisieren und als letztlich unabwendbar und zwingend darstellen. Andrerseits: sie folgen halt dem Sieger, und das ist effizient und hat im Diskurs die geringsten Opportunitätskosten – was wiederum die grösstmögliche Integrität von formulierter These und eigenem Verhalten darstellt. Und doch wohnt dieser propagierten Alternativlosigkeit eine gewisse Trostlosigkeit inne.”

Kann man ruhig zweimal lesen, nicht wahr.

holger November 20, 2014 um 14:35

karla

—>>>Nur, wie soll man unter kapitalistischen Bedingungen die Wohnung heizen wenn die “Kohle” für die Kohle nicht reicht? Soll man die Wohnung verheizen?”

Wie gesagt, das wäre eben das andere Thema, so wie ich das verstanden habe. Frankie ging es doch wohl um die Frage: Sind “Innovationen” grundsätzlich “Kapitalistisch”.

Und da ich genügend “Erfinder” kenne, da kann ich sagen NEIN. Ich kenne keinen, der wegen dem “Kapitalismus” etwas macht und tut.

Natürlich gibt es auch die andere Seite, die NUR wegen des “Kapitalismus” es tuen. Da sag ich aber, das sind Scharlatane.

keiner November 20, 2014 um 14:46

@frankie

Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass die Stromgängster sich einen Fonds für die Ewigkeitskosten der Atommüllentsorgung aufquatschen lasse, vergleichbar zur Kohle? Selbst wenn die mit anderem Strom weiter Milliarden verdienen, alles den Aktionären, die Schulden den Steuerkassen, notfalls mittels betrügerischem Bankrott der ausgegliederten Atomsparte….

Und Autorentheater und Buchpreisbindung: Natürlich sind die nicht so wichtig wie Milliardenklagen ala Vattenfall (ein schwedischer Staatsbetrieb, nebenbei, zu doof in Schweden Atomkraftwerke sicher zu betreiben, eine der letzten Schoten war Sprengstoff im Atomkraftwerk…). Aber für das kulturelle Selbstverständnis von Deutschland am Ende doch wichtiger als noch ein paar Milliarden mehr Staatsschulden. Meine feste Überzeugung. Also nicht für Iphone-Zombies, aber für den Rest, der noch klar denken kann und will….

Frankie (f.k.a.B.) November 20, 2014 um 15:49

@keiner

“Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass die Stromgängster sich einen Fonds für die Ewigkeitskosten der Atommüllentsorgung aufquatschen lasse, vergleichbar zur Kohle? ”

Nicht “aufquatschen”. Da machen wir ein Gesetz. Wofür gibts das Parlament und die Regierung? ( Nach TTIP, ok, da werden beide wieder ein stückweit unwichtiger geworden sein…das fasziniert mich an der TTIP-Sache am meisten: dass die Politiker , die dafür sind, damit selbst ihre Bedeutung reduzieren)

keiner November 20, 2014 um 16:00

Haben sie doch bei der Eurorettung auch gemacht, Selbstabschaffung des Budgetrechts, mussten sie sich erst hinterher vom Verfassungsgericht wieder aufschwätzen lassen. Ein korrupter Verein. Und gegen die Interessen der Industrie wird da nix entschieden (schau dir die Geschichte des Atomausstiegs an, ohne fukushima hätte die Merkel wieder mit den Verbrechern gemeinsame Sache gemacht).

So ein Gesetz wird es nie geben.

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gewinne-im-dritten-quartal-dax-konzerne-verdienen-so-viel-wie-nie-1.2230243

Schau’s dir an, wohin die Gewinne gehen. Und Gewinne sind definitionsgemäß der Teil vom Umsatz, der sich beim besten Willen nicht vor der Steuer verstecken lies…

Andreas Kreuz November 20, 2014 um 16:14

Und noch ein Aspekt kommt dazu.

Die Frage nach einer Neuregelung der Eigentums- und Besitzverhältnisse spreche ich hier seit Jahren immer wieder an.
Das hat weder etwas mit Kommunismus noch mit Sozialismus etwas zu tun.
Da ist der weiterhin der Grundwiderspruch, der nach Auflösung drängt.

Frankie (f.k.a.B.) November 20, 2014 um 16:57

@Keiner

Jaja, schelte mich nur als naiv, is scho recht, wenns schee macht…

Aber hier

“schau dir die Geschichte des Atomausstiegs an, ohne fukushima hätte die Merkel wieder mit den Verbrechern gemeinsame Sache gemacht”

bist Du naiv. Fukushima hat Merkel bezüglich des Atomausstiegs völlig kalt gelassen.
Entscheidend war vielmehr , dass wegen Fukushima ein Bundesland , das konservativer als mein Heimatland Bayern ist, von schwarz nach grün/rot wechselte. Maaaaachtverlust droht! Auf sowas reagiert Merkel, nicht auf Katastrophen oder sowas.

keiner November 20, 2014 um 17:15

Kam auf den Zeitpunkt an, nicht auf den Anlass. ;-)

…und das böse n-Wort hast DU gesagt…

Morph November 20, 2014 um 19:00

amerikanischer Journalismus:

http://www.pbs.org/wgbh/pages/frontline/firestone-and-the-warlord/

http://www.thisamericanlife.org/

russischer Journalismus:

ErrTeeDeutschschsch…

’nuff said…

bzw. muss ich natürlich

@The Real Slim Shady November 19, 2014 um 13:09

voll zustimmen. 12 Punkte usw. – Was für eine Schmach! ;-)

holger November 20, 2014 um 19:22

Das Du nun wieder dem Dünnen-Schatten tief in den Anus rein rutschen musst isss eh klar…

Man sollte dem schatten dünnen nen Esel schenken, auf das er reiten kann in die Metropolen.

Morph November 20, 2014 um 19:34

@holger

Du kannst gegen mich nur mit Zoten kommen, ich weiß. Das Zotenalter fängt etwa mit 7 Jahren an und dauert bis zum 13., 14., 15. Lebensjahr, je nach Intelligenz. Bei Vollpfosten währt es lebenslänglich. ;-)

Ist Dir übrigens schon aufgefallen, dass Du mir hinterher schreibst, ich Dir aber nicht? How come?

holger November 20, 2014 um 19:38

Ach Morph

Du hast doch gewettert wie eine Bergziege gegen mich…

Schon mal gehört, dass die Commerzbank als erste den dünnen schatten zu vor kommt? #Negativzinsen

Nicht schlecht oder? 6% wären angebracht… es tut sich was. :D

holger November 20, 2014 um 19:41

Und ja Morphi kleine Schweinebacke, ich schreib dir als hinter her… beruhigt?

holger November 20, 2014 um 19:43

Und noch was Morphi, ich habe nachweislich schon eigene Gedanken entwickelt, da warst du noch nicht mal Stubenrein…

ruby November 20, 2014 um 22:38

@ holger96 + Morph + TRSS und Frankie f.k.a.B.

Schaut in die Clearingstelle hier herein :
http://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Aufgaben/Bargeld/CashEDI/cashedi.html
und ihr werdet den Selbstmord der Banken mit negativen Zinsen erkennen können …
und die letzten Rettungsversuche zur Abschaffung des Bargelds beschmunzeln
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/geld-ausgeben/nachrichten/oekonom-rogoff-will-bargeld-abschaffen-13274912.html

Genau das Gegenteil ist die neue Geldtheorie und -politik :
Zentralbankgeld für jeden unbegrenzt zum eigenen Zinssatz -
Das Grauen für Finanzoptionenschwindler !!!
Vollpfosten, dass die immer enger die Schlinge um ihren Hals ziehen .

BuBank :
“Ab dem 01.01.2013 werden im Geschäftsverkehr mit Bargeldgeschäftspartnern (vgl. Abschnitt XII. Nr. 1 AGB/BBk) keine „offenen“ Einzahlungen mehr entgegen genommen. Dies ist unmittelbarer Ausfluss der CashEDI-Pflicht, da nur durch eine Verpackung die Zugehörigkeit aller Bestandteile einer Einzahlung zu ihrer NVE / ihrem SSCC sichergestellt ist. Darüber hinaus wird die Bank Ein- und Auszahlungen nur noch in nach Banknoten und Münzen getrennten Transaktionen abwickeln.

Im Hinblick auf die Verlagerung der bisher in KTO2 geführten Bankenkonten auf TARGET2 zum 24.06.2013 teilen wir mit, dass für Prior1-Zahlungen, die nach Abschluss der „TARGET2 transition period“ als Ersatz für die direkte Kontobuchung von Einzahlungen unmittelbar auf einem auf der TARGET2-Plattform geführten Konto des Einzahlers gutgeschrieben werden, kein Weiterleitungsentgelt erhoben wird.

Damit werden – analog der bisherigen direkten Kontobuchung mit Einlieferungsbeleg auf ein in KTO2 geführtes Konto – die Einzahlungen ohne Erhebung eines Weiterleitungsentgeltes ausgeführt, deren endbegünstigtes Konto auf der TARGET2-Plattform geführt wird. Sobald ein Konto außerhalb der TARGET2-Plattform als endbegünstigtes Konto angesprochen werden soll und lediglich die Zahlungsverkehrsabwicklung über ein TARGET2-Konto erfolgt, wird auch weiterhin das Weiterleitungsentgelt für die Ausführung als Prior1-Zahlung (ab 01.01.2013 einheitlich 2,75 €) in Rechnung gestellt.

Auf die im Rahmen der Kontoverlagerung auf TARGET2 erforderlichen Schritte zur Änderung der betroffenen Bankverbindungen für die Abwicklung des baren Zahlungsverkehrs mit Kreditinstituten werden wir zu gegebener Zeit informieren.

Die genannten Entgelte werden den nach § 20 Satz 2 BBankG entgeltbefreiten öffentlichen Verwaltungen (Bund, Land, Sondervermögen des Bundes) nicht berechnet.

Alle anderen Änderungen des Dienstleistungsangebotes im baren Zahlungsverkehr (CashEDI-Pflicht, keine „offenen“ Einzahlungen, konventionelle Abwicklung von Ein- und Auszahlungen nur noch im Backup-Fall) gelten uneingeschränkt auch für alle öffentlichen Verwaltungen, die Bargeldgeschäftspartner nach Abschnitt XII. Nr. 1 AGB/BBk sind.”

Demnächst dann durch eine Weltbank mit zentralen Rechenzentrum … und dezentralen Bargelddruckern
;-)
zeigt mal etwas Fantasie ihr Zombies/Eloys

ruby November 20, 2014 um 23:33

in short :
Negativzinsen sind (verzögerte) Schulden-/Vermögensschnitte, die nicht funktionieren, um aus der Liquiditytrap herauszukommen und private Rentenversicherung mit hohen Cashflows abzupressen…
Systemfehler ;-)
https://www.youtube.com/watch?v=0DmD9dV9G4Q
wann spielten die im onkel pö zwei Tage hintereinander??
http://www.zeit.de/hamburg/kultur/2014-11/onkel-poes-carnegy-hall-hamburg

ruby November 20, 2014 um 23:40
gelegentlich November 21, 2014 um 10:07

@Morph

„amerikanischer Journalismus:
http://www.pbs.org/wgbh/pages/frontline/firestone-and-the-warlord/
http://www.thisamericanlife.org/
russischer Journalismus:
ErrTeeDeutschschsch…“

Kommunikations-Hooligan. Mehr ist da nicht. Genauso überzeugend wie die neulich zitierte Geschichte mit dem Lob für Chomsky im Feuilleton (!) der New York Times. Auch Seymour Hersh läßt sich da schlecht anführen. Seine Syrien-Enthüllungen erschienen beim London (!) Review of Books. Amerikanischer Journalismus?

Nein, da hat @holger schon recht: Deine Zunft, die irgendwie angestellte akademische sozialwissenschaftliche Intelligenz hier, hat ihre Deutungshoheit und -reichweite weitgehend verloren. Es wurden einfach jahrzehntelang aufgeplustert irgendwelche Buzzwörter („Reformen“ usw.) abgefeiert, während die Leute sahen, dass dies nicht zum Wahrgenommenen paßt. Auch wenn Leute wie Jebsen, Ulfkotte u.ä. Schrillheimer sein mögen – wo bitte ist der Unterschied zu einem Joffe, einem Cornelius?
Es bleibt einfach der diffuse Verdacht dass in wesentlichen Punkten geschwindelt wird. Wer hat schon die Zeit in jedem Fall genau genug nachzusehen?
Zu dieser Auffassung, dass die Priesterkaste gerade panisch wird, paßt das hier:
http://www.heise.de/tp/artikel/43/43384/1.html
„Schön, dass die ARD da auch eine Kommunikationswissenschaftlerin, Wiebke Loosen vom Hans-Bredow-Institut, gefunden hat, die in der Regulierung der Debattenkultur einen Trend sieht: “Sowohl auf Publikumsseite als auch auf Journalistenseite sind wir gerade erst dabei, die Regeln, die dafür gelten sollten, auszuhandeln.” Offenbar scheint man nicht gewillt zu sein, die Publikumsseite auch einzubeziehen. Bei der Süddeutschen muss das ja auch nicht sein. Es braucht sie niemand zu kaufen,…“
Mein Schluß: für jeden Sch… findet man einen Sozialwissenschaftler, oder Rechtsanwalt. Und daraus werden dann eben die richtigen Schlüsse gezogen.

Morph November 21, 2014 um 11:08

@gelegentlich

“Auch wenn Leute wie Jebsen, Ulfkotte u.ä. Schrillheimer sein mögen – wo bitte ist der Unterschied zu einem Joffe, einem Cornelius?”

Das kann ich Dir nicht erklären, denn die Form Deiner Frage (“Schrillheimer sein MÖGEN”) zeigt mir, dass Du das Ausmaß der intellektuellen Unbedarftheit eines Jebsen und eines Ulfkotte nicht erkennst.

Und das ist bei Deinesgleichen ein systematischer Defekt, der u.a. begründet, warum ihr die berechtigte Kritik an politischen Entscheidungen ‘westlicher’ Mächte nicht von einer völlig abwegigen und fatalen Parteinahme für den anschwellenden Putinismus in Europa abgrenzen könnt (der Putinismus zeigt sich ja nicht nur in dem selbstherrlichen und lügnerischen Taktieren der Putinregierung sondern auch in so widerlichen Figuren wie Orban, Le Pen et tutti quanti).

Ich habe mich nach 2008 total gewundert, warum die Finanzkrise nicht zu einem Erstarken linker politischer Kräfte geführt hat. Mir ist dann irgendwann klar geworden, dass es einfach keine organisierte Linke gibt, die diesen Namen verdient. Sondern einfach nur die angstdumme Exklusionsangst, die den Putinismus in all seinen Gestalten anzuhimmeln bereit ist. Aus einer Vernunftperspektive kommt man dann zu dem deprimierenden Schluss, dass es jenseits des individualistischen Karrierismus der Moderne nichts Kritisches gibt. Nur Zukunftsangst, Flucht in die Zote und Hoffnungen auf den ‘starken Mann’.

“Und daraus werden dann eben die richtigen Schlüsse gezogen.”

So ist es.

gelegentlich November 21, 2014 um 11:41

@Morph

„Das kann ich Dir nicht erklären, denn die Form Deiner Frage (“Schrillheimer sein MÖGEN”) zeigt mir, dass Du das Ausmaß der intellektuellen Unbedarftheit eines Jebsen und eines Ulfkotte nicht erkennst.“

Nun ja, ich hatte es mehr damit dass ein Unterschied zu Joffe oder Cornelius nicht erkennbar ist. Und da hatte ich an die Rumpelstilzchen der FAZ von gestern noch gar nicht gedacht.

„Mir ist dann irgendwann klar geworden, dass es einfach keine organisierte Linke gibt, die diesen Namen verdient. Sondern einfach nur die angstdumme Exklusionsangst, die den Putinismus in all seinen Gestalten anzuhimmeln bereit ist. “

Der erste Satz haut wohl hin. Die Mehrheit der Leute, die diese Politik der Spannung ablehnen, himmelt nach meinem Eindruck den „Putinismus“ nicht an. Hier im Blog schon gar nicht.
Angst ist kein guter Ratgeber. Aber „angstdumm“ würde ich die Exklusionsangst nicht nennen. Hier werden doch häufig konkrete Beispiele dafür gebracht dass sie realistisch ist.

Frankie (f.k.a.B.) November 21, 2014 um 12:04

@Morph

“Ich habe mich nach 2008 total gewundert, warum die Finanzkrise nicht zu einem Erstarken linker politischer Kräfte geführt hat.”

Die negativen Auswirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft wurde 2009/2010 adäquat bekämpft: Konjunkturprogramm, Abwrackprämie, Kurzarbeitergeldverlängerung. Reinster Keynes. Wenn man so will, eine linke Agenda. Der SPD ( die Treiber dieses Programmes in der GroKo war, Merkel hat nur danebengesessen und tumb geschaut) ist kein Narrativ eingefallen, wie diese Erfolgsgeschichte an den Mann zu bringen wäre, der eigene Erfolg war ihnen sprichwörtlich unheimlich.

Die negativen Auswirkungen der Finanzkrise auf die Guthaben wurde durch Bankenrettung in Höhe von 150 Mrd. Euro bekämpft. Damit wurden die Seelen der Geldhaber/Sparer in Frieden gehalten. Eigentlich auch eine linke Agenda, rechts im Sinne von ordoliberal wäre gewesen, die Banken über den Jordan gehen zu lassen und deren Gläubiger ( was allerdings die Sparer sind ) gleich mit.

Die beiden “linken” Agendae wurden nicht positiv verkauft, sie wurden camoufliert, oder man glaubte nicht an deren Erfolg, oder man traute diesem Erfolg nicht und schob gleich eine “Schuldenbremse” nach dem Motto: “Wir wurden zwar gerettet, aber nicht mit den richtigen Mitteln!”

Wie sollen da “linke Kräfte” erstarken?

Morph November 21, 2014 um 12:10

@gelegentlich

“Nun ja, ich hatte es mehr damit dass ein Unterschied zu Joffe oder Cornelius nicht erkennbar ist.”

Mir ist der Hurra-Amerikanismus eines Joffe unsympathisch. Diese Abneigung spielt sich aber auf einer ganz anderen Ebene ab als die Abneigung gegen solche Hysteriker wie Jebsen und Ulfkotte und deren Weltbild. Niggemeier hat Ulfkotte nach allen Regeln der journalistischen Kunst zerlegt. Wie reagiert das Kommentariat? Man kommt zu dem Befund, dass Niggemeier ein Systemling sei.

Und das ist nach meiner Wahrnehmung das Problem der gesamten MSM-’Kritik’. Statt sich mit den Argumenten z.B. eines Joffe oder eines Cornelius kritisch auseinanderzusetzen, schaut man sich deren Mitgliedschaften an und ‘erkennt’ dann, jenseits aller Argumente: Aha, ein CIA-Agent, ein NATO-Mietmaul.

Und wer einen MSM-’Kritiker’ mit Gründen (!) nicht zustimmt (wie in diesem Fall Niggemeier), gilt dann eo ipso als Parteigänger von ‘USrael’ und den westlichen ‘MSM’.

Es ist einfach nur deprimierend. Die Gegenöffentlichkeit, das ist heute ein anderer Name für den ideellen Gesamtvollpfosten.

karla November 21, 2014 um 12:13

Morph November 21, 2014 um 11:08

“Ich habe mich nach 2008 total gewundert, warum die Finanzkrise nicht zu einem Erstarken linker politischer Kräfte geführt hat.”

Ob sich eine stärkere linke politische Kraft entwickelt hängt nicht von aktuellen Erreignissen ab. Umgekehrt: Gibt es bei aktuellen Erreignissen wie der Finanzkrise eine starke linke politische Kraft, kann (muss aber nicht) sich eine andere Entwicklung ergeben.

PS:
Bei Deinem Beitrag: Morph November 20, 2014 um 19:00
zu TRSS – Beitrag habe ich nur Bahnhof verstanden. Keine Ahnung was die Botschaft sein sollte.
TRSS Beitrag habe ich auch kommentiert (November 19, 2014 um 14:25 ), leider keine Rückmeldung. Gut, ist auch ein Zeitproblem.

wowy November 21, 2014 um 12:42

@Morph
Nur teilweise Zustimmung. Das Umfeld wird bei Ulfkotte und Konsorten genauso kritisch beleuchtet (zu recht) wie bei Joffe und Co. Es ist m.E. bei der Frage nach Unabhängigkeit des Journalisten legitim.
Das Problem bei Niggemeier, der ein guter Journalist ist, sehe ich an anderer Stelle. Manchmal, so mein Eindruck, schreibt er Artikel nur deshalb, um seinem Ex-Arbeitgeber SPIEGEL eine mitzugeben. Das, finde ich, macht ihn angreifbar. Ich habe
keinerlei Verbindungen zum SPIEGEL.

gelegentlich November 21, 2014 um 14:05

@Morph
„Und wer einen MSM-’Kritiker’ mit Gründen (!) nicht zustimmt (wie in diesem Fall Niggemeier), gilt dann eo ipso als Parteigänger von ‘USrael’ und den westlichen ‘MSM’.
Es ist einfach nur deprimierend. Die Gegenöffentlichkeit, das ist heute ein anderer Name für den ideellen Gesamtvollpfosten.“
Klar, „MSM-Kritiker“ drehen oft frei durch, wie ihr Gegenpart. Diese Kritik an Niggemeier war gewiß falsch, aber: wir denken da eben auch an den Modebegriff „Putinversteher“, das Gleiche in umgekehrter Richtung.
Es ist noch deprimierender: die mediale Öffentlichkeit ist durchaus nicht besser als die „Gegenöffentlichkeit“. S. die FAZler gestern sowie @TRSS und @Goodnight.

Keynesianer November 21, 2014 um 15:46

@Morph

Ich habe mich nach 2008 total gewundert, warum die Finanzkrise nicht zu einem Erstarken linker politischer Kräfte geführt hat.

Tja, es war schon alles vorbereitet, die Menschen wieder mit dem genialen Theoretiker des Sozialismus und der Wertformanalyse zu linken.

Drei mal darfst Du raten, warum sogar der französische Präsident sich für die Marx-Werbung hat einspannen lassen:

A few years ago Nicolas Sarkozy was seen ostentatiously clasping a copy of Das Kapital, while in recent weeks financial gurus, including Nouriel Roubini and George Magnus, have written articles referencing the communist thinker.
http://www.ft.com/cms/s/0/8779690c-ce60-11e0-99ec-00144feabdc0.html#ixzz3JiLISTdh

Und warum dann auf die Neuauflage des Neomarxismus doch lieber verzichtet wurde. ;)

Keynesianer November 21, 2014 um 16:16

Ja, der oben mit Marx angesprochene George Magnus hat schon auch die bekannte Erklärung für die Arbeitslosigkeit von Seiten “der Linken”:

Scary headlines belie the complexity—and the potential opportunities—of technological shocks in the labour market

In other words, instead of man exploiting machines and becoming more productive in new jobs as a result, machines are making us and many occupations permanently redundant.

http://www.georgemagnus.com/capital-punishment-why-new-technologies-are-hurting-us-for-now/

Also nicht die Hochzinspolitik und die restriktive Finanzpolitik und das Lohndumping der Agendapolitik in Deutschland erzeugen die Arbeitslosigkeit, sondern die Griechen und Spanier wurden durch einen “technischen Schock” auf die Straßen geworfen.

Ist schon besser so, dass auf ein Erstarken “linker Kräfte” dann doch verzichtet werden musste. :)

Soldat Schwejk November 21, 2014 um 16:53

Sag mal @ Morph…

… meinst Du das ernst??

—> “der Putinismus zeigt sich ja nicht nur in dem selbstherrlichen und lügnerischen Taktieren der Putinregierung sondern auch in so widerlichen Figuren wie Orban, Le Pen et tutti quanti”

Jetzt ist Putin also auch schon an Orban und Le Pen schuld. Wow! Wieso wirfst Du eigentlich den Leuten ihr “USrael”-Gebabbel vor? Was denen ihr USrael, das ist Dir Dein Putin. Aber kriegst mit dieser Aussage wahrscheinlich einen Willkommensblumenstrauß von der einen Beklopptenfraktion.

Wenn Le Pen in Frankreich Präsidentin wird, dann hat das was mit der EU und Merkel und so zu tun, nicht mit Putin. Mit dem hier gepflegten Herrschaftsdiskurs, nicht mit dem in Moskau gepflegten Herrschaftsdiskurs. Das ist doch wohl klar. Orban genauso. Das sind Gegenbewegungen gegen die hiesige Postdemokratie, gegen eine oligarchisch-technokratische EU mitsamt ihrem Sachzwangdiskurs. Muß man nicht mögen, obwohl es Merkel irgendwie zu gönnen wäre, wenn sie es im Westen mit Le Pen zu tun kriegt (im Süden mit Tsipras sowieso). Aber der Putin kann da gar nix dafür.

Morph November 21, 2014 um 17:12

@Schwejk

“Jetzt ist Putin also auch schon an Orban und Le Pen schuld.”

Habe ich das behauptet? Nein. Die Putinregierung ist nur der deutlichste Form eines Politikstils, dessen Zustimmungswerte steigen. Für mich ist der Ausdruck Putinismus eine Formel, die einen bestimmten Politikstil bezeichnet. Die hat mit der Person Putins nichts zu tun. Die Formel rückt den Herrn Putin zweifellos nicht in ein besonders sympathisches Licht. Das macht mir nichts, denn ich finde den Herrn in der Tat nicht besonders sympathisch.

Allerdings habe ich nichts gegen Putin. Der Typ und seine Kumpels (2 Mio.-korrupt-Schröder) und Fans (Le Pen) sind mir persönlich total egal. Ich glaube aber, der Mann ist etwas überfordert. Ein Geheimdienstler. Eine geistlose Fleißmaus. Eine traurige Gestalt.

georgi November 21, 2014 um 17:17

@schwejk

Hallo Schwejk!

Nächster Streich von Pervij:

http://www.stopfake.org/en/lies-petro-poroshenko-promised-that-children-from-donbas-would-be-sitting-in-cellars/

Leider verstehe ich weder Ukrainisch noch Russisch. Ich weiß auch, daß Poro Ukrainisch nur mangelhaft beherrscht. Schriftliches Russisch kann ich mit Hilfe von Grammatik und Wörterbuch entziffern, wenn nicht zuviel Ukrainismen und spezieller Slang enthalten sind und der Text nicht zu lang ist. Gegen ein Transcript hätte ich also nichts.

Mir schwant, daß stopfake auch ganz dolle faked. Daß der genannte Ausschnitt aus Poros Rede durchaus von einem Donbass-Bewohner als eine zynische Drohung verstanden werden kann, halte ich für möglich, denn schließlich sendet 1tv ja in russischer Sprache, und Russen dürften ukrainisch, noch dazu stark russisches Ukrainisch ohne Dolmetscher verstehen. Und das Argument, Futur und Präsenz verwechselt zu haben, überzeugt wenig.

Was meinst Du dazu?

Morph November 21, 2014 um 17:20

@Schwejk

“obwohl es Merkel irgendwie zu gönnen wäre, wenn sie es im Westen mit Le Pen zu tun kriegt”

Dieser Satz markiert das aktuelle Versagen kritischer Intelligenz.

Andreas Kreuz November 21, 2014 um 17:31

@Morph November 21, 2014 um 17:20

Vielleicht liegt es auch nur daran,
dass etwas passieren muss damit etwas passiert?

holger November 21, 2014 um 17:58

—>>>Versagen kritischer Intelligenz”

:D das ist eben Politik durch und durch. Passt wie die Faust aufs Auge. Weder ist dort Intelligenz vorhanden, noch ist sie kritisch, und versagen tut sie immer.

Daher hat man Brüssel entworfen, weil da noch mehr Deppen sitzen. Ich hab übrigens schon den einschlitzigen Toaster… :D Und den neuen EU Konformen Staubsauger. War ein Werbegeschenk von der Deutschen Bank ;)

“kritische Intelligenz” LOL :D was für eine Story… hast wohl die ganzen letzten 25 Jahre nur im Koma verbracht oder?

Andreas Kreuz November 21, 2014 um 18:02

@holger November 21, 2014 um 17:58

Also ich habe einen zweischlitzigen Extralang-Toaster.
Ich habe aber auch das Kernkraftwerk in Sichtweite… ;-)

holger November 21, 2014 um 18:03

Le Pen… LOL was soll der HIV Arbeitslager Schröder Gerhard dazu sagen? Der größte Sozialist gleich nach Adolf… LOL

Linke ? LOL :D

holger November 21, 2014 um 18:06

Andreas Kreuz

—>>>Ich habe aber auch das Kernkraftwerk in Sichtweite…”

Also ich hab mir mal die Todesraten angekuckt… :D rein von der Statistik her, müssten Autos verboten werden ;)

bleistift November 21, 2014 um 18:11

Ach Holger
Wenn wir dich nicht hätten und die Löffel dann müssten wir die Suppe trinken.

Spruch von meiner Oma.

holger November 21, 2014 um 18:15

Hey H Mine

Hätte der Hund nicht geschissen, hätte er den Hasen gehabt…

Gruss an die Omma

Soldat Schwejk November 21, 2014 um 18:17

@ georgi

Also in der Ansprache ist es die Passage nach 53:00. Die grammatikalischen Feinheiten im Ukrainischen sind mir nicht zugänglich. Für einen Russen muß es wohl wie eine Futur-Konstruktion klingen, aber vielleicht ist es im Ukrainischen anders.

Die Rede hält er ja in Odessa, wo es auch viele Sympathien mit Neurußland gibt. Ich denke, die Adressaten der Ansprache sind nicht die Leute im Donbass, sondern die Bewohner der Gebiete in der Ost- und Südukraine, die sich auch gern von Kiew lossagen würden. Denen teilt er mit: Nun schaut, was die im Donbass von ihrer Rebellion haben, zerschossene Städte und Notstand. Wollt ihr das auch? Bleibt loyal zu Kiew, dann gibt es Strom und Wasser und keine Artillerie.

Man könnte es schon als Drohung verstehen, aber gerichtet an potentielle Rebellen in den noch Kiew untergeordneten Gebieten der Ost-UA.

Aber es scheint mir auch noch ein anderer Subtext denkbar. Es könnte an die Kriegsfraktion im UA-Establishment und an die Hurrapatrioten adressiert sein und den Verzicht auf den sofortigen Versuch einer Rückeroberung begründen. Dann wäre die Aussage etwa so zu verstehen: Wir konnten es militärisch nicht gewinnen, laßt es uns lieber ökonomisch versuchen. Laßt uns die Ressourcen lieber in die Entwicklung des Landes stecken und nicht in einen langen Krieg. Wenn es hier aufwärts geht und die dort auf der anderen Seite immer noch in der Scheiße sitzen, dann wollen sie von sich aus wieder zurück in den Staatsverband.

Wobei die Sache mit den Kindern im Keller aber kaum anders zu verstehen ist als eine Anspielung auf den Artilleriebeschuß, egal ob Futur oder Präsens.

holger November 21, 2014 um 18:26

coole Sache das LOL :D

https://www.tagesschau.de/inland/goldhandel-afd-101.html

Werte und Normen halt

Die Zuschüsse dürfen aber nicht höher sein als die selbst erwirtschafteten Einnahmen. So entstand die Idee der AfD, diese Einnahmen mit dem Goldhandel zu steigern. Allein in diesem Jahr könnten die staatlichen Zuschüsse für die AfD so von drei auf fünf Millionen Euro steigen. (…) Die Verärgerung der AfD hat Gründe: Immerhin hat die Partei seit dem Start des Goldverkaufs mehr als zwei Millionen Euro umgesetzt

Was sagen unsere Stützels dazu? :D

Natalius November 21, 2014 um 18:49

So, jetzt reicht’s mir als frommer Katholik mit naiver Intermittenz. Ich schlage @Morph als Putin-Nachholger vor. Grund: Ich glauber einfach, dass @Morph etwas weniger überfordert als Putin ist. Semiotik statt Geheimdienst – das hat mich voll überzeugt. Keine geistlosen Fleissmäuse, sondern begnadete Vertreter der nicht-numerischen Systemtheorie, die die Einheit der Differenz auf Oligarchie-verursachte Probleme anwenden und binnen kürzester Zeit zu Lösungen kommen.

Die numerische Systemtheorie (die Russen waren da Pioniere btw.!) ist out – es lebe die nicht-numerische!

Wer ist sonst noch dafür, ein Empfehlungsschreiben für @Morph als Präsidentschaftskandidat an den Kreml zu richten? Russisch wird er schnell lernen können. Wer hat Ideen für schlagkräftige Formulierungen? Goodnite? Someone? TRSS?

Andreas Kreuz November 21, 2014 um 18:53

@Natalius November 21, 2014 um 18:49

Gibt es in Europa noch nicht genug Böcke als Gärtner?

Natalius November 21, 2014 um 19:05

@Andreas Kreuz

“Gibt es in Europa noch nicht genug Böcke als Gärtner?”
Schon – aber Russland ist Eurasien – also lasst uns unser westliches Erfolgsmodell einfach exportieren. Schorsch Sorosch hat bestimmt 1 Mrd. für @Morph in der Kaffeekasse.

georgi November 21, 2014 um 19:20

Lieber Schwejk!

Also keine Sportpalastrede! Poro hat nur nicht so hoch die Wahl gewonnen, wie er es sich ausgerechnet hat. Deshalb muß er die Macht mit jemandem teilen, der aber primär nicht an Frieden sondern an Endsieg interessiert ist. Die Leute, auf die Poro jetzt angewiesen ist, wollen den Minsker Prozeß nicht, denn der würde statt zum Endsieg zu einem eingefrorenen Konflikt führenl Poro jedoch ist zusammen mit Putin Hauptakteur im Minsker Prozeß. Poro will einen Arm abschneiden, um den Leib zu retten. Poro hat verstanden, daß er zunächst seinen Staat konsolidieren muß, damit man an Endsieg überhaupt nur denken kann. So kann man Poros Rede im Odessiter Opernhaus möglicherweise erklären.

Apropos: Vor wem hat er seine Rede gehalten? War das ein Parteitag, eine Rede vor Frontkämpfern oder vor Laufkundschaft?

Die russische Propaganda macht aus Poros Rede eine Empfehlung zu Terror und Kriegsverbrechen, um den Krieg doch noch zu gewinnen. Dummerweise steht einer solchen Interpretation nichts im Wege, denn Politiker reden immer von Frieden, nämlich von Siegfrieden, wenn sie Krieg meinen. Auch in dieser Hinsicht überzeugt stopfake.org nicht.

topi November 22, 2014 um 02:51

“Schwejk

“Wenn Le Pen in Frankreich Präsidentin wird, dann hat das was mit der EU und Merkel und so zu tun, nicht mit Putin. Mit dem hier gepflegten Herrschaftsdiskurs, nicht mit dem in Moskau gepflegten Herrschaftsdiskurs. Das ist doch wohl klar. Orban genauso. Das sind Gegenbewegungen gegen die hiesige Postdemokratie, gegen eine oligarchisch-technokratische EU mitsamt ihrem Sachzwangdiskurs.”

Richtig.
Nur der EURO hat noch eine höchstpersönliche Erwähnung verdient; bzw. seine Einführung ohne auch nur zu kapieren, dass sich aufmultiplizierende Inflationsdifferenzen eine Situation ergeben, aus der es keinen Ausweg außer den Rückweg (Inflationsratendifferenz mit umgekehrten Vorzeichen) gibt, mit idR katastrophalen Folgen.

@ Morph
“Potikstil”
Orban und Le Pen sind sicher keine radikalen Basisdemokraten, also Stilpunkte sammeln sie nicht.

Nur geht es bei einer Schuldenkrise, oder bei einer Festwechselkurskrise, schon gar nicht bei Überlagerung beider, nicht um Stil.

Sondern um Lösungen. Es braucht einfach Lösungen, damit es wieder weitergehen kann. Die Menschen spüren, dass die gegenwärtigen Politiker keine Lösungen anbieten, oder auch nur das Problem/die Probleme verstehen wollen.

Da schauen sie eben, wer verspricht wenigstens eine Lösung und ist etwas anders als die Etablierten.

Den Populisten-Wähler zu beschimpfen ist billig.

Politik als richtig oder gar zwangsläufig zu beschreiben, die die Krisen nicht lösen KANN, ist dagegen dämlich. Der Wohlstandsverlust in Euroland durch falsches Politikerhandeln ist schon enorm; und die Abwärtsspirale kommt erst langsam in Gang, da ist noch viel Luft nach unten, aber sie arbeiten dran.

topi November 22, 2014 um 03:22

Bleistift

“Dieser eine Satz zeigt schon dein ganzes Dilemma. Du bist für eine 15 Stunden Woche aus Gründen eines angeblich linken Kollektivismus und beförderst damit nur den angeblich rechten (schlechten, westlichen) Individualismus.
Denn eben darum geht es dir doch: den Individualismus zu fördern. Die Freiheit vom Kollektiv zu fördern. Die Belästigung durch das Kollektiv zu beseitigen.”

Diese Sätze zeigen, dass du gar nichts verstehen willst; oder kannst?
Menschen in 45h-Jobs zu halten, von denen die Mehrzahl keinen sinnvollen Output ergibt, eine Einbindung ins Kollektiv zu nennen ist einfach nur dämlich.

” Man könnte es auch schärfer formulieren: Hauptsache topi hat keinen “Bullshitjob” (oder Mcjob). Mcjobs sind für das Kollektiv.”

Drei grobe Fehler in zwei Zeilen, man man man.
Erstens sind Bullshitjobs keine McJobs. Bullshitjobs sind überflüssig bzw. nur aus einer betriebswirtschaftlichen Logik heraus notwendig, ohne sie könnte der reale Wohlstand genau so hoch sein. Das hatten wir kürzlich ausfhrlich diskutiert, aber mit dem Lesen hast du es ja nicht so.

McJobs dagegen sind oft sinnvolle Tätigkeiten für die Gesellschaft, die von DEINER Ideologie zu McJobs gemacht wurden. Die Zustände in Pflegeberufen in einer prinzipiell so reichen Gesellschaft sind einfach zum Kotzen.
Auch die Klofrau oder der Zeitungsverteiler oder die Brötchenverkäuferin leisten einen weitaus sinnvolleren Beitrag für die Allgemeinheit als der dummschwätzende Spitzen-Bullshitter.

Ich habe weder einen Bullshit- noch einen McJob, wie du wissen könntest; Also kann es mir schon gar nicht um mich gehen, Schlaumeier.

” In den letzten Jahrzehnten haben wir in den westlichen Wohlstandsgesellschaften dieses Phänomen immer stärker erlebt. Die Befreiung des Individuums von den Belästigungen des Kollektivs….Pflügen und bauen … … Handwerksmeister… … Eltern alt und krank … Alten- und Pflegeheime … Arbeitslosenversicherung… Der Familie will man mit solchen individuellen Schicksalsschlägen schon lange nicht mehr auf den Geist gehen.”

Du erzählst kompletten Unfug.
Heute werden zwei Erwachsene der Kleinfamilie in 45-Stunden-Jobs gedrückt, und machen mit, weil sie keine Alternativen haben.

Und dann laberst du von Pflegeheim? Die Befreiung von idiotischer Bullshitarbeit ließe doch erst den Freiraum um Angehörige zu pflegen!
Wie blöd ist denn so eine Argumentation?

topi November 22, 2014 um 03:49

—>>“Der Arbeitskollege wird zum ersten Gegner im Kampf um Ressourcen, der Nachbar im Kampf um den größten Pool, schon der Schulkamerad zum Gegner im Kampf um bessere Bildungschancen.”>>>

“Wir sehen beide ein Problem. Da haben wir was gemeinsam. ”

Weil du dir wieder mal komplett widersprichst. Oben war es noch das gute Kollektiv, aus dem ich den armen Arbeiter reißen wollte. :roll:

“…Kairo…”

Aha. Nach deiner Logik ist der Kairoer hilfsbereiter, gar menschenfreundlicher, weil er länger in Bullshitjobs arbeitet als der Deutsche. Oder was stimmt wieder mal logisch nicht an deinen Argumenten?

>>>“Das ist die Verkörperung der von den USA aus in die Welt gebrachten Lebensweise in Reinkultur.”>>>

“Inwiefern”

Na wie oben beschrieben Der Mensch wird zur Ich-AG, zum Selbstvermarkter, zum Selbstoptimierer, das ganze Leben wird durchökonomisiert; angeblich ist das “Freiheit”.

Das ist das Gegenteil von “Kollektiv” von dem du schwadronierst.
Nur Menschen, die sich da raus ziehen, zumindest teil(zeit)weise, können sich in Gemeinschaften organisieren, engagieren. Ob nun Familie oder Wohngemeinschaft (groß) oder Verein oder was auch immer.

“Der Kapitalismus produziert Wohlstand.”

Quatsch. Moderne Produktion erzeugt Wohlstand.

“Dieser Wohlstand ermöglicht Freiheit von kollektiven Zwängen (habe ich oben angeführt) und fördert damit gleichzeitig den Egoismus.”

Unsinn. Ist Norwegen egoistischer als D?

>>>“Die Zeiten, als für jeden der wollte Land da war (man musste ja nur die Rothäute ordentlich abknallen vorher), sind schon etwas vorbei.”>>>

“Was willst du mit solch klugen (?) Sätzen eigentlich sagen?”

Das waren die progressiven Zeiten der USA. Als alles verteilt war, wars vorbei. Der Fordismus passte einfach perfekt in die Zeit zur Lösung der WWK I, der Gesamtverschuldungskrise; außerdem betrug der Spitzensteuersatz über 80%, man musste schlicht andere Käufergruppen finden.

bleistift November 22, 2014 um 03:50

“Die Befreiung von idiotischer Bullshitarbeit ließe doch erst den Freiraum um Angehörige zu pflegen!
Wie blöd ist denn so eine Argumentation?”

Ja weiß ich nicht. Du warst es doch der von Malle angefangen hat. Oder? Nicht ich.
Ansonsten kann ich aus deinem Beitrag einen Haufen Empörung rauslesen.
Mehr aber halt auch nicht.

“McJobs dagegen sind oft sinnvolle Tätigkeiten für die Gesellschaft, die von DEINER Ideologie zu McJobs gemacht wurden. Die Zustände in Pflegeberufen in einer prinzipiell so reichen Gesellschaft sind einfach zum Kotzen.
Auch die Klofrau oder der Zeitungsverteiler oder die Brötchenverkäuferin leisten einen weitaus sinnvolleren Beitrag für die Allgemeinheit als der dummschwätzende Spitzen-Bullshitter.”

Ja und? Habe ich das irgendwie und irgendwann bestritten? Von welcher Ideologie redest du denn?
Du empörst dich hier einfach nur.
Da mache ich mal mit: ICH BIN EMPÖRT!

“Ich habe weder einen Bullshit- noch einen McJob, wie du wissen könntest…”

Woher soll ich das wissen? Ich kenne dich nicht. Ich kann mir nur denken dass du ziemlich gesprächig bist ….

bleistift November 22, 2014 um 03:53

@ topi

Ich habe wirklich keine Zeit mehr.
Wir streiten uns morgen weiter. Ok?

topi November 22, 2014 um 04:08

“ Dein Modell der 15 Stunden Woche ist interessant für Leute die einen McJob haben. Nur umgekehrt geht es dann eben um “Brot und Spiele”. Denn die Leute wollen eben unterhalten werden. Die “Überflüssigen”.”

Oh man. Die “Überflüssigen” sind die 5 Millionen heutigen Arbeitslosen. Die gäbe es ja logischerweise nicht, wenn eine Gesellschaft so aufgebaut wäre, dass die Arbeitsnotwendigkeit verteilt wird.

“Bei dem was du schreibst sehe ich nun keine Idee. Du möchtest nur befreit sein von den Belästigungen des täglichen Lebens.”

Von dem üblichen, bspw. deinem, Arbeitsleid bin ich verschont, zum x-ten Male. Von der beschissenen Durchökonomisierung des Lebens nicht, solange die Mehrheit wie du das scheinbar toll findet.

” Möglichst wenig arbeiten und möglichst viel konsumieren.”

Das ist der Sinn von Wirtschaften. Möglichst wenig Ressourcen verbrauchen, also auch Arbeitskraft, mit maximal geschaffenem Wohlstand (den man allerdings ordentlich messen muss).

Nur will ich das nicht für mich individuell, sondern für die Gesellschaft, wenn du mal deine Scheuklappen ablegst.

>>> Nach Malle fahren und da Urlaub machen. Schreibst du ja selbst: “Es gibt auch eine “Exportabteilung”; wenn man nach Malle will, macht man dort ein paar Stunden mehr, wenn man noch -diven dranhängen will (:roll: ), noch ein paar.”

Ich hasse Hitze am Strand, ich hasse Bettenburgen, ich hasse Massentourismus; Malle wäre so in etwa die Urlaubs-Vorhölle. :roll:

Dir fehlt es wieder an Leseverständnis.
Die Aussage war, dass man auch hier und heute mit genügend Startkapital eine große Kooperative bauen könnte, in der sich Menschen mit relativ geringer Arbeitszeit einen ordentlichen materiellen Wohlstand erarbeiten könnten. Indem man sich Bullshitprodukte und Bullshitjobs spart.

Und wer mehr will, der kann dies auch kriegen, muss er halt mehr arbeiten. Die “Exportabteilung” braucht man ja, um Devisen für notwendige Importe zu bekommen. (da bietet sich hochwertige Hand(werks)arbeit an; braucht man zwar auch etwas Bullshit, also Marketing und co, aber wat mutt dat mutt hat)

Der Unterschied: es gibt eine Wahl! Heute gibt es die nicht, drin oder draußen, und wenn drin, muss man den ganzen Bullshit mit tragen, also 45 Stunden malochen, für den Standardwohlstand (wenn man nicht unten rausfällt, wie schon mehr als 20 Prozent).

“Das ist jetzt links?”

Natürlich. Musst es nur verstehen.

” Unter links verstehe ich was anderes. Sinnvolle Tätigkeiten würden dazu gehören. Mitgefühl würde dazu gehören. Sich um seine pflegebedürftigen Eltern kümmern würde dazu gehören.”

Und deshalb muss man 45 Wochenstunden malochen; und zwar so, dass man fix und fertig ist, oder man noch x Stunden damit verbringt, seine “work-Life-Balance” in den Griff zu kriegen.

Du bist so unlogisch.

Erst ohne diesen Arbeitswahn, oder den Wahn, sich unbedingt da reinbringen zu wollen, kann der Mensch sich sinnvollen Tätigkeiten widmen.
Das kann beim Wissenschaftler oder auch jedem anderen natürlich auch die “normale” Arbeit sein; wenn sie anders organisiert ist, so dass sie die Menschen nicht mehr auffrisst.

topi November 22, 2014 um 04:14

Mich empört höchstens deine Dummdreistheit. :roll:

Da stehen Aussagen von mir, die unter logischen Gesichtspunkten (wir sprechen ja die gleiche Sprache) nicht so zu interpretieren sind, wie du es tust.

Oder negierte Fakten, die dir bekannt sein müssen (weil du sie schon mehrfach gelesen hast, auch kommentierst). Passt halt nicht in dein Weltbild.

Aber mach ruhig weiter.
So wie du weisst, dass ich ja mit den AUssagen zur US-Ökonomie recht habe, ist dir auch hier klar, dass du auf dem Holzweg bist.

Du kannst entweder “links” sein und für menschenfreundlichere Zustände in der Gesellschaft; oder die zermürbende Arbeitswelt, die die Menschen aussaugt, für sinnvoll, gar notwendig zur Ruhigstellung der Menschen, erachten.

Nach deiner Logik fehlt nur noch der Arbeitszwang; deshalb vielleicht auch die USA-Begeisterung, mit ihren Gefängnissen sind die da ja ganz weit vorn. :roll:

topi November 22, 2014 um 04:20

Doch noch ein Wort zu “Malle”.

Das ist ja gerade der Witz: auch wer mehr konsumieren wöllte, würde in so einem System nur profitieren! Keine ideologische Zwangsbeglückung. Dafür steht “Malle” halt perfekt.

Man könnte natürlich auch die Urlaubstage kürzen, damit die Leute nicht so viel nach Malle zum Saufen fahren können, sondern mehr ihre Eltern pflegen. Wer den logischen Fehler findet, darf ihn an Bleistift weiterleiten.

bleistift November 22, 2014 um 04:49

Ach Gott!

Was hat das jetzt mit Putin zu tun? Kannst du mir das mal erläutern?

“Von dem üblichen, bspw. deinem, Arbeitsleid bin ich verschont, zum x-ten Male. Von der beschissenen Durchökonomisierung des Lebens nicht, solange die Mehrheit wie du das scheinbar toll findet.”

Es gibt hier etliche Menschen die angeben. Die sich brüsten. TRSS oder Goodnight gehören dazu. Du nun anscheinend auch.
Wenn es nun Teil dieser (depperten) Debatte sein soll, dann gebe ich halt auch mal an.
Glücklicherweise lebten meine Vorfahren in Westdeutschland. Da gab es keine Enteignung.
Meine Vorfahren waren Bauern. Ja, richtig. Landeier und so.
Aber eben sparsam und mit Geschäftssinn.
Ich zähle dir jetzt mal auf was ich besitze:
1. das Haus in dem ich lebe. Ein Zweifamilienhaus. Unten leben meine Eltern. Oben lebe ich mit meiner Frau und Kindern.
2. Drei Häuser die vermietet sind
3. Eine Vierzimmerwohnung (vermietet)
4. Eine Dreizimmerwohnung in einem Pflegeheim in Potsdam (vermietet)
5. 26 Hektar Ackerland und Forst

Muss ich also arbeiten? Nicht wirklich. Weder 15 Stunden noch 40 Stunden.
Mache ich aber trotzdem.
Warum? Weil meine Vorfahren auch geschuftet haben und sparsam waren (uncool) und so. Will meinen Erben ja auch was hinterlassen.
Ganz abgesehen davon würde mein Vater wahnsinnig werden.
Ich stamme nicht aus einer Akademikerfamilie. Nur aus einer Bauernfamilie.
Kannste jetzt gerne verachten.
Aber halt aus einer Familie mit Disziplin und so. Vor allem halt ohne Sozialismus.
Sagen wir es so:
TRSS hat bestimmt mehr Geld als ich.
Goodnight hat bestimmt mehr Geld als ich.
Aber du?
Topi? Da bin ich mir nicht sicher!
Musst also keine Sprüche klopfen hier!

Morph November 22, 2014 um 07:14

@topi

“Den Populisten-Wähler zu beschimpfen ist billig.”

Da würde ich differenzieren. Die Person des Populistenwählers und den Akt der Protestwahl sollte man nicht verurteilen. Das wäre tatsächlich billig. Aber man kann und sollte die argumentative Verteidigung der Protestwahl (sei es durch den Wähler selbst oder durch paläokonservativ-linke ‘Fortschrittler’ à la @Schwejk) sehr wohl sehr scharf kritisieren. Ich halte den Typus des politisch-historisch gebildeten ‘Verstehers’ programmatisch wahnsinniger Protestbewegungen für eine Zentralgestalt der Vermittlung des politisch Bösen. Ohne hinreichend viele Leute, die diesem Typus entsprechen, könnten sich wahnsinnige Protestbewegungen weder organisieren noch gar in die Institutionen einrücken.

Auch das werfe ich niemandem persönlich vor. Persönlich sind wir ja alle ‘gut’ motiviert. Kein Mensch will freiwillig das Böse. Aber viele Menschen werden gerade in Krisenzeiten Opfer einer negativen Dialektik des Fortschritts.

Es hilft alles nichts: Ein wirklich fortschrittliches Politikverständnis kann sich auf keinen Fall strategisch mit dem Zurückgebliebenen, Hasserfüllten, Simplizistischen arrangieren. Und muss realistisch die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse berücksichtigen. ‘Unten’, bei denjenigen, die keine Chancen auf die Karrieren und den materiellen Wohlstand haben, der öffentlich als sexy gilt, findet sich heute keine organisierbare Interessengemeinschaft (wie zu Zeiten des personalintensiven Industriekapitalismus), sondern – vom Organisationspotenzial her betrachtet – nur noch eine Schicksalsgemeinschaft.

Und mit der ist fortschrittsmäßig in jeder Beziehung des Wortes kein Staat zu machen.

ruby November 22, 2014 um 07:27

Schicksaalsgemeinschaft?
Wofür?

Andreas Kreuz November 22, 2014 um 09:55

@Morph November 22, 2014 um 07:14
…Und muss realistisch die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse berücksichtigen. …

Mal ins Geschichtsbuch schauen.

Wieviele sind denn in den letzten 250 Jahren siegesgewiss auf Moskau zu marschiert?
Und wieviele sind in welchem Zustand zurück gekommen?

Natürlich immer unter Berücksichtigung der Kräfteverhältnisse am Ausgangspunkt!

Und nun wird’s durch ‘Kommunikation’ entschieden?

Ihr werded es noch merken,
dass man weder Geld noch Kommunikation essen kann.

Eure ‘moderne’ ist nur der Deckmantel, die Konzentration von Besitz und Macht durch Ausbeutung auf die Spitze zu treiben.

gelegentlich November 22, 2014 um 10:07

@Morph
Herrlich, lieber Hooligan!
Ein Beitrag, -zig neue Wolken an den Himmel gezaubert! ;-)

„‘Unten’, bei denjenigen, die keine Chancen auf die Karrieren und den materiellen Wohlstand haben, der öffentlich als sexy gilt, findet sich heute keine organisierbare Interessengemeinschaft (wie zu Zeiten des personalintensiven Industriekapitalismus), sondern – vom Organisationspotenzial her betrachtet – nur noch eine Schicksalsgemeinschaft.“

Stimmt. Für die bleibt nur noch das Warten auf das Grab. Hat eine Tücke: die sind vermutlich der mit Abstand größte Block im Wählerpotential. Ohne diese Chancenlosen funktioniert unser Gemeinwesen nur auf dem Papier.
„Und mit der ist fortschrittsmäßig in jeder Beziehung des Wortes kein Staat zu machen.“

Fortschritt ist bitte was? Das quallige Modernistengeblubber? Kannst Du die Tür einen Spalt weit aufmachen, damit man mal sehen kann wo Staat gemacht wird und wie das aussieht?

Das klingt Alles nach: Jemand, der nichts zu sagen hat, ist sauer auf Leute, die meinetwegen auf weiten Strecken was Falsches sagen. Warum sollte Irgendjemand auf Leute achten die nichts zu sagen haben. Mein Eindruck verfestigt sich: die alte Priesterkaste (~ sozialwissenschaftliche Intelligenz, wie wir sie bisher kannten) hat fertig.

Keynesianer November 22, 2014 um 10:29

Werte und Normen im Journalismus aktuell an einem Beispiel des SZ-Schmierblattes:

http://www.sueddeutsche.de/politik/russischer-geheimdienstler-zur-ostukraine-den-ausloeser-zum-krieg-habe-ich-gedrueckt-1.2231494

Da ist schon klar, warum die SZ die Kommentarfunktion abgeschafft hat, die können jetzt lügen und fälschen und hetzen, dass sich die Balken biegen.

Andreas Kreuz November 22, 2014 um 10:53

@Morph November 22, 2014 um 07:14

Es ist nur die ‘moderne’ Variante von:

Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm:
Halt du sie dumm, – ich halt’ sie arm!

topi November 22, 2014 um 11:00

” Musst also keine Sprüche klopfen hier!”

Dafür musst du deine Lesekompetenz verbessern! :roll:

Ich habe mich nie über meinen Besitz oder Nichtbesitz geäußert; als ob ich mich an solchen Schwanzlängenvergleichen beteiligen würde. (warum ist Sitzpinkeln so gut? Es ist so schön leise, einfach hinsetzen, ins Wasser hängen lassen und laufen lassen)

Es ging gerade nicht um Besitz; und wie du an dir siehst, befreit der dich eben nicht von Erwerbsarbeit im Hamsterrad.

Ich sagte, ich habe keinen Bullshitjob, weil ich etwas sinnvolles, auch direkt sichtbares und fühlbares, für/mit anderen Menschen mache.
Und ich habe keinen McJob, weil ich gute Arbeitsbedingungen habe. Was ich mache war in den letzten Wochen mehrfach thematisiert, in Threads, in denen du massenhaft kommentiert hast. Liest du auch, oder schreibst du nur?

Mit Putin hat das natürlich nichts zu tun sondern mit deiner Behauptung, bei meinem Vorschlag einer 15-Stunden-Ökonomie mit guten materiellen Lebensbedingungen und sehr viel Freiraum für kreative, soziale, künstlerische, wissenschaftliche, menschenfreundliche Tätigkeiten ginge es mir darum, mich aus “dem Kollektiv” zu entfernen. Welches gar nicht existiert, sondern in betriebswirtschaftlicher Logik in Hamsterrädern rotierende Menschen, die auch noch ihren Lebensinhalt über oft blödsinnige oder beschissen ausgestaltete Jobs definieren.

Nun verstanden?

Nochmal; es ist nicht schlimm, wenn man den anderen nicht versteht, Sachen nicht liest, nicht zur Kenntnis nimmt; dann kann man allerdings FRAGEN, statt unsinnige Behauptungen in die Welt zu posaunen, Fakten verdrehen, sich selbst innerhalb von drei Sätzen komplett widersprechen, nur um das Gegenteil behaupten zu können.

karla November 22, 2014 um 11:38

Morph November 22, 2014 um 07:14

“Und muss realistisch die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse berücksichtigen. ‘Unten’, bei denjenigen, die keine Chancen auf die Karrieren und den materiellen Wohlstand haben, der öffentlich als sexy gilt, findet sich heute keine organisierbare Interessengemeinschaft (wie zu Zeiten des personalintensiven Industriekapitalismus), sondern – vom Organisationspotenzial her betrachtet – nur noch eine Schicksalsgemeinschaft.”

Chancen haben alle. Die einen bessere die anderen schlechtere. Aber selbst wenn jeder die Chance aktiv am Schopf packt gibt eine kapitalistische Gesellschaft die Realisierung für alle nicht her.
Gewinnerwirtschaftung ist das Ziel und nicht Chancenrealisierung für jeden.
Wieviele von denen die ihre Chance realisieren konnten sind ohne eigenes Verschulden plötzlich ganz unten angekommen?

Eine Interessengemeinschaft (früher hieß das Arbeiterbewegung) gibt es derzeit nicht. Vom Bewußtsein her nur so etwas wie eine Schicksalsgemeinschaft. Eine Schicksalsgemeinschaft erklärt sich nichts mehr, noch nicht mal falsch. Definitiv unabänderlich ist das aber nicht. Auch wenn heute nichts in dieser Richtung absehbar ist.

topi November 22, 2014 um 12:02

Morph

“Aber man kann und sollte die argumentative Verteidigung der Protestwahl (sei es durch den Wähler selbst oder durch paläokonservativ-linke ‘Fortschrittler’ à la @Schwejk) sehr wohl sehr scharf kritisieren.”

Von hinten aufgezäumt. Protestwahl gibt es, weil die anderen Wahlalternativen offenbar den Mist, den sie hervorgebracht haben, nicht wieder hin kriegen.

Es ist so einfach wie pupsen: ein gescheitertes Festwechselkurssystem endet mit Auflöung und meist Staatsbankrott, eine Schuldenstandskrise mit nomineller Entschuldung auf verschiedenen Wegen.

Sonst geht es nicht wieder aufwärts, und da die Verteilung verschärft statt abgemildert wird (wie nach WWK I). geht es Klein Erna immer beschissener. Bis ihr der Kragen platzt.

Und wer erklärt, welche Politikvorschläge doch wählbar seien, unter denen aber keine dabei sind, die Lösungen hervorbringen, befördert damit die Protestwahl zwangsläufig. Verstehst du doch, Morph.

“Versteher programmatisch wahnsinniger Protestbewegungen für eine Zentralgestalt der Vermittlung des politisch Bösen. Ohne hinreichend viele Leute, die diesem Typus entsprechen, könnten sich wahnsinnige Protestbewegungen weder organisieren noch gar in die Institutionen einrücken.”

Quatsch.
Es MUSS eine Lösung geben für ein Problem, welches sonst dazu führt, dass es immer größeren Teilen der Menschen immer schlechter geht.

Wenn nur Nazis eine Lösung dieses Problem anzubieten haben, dann sind nicht die Menschen blöd, weil sie Nazis wählen.

Aber die anderen, die keine Lösung anbieten wollen, sondern die Krise verstärken.

“Lösung” ist oft auch nur Scheinlösung. Ein kleiner Krieg, ein großer Krieg, eine Versklavung von 95% der Bevölkerung. “Wahnsinnig”, natürlich auch das.
Nur wie soll Klein Erna das unterscheiden, nachdem sie gehört hat, es gibt nur KEINE Lösung als Alternative?

Bis irgendwann die Schuldscheine zerrissen werden, oder die Schuldscheinbesitzer, so einfach ist das in dem Fall.

Andreas Kreuz November 22, 2014 um 12:56

@topi November 22, 2014 um 12:02

Bis irgendwann die Schuldscheine zerrissen werden, oder die Schuldscheinbesitzer, so einfach ist das in dem Fall.

Er schnallt’s nicht, der @morph.

Seit man in Texas den Kleinen in den Kindergarten bringen kann,
dann am Vormittag via Joystick in Pakistan ein paar Häuser nach Listenreihenfolge pulverisieren kann (nebst Inhalt – versteht sich),
und anschließend mit den Desperate Housewives cool zum Barbecue schreitet, ist das alles viel ‘moderner’ geworden.

Morph November 22, 2014 um 14:20

@gelegentlich

“Fortschritt ist bitte was?”

Die Kategorie haben wir schon öfter hier diskutiert. Meine Position ist immer die gewesen: Es gibt keinen gesamtgesellschaftlichen Fortschritt. Aber in konkreten Bereichen kann man zweifellos Fortschritte feststellen. Die Kategorie des Fortschritts lässt sich themenbezogen allgemeingültig rechtfertigen. Es gibt z.B. den medizinischen Fortschritt. Dieser Fortschritt bedingt andere außermedizinische gesellschaftliche Gründe und Folgen, von denen nicht so klar ist, ob sie auch fortschrittlich genannt werden können. Es gibt Fortschritte, aber jeder Fortschritt hat seinen Preis, und es ist eine Frage der subjektiven Bewertung, ob man den Preis in einem gegebenen Fall für akzeptabel oder für unerträglich hält. Genau deshalb ist Fortschritt Gegenstand der politischen Auseinandersetzung.

Ich persönlich halte, wie die meisten hier, die individuellen Freiheiten, die im Übergang von der Feudal- zur Bürgergesellschaft denkbar und machbar geworden sind, für einen gesellschaftlichen Fortschritt dessen Preis (z.B. bestimmte Formen der psychischen Disziplinierung wie etwa staatlich verordnete und kontrollierte Schulpflicht mit festgesetzten Lehrinhalten) mir akzeptabel erscheint.

Ein Fortschrittsprogramm, mit dem ich mich identifizieren könnte, müsste von diesem Niveau ausgehen. D.h. eine nachbürgerliche Überbietung der bürgerlichen Errungenschaften müsste ‘citoyen + x’ sein. Und eigentlich hat die klassische Linke auch schon lange die Schlüsselidee dazu entwickelt: ‘citoyen + x’, das ist ‘citoyen – bourgeois’. Man muss dem Bürgertum seinen Dünkel austreiben und das Recht auf Ambition, auf individuelle Selbstsorge, auf Kritik, wirklich allen ermöglichen, ohne Unterschied der Herkunft und des institutionellen Vermögens.

Kurzum: Für mich ist der Gradmesser politischer Fortschrittlichkeit und politischen Wahns, wie sich eine politische Aussage zur Universalisierung der individuellen Menschenrechte verhält. Und wer da taktisch irgendwelche Völkischen unterstützt, bis man ihm zeigt, dass es sich bei diesem Völkischen um ein ausgemachtes Arschloch handelt (wie zuletzt hier unserem @Schwejk geschehen, wie hieß gleich die prorussische Idiot, der Frauen verbieten wollte, ins Café zu gehen?), dem sind offenbar die Maßstäbe etwas verrutscht.

P.S. Deine Werturteile über meine Beiträge – Hooligan usw. – nehme ich als Ausdruck Deiner gedanklichen Wackeligkeit. Du musst Dich halt irgendwie stabilisieren, das kann ich schon verstehen. Wer den Fall Mollath für politisch relevant hält, ist ja erkennbar etwas wuschig im Kopf. – Du hältst auch die Aufdeckung von Nahrungsmittelskandalen für Gesellschaftskritik, stimmt’s? ;-)

@Karla

“Eine Interessengemeinschaft (früher hieß das Arbeiterbewegung) gibt es derzeit nicht.”

Ich habe bewusst nicht Arbeiterbewegung geschrieben, um erkennbar zu machen, dass die proletarische Solidarität NICHTS aber auch GAR NICHTS mit Herkunft oder persönlicher Sympathie zu tun hat. Der alte Schlachtruf von wegen ‘Solidarität’ macht das etwas unklar. Die proletarische Solidarität ist ein Vernunftkonzept, kein Gefühl. Und ich finde, dass der Begriff der Interessengemeinschaft das besser trifft.

Morph November 22, 2014 um 14:28

@topi

“Wenn nur Nazis eine Lösung dieses Problem anzubieten haben, dann sind nicht die Menschen blöd, weil sie Nazis wählen. Aber die anderen, die keine Lösung anbieten wollen, sondern die Krise verstärken.”

Dein Denkfehler ist der: Parteien fallen nicht vom Himmel und sind keine Subjekte mit freiem Willen, die sich so oder so verhalten können. Die Wahlfreiheit hat nicht irgendeine Partei, sondern der Wahlbürger und der sich politisch organisierende Staatsbürger! Wenn sich bedeutende Teile einer Bevölkerung darauf verständigen, sich dahingehend zu organisieren, Millionen Menschen zu verbrennen, dann ist das handlungslogisch diesen Leuten voll zuzuschreiben. Denn sie hätten sich auch auf eine Weise organisieren können, die nicht wahnsinnig und mörderisch ist, sondern genau die Ratio zur Geltung bringt, die andere etablierte Parteien verweigern.

Wirklich ein außerordentlich idiotischer Denkfehler, dem Du da aufsitzt. Faszinierend!

gelegentlich November 22, 2014 um 14:44

@Morph

Wenn wir auf solch eine Ebene von Allgemeinheit gehen gibt es gottlob keine Fortschrittsfeinde mehr. Die Kritik an @Soldat ist nicht fair, weil er seine Bewertung dieser Figur geändert hat als er eben mehr wußte.

„Wer den Fall Mollath für politisch relevant hält, ist ja erkennbar etwas wuschig im Kopf. “
Hmmh, ziemlich demagogisch weil der Kontext nicht mitbenannt wird. Es ging um die Reichweite des Internets. Ich fand der Fall sei einer der ersten Beispiele dafür, dass via Internet sich im Verbund mit Anderen eine Wirkung eingestellt hat.

Der Ausdruck „Hooligan“ stammt von Dir selbst. Du hast das Problem Dich zu oft in Deinen Ironiemarotten zu verhakeln. Ich hielt diese Art von Selbstironie schon immer auch für eine schwächliche Präventivdefensive. Und im Kreis akademisch Gebildeter ist sie mittlerweile ein lästiger Manierismus, doofe Attitüdenhuberei, Zeitverschwendung eigentlich.

„ Du musst Dich halt irgendwie stabilisieren, das kann ich schon verstehen.“
Oh Gott, eine naßforsche Oberschlülerlyrik. Erspare uns das.

„Du hältst auch die Aufdeckung von Nahrungsmittelskandalen für Gesellschaftskritik, stimmt’s? ;-)“
Logisch. Sie sind eine notwendige Folge primitiven nicht-systemischen Denkens und Handelns. Das erfordert sehr viel Halbbildung vom Publikum damit das Weiterwursteln gelingt.

So, nachdem wir jetzt von Dir wissen dass von „Unten“ kein Fortschritt kommen kann wäre jetzt zu fragen, wer diesen denn voranbringen soll. Kennt man ihn schon?
Dich selbst fühle bitte nicht angesprochen. Von Euch Modernisten kam ja bisher nur Allgemeinplätziges oder gewalttätige totalitäre Phantasien als Folge existenzieller Wertentscheidungen. In diese Richtung zu schauen lohnt offenbar nicht. In welche also?

Morph November 22, 2014 um 15:05

@gelegentlich

“(…) dass von „Unten“ kein Fortschritt kommen kann (…)”

Fortschritt kommt immer von ‘unten’ und von ‘außen’. Man muss ein dissenter sein, um Fortschritt zu erarbeiten. Mein Argument ist: Gegenwärtig, zur Zeit, gerade Jetzt, lässt sich keine Gruppe und kein Programm erkennen, das uns über die Grenzen des brügerlichen Liberalismus hinaus in eine bessere gesellschaftliche Zukunft führen könnte.

“wäre jetzt zu fragen, wer diesen denn voranbringen soll. Kennt man ihn schon?”

Nein. Aber sicher ist: Von Putin, Orban, Le Pen und ihresgleichen ist in der Hinsicht nicht nur Nichts, sondern Rückschritt zu erwarten.

Die aktuelle Fortschrittsposition ist 1. Abwarten und Tee trinken, 2. Die Erosion bürgerlicher Errungenschaften verlangsamen, 3. Kritik an den ungeduldigen Fortschrittsfreunden, für in jedem Arschloch einen Bundesgenossen zu haben glauben, nur weil er mit dem Berstehenden aus irgendwelchen Gründen nicht einverstanden ist und die ‘richtigen’ kritischen Passwörter kennt. Punkt 3 ist am wichtigsten, weil es in ihm darum geht, einen vernünftigen Begriff des Fortschritts zu pflegen, was allemal die Möglichkeitsbedingung numero uno dafür ist, einen solchen Fortschritt irgendwann einmal organisieren zu können.
Dich selbst fühle bitte nicht angesprochen. Von Euch Modernisten kam ja bisher nur Allgemeinplätziges oder gewalttätige totalitäre Phantasien als Folge existenzieller Wertentscheidungen. In diese Richtung zu schauen lohnt offenbar nicht. In welche also?

Morph November 22, 2014 um 15:07

sorry: letzter Satz war von @gelegentlich stehen geblieben.

ruby November 22, 2014 um 15:12

@ all
Bimbo-, Nigger- und sonst so Versteher
http://www.youtube.com/watch?v=cYYW6A3Q44U
;-)
keep groving

Morph November 22, 2014 um 15:36

@gelegentlich

“Die Kritik an @Soldat ist nicht fair, weil er seine Bewertung dieser Figur geändert hat als er eben mehr wußte.”

Tja. Schon komisch, oder? Ich halte diese Leute aus der Ferne und ohne die Landessprache zu können nach den mir verfügbaren Informationen für vollbekloppt und habe diese Auffassung bisher nicht korrigieren müssen. @Schwejk dagegen, unser hauseigener Osteuropaexperte, leistet sich einen Klops nach dem anderen. Erst hielt er die blöde Kuh Timoschenko für eine prima Lösung. Dann hält er irgendwelche Frauenverachter für prima Leute, mit denen sich ein Staat machen ließe. Und muss immer wieder zurückrudern. Wie kommt das?

Und ist das nicht derselbe Fehler, der auch immer wieder diesen bekloppten Thinktanks und natürlich, vor allem, den USA passiert, in ihrem Bemühen, die Welt zu ordnen?

Unser @Schwejk und die USA sind, würde ich mal über den Daumen peilen, ähnlich unzurechnungsfähig in ihren Urteilen, welche Figuren, Gruppen und Mächte man (natürlich aus strategischen Gründen) für fortschrittlich halten kann. Okay. @Schwejk hat nur seine Meinung und keine Mittel. Gott sei Dank!

gelegentlich November 22, 2014 um 15:58

@Morph
Punkt 1 und 2 sind okay. Bei 3 gibt es ein Problem.

@Soldat wurden Irrtümer nachgewiesen. Ist das jetzt schlimm oder ein notwendiger Beifang von Jemandem, der in einem konkreten Kontext eine dezidierte Meinung vertritt? Womit Dich hier noch Niemand erwischt hat.

Das Problem ist nun, wenn man die Universalität des Rechts verlangt:
„…Natürlich hat auch das Recht seinen Preis, d.h. Putin und Lübberding müssen akzeptieren, dass die Ukrainer sich zum Westen orientieren kann, auch wenn dies geschieht, indem der Westen die Ukraine kauft, verführt oder drängt. Weil Kaufen, Verführen und Drängen LEGAL ist.“ (Goodnight, Mathias Platzeck…Nachbarthread, November 20, 2014 um 22:43)

Die Staatsbürgerkunde gibt ja Jedem eine Stimme. Und Viele, nein, die Meisten, können politische Macht nicht kaufen und sind der Meinung, dass sie nicht „…mit dem Bestehenden aus irgendwelchen Gründen nicht einverstanden…“ sind, sondern aus sehr wohlverstandenen. Und sie haben auch das Bedürfnis nicht irgendwann, sondern „zeitnah“ was zu ändern.
Das schafft sozialen Unfrieden. Ich fürchte die werden nicht akzeptieren dass man insgesamt sozusagen wegklappt. Mehr noch: die würden im Zweifelsfall auf den „Fortschritt“ pfeifen und darauf pochen nicht weiter die schiefe Ebene herab rollen zu sollen.

Morph November 22, 2014 um 16:12

@gelegentlich

“(…) der in einem konkreten Kontext eine dezidierte Meinung vertritt? Womit Dich hier noch Niemand erwischt hat.”

Meine Meinungen, die ich hier zur Diskussion stelle, beziehen sich auf das in diesem Kontext Konkreteste überhaupt: auf die hier geäußerten Meinungen und die Attitüden, die vermutlich dahinter stehen. Ich gehöre zu den ganz wenigen hier, die den Diskussionskontext als Realität Ernst nehmen. Die meisten hier beziehen sich auf eine ausgedachte Realität (von Merkel, der Ukraine, Gustl Mollath, you name it). Ich beziehe mich dagegen auf die Realität hier und jetzt: Unsere Diskussion.

Aber man kann das sicher auch als Geschmacksfrage behandeln. Und wer ästhetisch entsprechend unterwegs ist, dem erscheinen dann so weltweise Strategen, die aus einer imaginären Position der Macht heraus halt meist daneben liegen, als irgendwie ‘realistischer’ und ‘konkreter’.

Ich möchte Dich nicht beleidigen, aber das ist nun wirklich dermaßen deppert! Free Gustl Mollath!! ;-)

Soldat Schwejk November 22, 2014 um 16:13

@ Morph —> “Und wer da taktisch irgendwelche Völkischen unterstützt [...] (wie zuletzt hier unserem @Schwejk geschehen, wie hieß gleich die prorussische Idiot, der Frauen verbieten wollte, ins Café zu gehen?)”

Ich versuche mir mal ein Beispiel an @topis schier unermeßlicher argumentativer Geduld zu nehmen…

Also, ich hatte in einem Beitrag hier die Positionen einiger Akteure auf der untersten Ebene des Konflikts darzustellen versucht, anhand von 2 Videos, wo sie über Skype direkt miteinander verhandeln. Da kam schon damals gleich so ein Heini an und wollte mir unterstellen, ich würde damit zu politischer Gewalt aufrufen. Jetzt kommst Du an und meinst, ich wollte die “Völkischen” taktisch unterstützen. TAKTISCH UNTERSTÜTZEN… pfff… Als hätte ich dem Mozgovoi Waffen geliefert. Dir sind offenbar die Relationen ganz gründlich durcheinander geraten.

Abgesehen davon ist Mozgovoi sicher nicht halb so “völkisch” wie die Herren Trojan und Bilezki, der eine jetzt Polizeichef in Kiew, der andere mit Unterstützung von Jazeniuks Volksfront als Direktkandidat in die Rada gelangt, beide Führungsfiguren im Nazibataillon “Azow”. Da hat jemand wirklich “die Völkischen taktisch unterstützt”.

Hab den Mozgovoi auf seine bekannt gewordenen Auslassungen hin selber als reaktionäres Arschloch bezeichnet. Aber was denkst Du, wie da die Verhältnisse sind? Da ist Krieg, da wird mit Artillerie auf Städte gefeuert, und unter diesen Bedingungen wird irgendwie ein Gemeinwesen aufrechterhalten. Daß da jetzt nicht feinsinnige Leute nach oben gelangen, die in akademischen Zirkeln den Gramsci und den Foucault gelesen haben, dürfte klar sein. Nach Deinen Maßstäben wären das alles Barbaren dort. Aber immerhin will ja die Tatjana Montian zu dem Mozgovoi fahren, die dürfte Deinen Ansprüchen schon mehr genügen. Vielleicht erzählt sie dem Mozgovoi auch was über bürgerliche Freiheiten und so. Interessant, daß diese Dame auch von Dir so völlig ignoriert wird und Du Dich einseitig auf den finsteren Mozgovoi kaprizierst. Naja, solange eine selektive Wahrnehmung dabei hilft, die eigenen Ressentiments aufrecht zu erhalten…

—> “Ich halte diese Leute aus der Ferne und ohne die Landessprache zu können nach den mir verfügbaren Informationen für vollbekloppt”

Yep, finstere Indianerstämme, die sich gegenseitig metzeln, schon klar… Mit dieser ausgezeichneten Analyse liegt man natürlich immer richtig…

Manfred Peters November 22, 2014 um 16:45

@ gelegentlich November 22, 2014 um 15:58
& “Die Staatsbürgerkunde gibt ja Jedem eine Stimme.
Überforderst Du hier nicht die schlechtgebildeten westsozialisierten Mitleser und Kommentatoren?
Weder logisches noch dialektisches Denken verbunden mit der Praxis wurde ihnen vermittelt, allenfalls wie man seinen Kollegen, Nachbarn, Freund übervorteilen kann. Alleine dazu braucht es doch das 13. Abiturjahr, wie Sasse es so vehement auf seinem Blog einfordert.
Staatsbürgerkunde war ein Unterrichtsfach in der DDR, das in der 9. und 10. Klasse und ab 1969 von der 7. bis zur 10. Klasse an den Polytechnischen Oberschulen sowie bis zur 12. Klasse an den Erweiterten Oberschulen unterrichtet wurde.”

Manfred Peters November 22, 2014 um 16:53

2. Versuch, da unsichtbare Tinte im Kommentar :-(
@ gelegentlich November 22, 2014 um 15:58
Die Staatsbürgerkunde gibt ja Jedem eine Stimme.”
Überforderst Du hier nicht die schlechtgebildeten westsozialisierten Mitleser und Kommentatoren?
Weder logisches noch dialektisches Denken verbunden mit der Praxis wurde ihnen vermittelt, allenfalls wie man seinen Kollegen, Nachbarn, Freund, … übervorteilen kann. Alleine dazu braucht es doch das 13. Abiturjahr, wie Sasse es so vehement auf seinem Blog einfordert.
”Staatsbürgerkunde war ein Unterrichtsfach in der DDR, das in der 9. und 10. Klasse und ab 1969 von der 7. bis zur 10. Klasse an den Polytechnischen Oberschulen sowie bis zur 12. Klasse an den Erweiterten Oberschulen unterichtet wurde.”

Morph November 22, 2014 um 16:58

@Schwejk

“Yep, finstere Indianerstämme, die sich gegenseitig metzeln, schon klar… Mit dieser ausgezeichneten Analyse liegt man natürlich immer richtig…”

So ist es. Wer in der Lageeinschätzung der Peripherie der Moderne mit der Unterscheidung fortschrittlich/reaktionär operiert, befindet sich, nun ja, in der Peripherie der Moderne. Von so jemandem ist nichts Aufschlussreiches zu erwarten, egal wieviele Fans er im long tail des Internet hat.

Mich hat vor allem gewundert, dass Dir so eine Fehleinschätzung offenbar gar nicht peinlich ist.

Wie die MSM… ;-)

Manfred Peters November 22, 2014 um 16:58

@ gelegentlich
Dann eben so, Zitat: “Staatsbürgerkunde war ein Unterrichtsfach in der DDR, das in der 9. und 10. Klasse und ab 1969 von der 7. bis zur 10. Klasse an den Polytechnischen Oberschulen sowie bis zur 12. Klasse an den Erweiterten Oberschulen unterrichtet wurde.” ;-)
Aber wenn alles was mit der DDR zusammenhängt hier automatisch von irgendeinem Geheimdienst rausgefiltert wird, bin ich machtlos!

Soldat Schwejk November 22, 2014 um 17:01

@ georgi

Hab noch mal an einigen Stellen in das Video von der Veranstaltung in Odessa reingeschaut. Offenbar sind die Zuhörer dort v.a. Leute aus der staatlichen Verwaltung, nicht nur aus Odessa, sondern aus dem ganzen Gebiet. Es geht ja u.a. auch um die Verwaltungsreform. In erster Linie dient es vermutlich dem Zweck, so die mittleren und unteren staatlichen Funktionseliten dort an die neue Macht in Kiew zu binden.

Ansonsten halte ich Deine Deutung auch für plausibel. Poroschenko will sicher nicht Krieg bis zum Endsieg. Man muß ja auch daran denken, daß er so eine supermoderne Schokoladenfabrik im russischen Lipetsk hat. Zwar war mal was zu lesen, er wolle seine Aktiva verkaufen… aber wie dem auch sei, über irgendwelche Firmengeflechte bleibt er sicher trotzdem drin.

Aber Poro muß jetzt in Kiew mit der Kriegspartei kooperieren und deren nationalbesoffenen Fans irgendwie kommunizieren, daß ein Sieg drin ist, wenn auch nicht gleich mit Waffen und mit dem Kopf durch die Wand…

Der unmittelbare Kontext ist ja noch der, daß Kiew die Zahlungen von Renten und Sozialtransfers in den südlichen Donbass gestoppt hat. Das war lange ein Streitpunkt; Poroschenko wollte diese Zahlungen wohl eigentlich aufrechterhalten, um das ökonomische Band zu den Rebellengebieten nicht zu zerschneiden und sie im Griwna-Raum zu halten. Aber da ist in den Medien rumgepoltert worden: Wir wollen nicht die Separatisten noch finanzieren! Sollen die Russen sie finanzieren! – Die Einstellung der Zahlungen ist ein Zugeständnis an die Hardliner in der UA, womit aber in DNR und LNR nun die weitere Zugehörigkeit zum Griwna-Währungsraum fraglich geworden ist.

Möglicherweise – aber das ist reine Spekulation – verbirgt sich dahinter auch noch folgendes Kalkül: Die jetzt von den Rebellen gehaltenen Gebiete sind von Kiew faktisch für dauerhaft verloren erklärt. Indem man die Rentenzahlungen einstellt und sie damit abnabelt, sie eventuell zum Ausstieg aus der Griwna bewegt, kappt man auch das Band zwischen den Rebellengebieten und den anderen, unter Kiewer Kontrolle befindlichen Teilen der Ost-UA. D.h. man stärkt in Neurußland implizit diejenigen, die mit einem eigenen Staat in jenem Südteil des Donbass zufrieden sind und erschwert eine rebellische “Ansteckung” in die anderen Gebiete, v.a. auch das benachbarte Gebiet Zaporoshe. – Wie gesagt, Spekulation, Kiew-Astrologie…

Morph November 22, 2014 um 17:37

@Schwejk

Ja, Du schaust Dir noch einmal irgendwelche Videos an, gehst noch einmal die Texte durch. Und, tataaa: Kommst mit einer normativen Deutung daher, wen man, aus der fortschrittsfreundlichen Perspektive für legitim halten sollte. Z.B. Frau Le Pen. Als Korrektiv der reaktionären Frau Merkel.

Dann aber tröpfeln Infos nach. Leute, die Du zunächst für Aktivposten des Fortschritts gehalten hast, sind, tscha, leider, leider, doch Komplettarschlöcher. Egal. Weiter im Text.

Nein! Nicht egal! Das ist exakt die Figur, die wir an den USA beklagen. Dass mit normativen Begriffen faktische Situationen evaluiert werden. Und, wenn es nicht hinhaut, ach: scheißegal!

Was soll das? Ich halte Dich, wie Du weißt, für einigermaßen zurechnungsfähig. Ich fand es sehr, sehr unverständlich, wie schulterzuckend Du Deine Quadratfehlleistung ‘Mozgovoi’ wegkommentiert hast. Das ist nach meinen Standards intellektuell unredlich und (da kein Geschäftsmodell dranhängt) grottiger als alles, was sich die kommerziellen Medien an Fehlleistungen leisten.

Aber hey, in den medialen Exklusionszonen, wo @topis Nazis rechtfertigen und @gelegentlichs ihre Herzwärme den Mollaths und Nahrungsmittelkritikern dieser Welt widmen, ist das vielleicht alles nicht so wichtig…

Soldat Schwejk November 22, 2014 um 18:25

@ Morph November 22, 2014 um 17:37

Das ist jetzt nur Blödsinn. Du willst Dich einfach auf der Wiese ein bissel herumbalgen.

Bei Frau Le Pen ging es nicht um die Frage nach Legitimität. Wenn sie gewählt wird, ist sie legitime Präsidentin. Wenn nicht, dann nicht. Frau Merkel ist gewiß legitime Kanzlerin und der Herr Putin legitimer Präsident.

Es ging auch nicht um Fortschritt. Die Aussage war: Frau Merkel könnte man es gönnen… der Sinn war: Eine Präsidentin Le Pen wäre ein Störfaktor, den sich die Verfechter “marktkonformer” Demokratie hierzulande (samt ihrem medialem Dauerbeschuß des französischen Wohlfahrtsstaates) redlich verdient hätten. Da ist sozusagen präemptive Schadenfreude drin… es war vielleicht nicht gerade der Moment allergrößter Rationalität… aber es war keine “normative Deutung”. Und es ist ziemlich bescheuert, wenn Du daraus jetzt so was daherkonstruieren willst wie: Sehet, die Fortschrittsfreunde wollen sich bei erstbester Gelegenheit mit den Reaktionären verbünden…

Daß Du @topi gar Rechtfertigung der Nazis vorwirfst, ist noch mal die Steigerung davon.

Was Du immer mit dem Mozgovoi willst, verstehe ich nicht. Ich hab was zu dem geschrieben, ohne ihn zum Hoffnungsträger des Menschheitsfortschritts zu verklären. Das ist etwas, was mir hier von Beginn an von einigen unterstellt wird, aber dann such bitte mal ein Zitat raus, dem Du solches zu entnehmen glaubst. – Und welche Fehlleistung? Das Video mit jener Ansprache, um die es geht, ist ins Netz gestellt worden, nachdem ich den Artikel geschrieben habe. Eine Fehlleistung könntest Du mir unterstellen, wenn ich vorherige Betrachtungen in Kenntnis dieses Videos angestellt hätte oder wenn Du mir zumindest begründet vorhalten könntest, bei redlicher Recherche hätte ich Kenntnis davon haben müssen. – Also was?

Morph November 22, 2014 um 18:37

@Schwejk

“Es ging auch nicht um Fortschritt,”

Oh, tut mir leid, dann habe ich einfach das Thema verfehlt. Sechs. Setzen!

(Was war noch gleich das Thema?)

“Daß Du @topi gar Rechtfertigung der Nazis vorwirfst, ist noch mal die Steigerung davon.”

Ich nehme nur zur Kenntnis, was @topi schreibt. Und Du so. Ich glaub’ ja, dass ihr wahrhaftig seid. Daher nehme cih an, Ihr seid einfach nur zu dumm.

gelegentlich November 22, 2014 um 18:39

@Morph

Danke: Quadratfehlleistung ist der richtige Begriff. Du hast, wie ich schon einige Male hier gezeigt hatte, die Relevanz dieses Falls Mollath überhaupt nicht verstanden. Nicht weil Du Dich stabilisieren mußtest, Du hattest Dich nicht engagiert. Sondern weil Deine Kaste bis auf die Knochen blamiert wurde. Die ganzen Akademieschwätzer, MSM-Journalisten, die sich hochgeschafft hatten, einflußreiche Psychiater usw. Ein klügerer Mensch hätte sich schlicht nicht geäußert, wenn er merkt dass er das Level etwa einer Gabriele Wolff, Beispiel hier
https://gabrielewolff.wordpress.com/2014/10/23/ukraine-informationskrieg-um-mh-17-2/
nicht erreicht.
Und in Deiner Not dann zum Strohhalm eines vollbekloppten antideutschen Tumultheimers gegriffen, nur weil dessen Sprache den Stallgeruch Deiner eigenen hatte. Ok, nicht Thema hier.

Gemeint waren Deine Meinungen: nicht zu anderen Meinungen hier sondern zur Sache, die diskutiert wird. Was nützt es immer mal wieder richtigerweise auf die Notwendigkeit auf Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung zu verweisen, dann aber über Leute zu spotten, die Nahrungsmittelskandale aufdecken? Das nützt nicht Deinem Punkt 3 („Punkt 3 ist am wichtigsten, weil es in ihm darum geht, einen vernünftigen Begriff des Fortschritts zu pflegen“), sondern ist Ausdruck Deines Punktes 1 („Abwarten und Tee trinken“). Der Fortschritt scheint Dir ja gleichgültig.

Warum läßt Dich es dann nicht beim Tee trinken bewenden und äußerst Dich hier?

Ich kann mittlerweile nachvollziehen wenn Leute mit dem angemaßten Pathos des proletarischen Praktikers solche offenkundig unnütze und beliebige „sozialwissenschaftliche Intelligenz“ auf den Müllhaufen wünschen. Sie kann meinetwegen untergeordnete Hilfsdienste beim Enttarnen der allerschlimmsten populistischen und esoterischen Verrenkungen leisten, aber sonst offenbar nichts.
Dass Deine Sicht der gegenwärtigen Dinge so depressiv neo-biedermeierisch ist will ich Dir nicht vorwerfen. Wundere Dich nur nicht wenn Leute, die irgendwie Abhilfe jetzt fordern, dann eben Anderen zuhören.

Balken November 22, 2014 um 18:59

@Luhmannianer: “Meine Meinungen, die ich hier zur Diskussion stelle, beziehen sich auf das in diesem Kontext Konkreteste überhaupt: auf die hier geäußerten Meinungen und die Attitüden, die vermutlich dahinter stehen. Ich gehöre zu den ganz wenigen hier, die den Diskussionskontext als Realität Ernst nehmen.”
Zweitverwerter eben. Beobachter der Beobachtenden. Aber wenigstens da – ernst? Der will nur spielen.

Ich hatte den obigen Absatz bereits geschrieben und sehe eben seine seine weiteren Auslassungen, die das treffend bestätigen. Weder ernst gemeint nochernst zu nehmen. Einfach nur ein mit intellektuell scheinen sollenden Versatzstücken einen Knüppel in den Ameisenhaufen gesteckt und sich amüsieren, wie sie schwirren. Das ist alles.

Morph November 22, 2014 um 19:00

@gelegentlich

“Warum läßt Dich es dann nicht beim Tee trinken bewenden und äußerst Dich hier?”

Aus Spaß. Aus Erkenntnisinteresse. Aus Langeweile. Aus Besserwisserei. Aus …

(Wir kommen mit ad-hominem, wie man weiß, nicht weiter. Also: zur Sache!)

someone November 22, 2014 um 19:09

Schwejk plappert einfach die Kremlposition nach. Wird in den russischen Medien von einem Putsch gesprochen, übernimmt er diese Begrifflichkeit vollkommen unreflektiert, obschon man bis zum Februar dieses Jahres unter einem Putsch eigentlich die Machtübernahme durch das Militär verstand, wofür er zwischenzeitlich ja auch geworben hat. Dann benutzt man immer weiter das Wort Faschisten, obwohl sie bei zwei Wahlen nicht über ein Protestwählerpotential hinauskamen. Girkin, den er im Sommer als zurechnungsfähigen, bedachten Menschen eingeordnet hatte, ist jetzt auf einmal ein Irrer, den man nicht mehr ernst nehmen muss. In russischen Medien wird die Ukraine weiter aufgeteilt, indem man das sagenhafte Ruthenien konstruiert und er gibt es hier zum Besten. In Novonovoland wird die Todesstrafe eingeführt und er beschreibt diese Maßnahme als notwendigen Schritt, um die Gemeinschaft beisammenzuhalten. Russland besetzt die Krim und er folgt der Diktion, dass es sich um Separatisten handelte. Sobald Putin eingesteht, dass es sich doch um Russen handelte, macht er die Volte mit und behauptet, dass es allen hätte klar sein müssen. Darüber hinaus wird ein Popanz aufgebaut, dass die russischsprachige Minderheit bedroht sei, obwohl viele Medien in Kiew selbst russischsprachig sind und so gut wie jede Internetseite der ukrainischen Regierung auch eine russsischsprachige Version bereithält. Seltsamerweise beschwert isch die ungarische und rumänische Minderheit nicht. Liegt es jetzt daran, dass sie erfolgreich unterdrückt werden oder ist es vielleicht dann doch eher dem Umstand geschuldet, dass Moskauer Medien lügen, dass sich die Balken biegen?
Die Gleichschaltung hat in Russland bereits stattgefunden und das sollte man berücksichtigen, wenn man eine asugewogenen Berichterstattung einfordert, die beide Seiten zu Wort kommen lässt. Zumindest wüsste ich nicht, dass deutsche Journalisten mit Orden ausgestattet werden und auch wenn man einigen Voreingenommenheit vorwerfen kann, sind mir doch keine offenen Lügen und Fabrikationen bekannt, welche in den russischen Medien gang und gäbe sind, wie z.B. das arme russische Ömchen, das zunächst in Kiew, dann in Odessa, daraufhin in Charkiw und letztendlich in Donezk als unterdrückte, hilflose Zivilistin auftrat.

Aber die Horst-Mahler-Entwicklung ist lustig mit anzusehen.

Andreas Kreuz November 22, 2014 um 19:18

@Morph

Je nasser Dein Pulver wird,
desto substanzloser und unverständlicher werden Deine Beiträge.
(aus 2. Ordnung beobachtet)

Folkher Braun November 22, 2014 um 19:41

@someone: Natürlich muss man als Transatlantiker einen Schwejk denunzieren. Schließlich hat er mit seinen Übersetzungen dem Kommentariat hier zu einigen Einsichten verholfen. Und dass er einseitig die Separatisten hochjubelt, ist schlicht nicht wahr.

georgi November 22, 2014 um 20:06

@folkher braun:

Und dass er einseitig die Separatisten hochjubelt, ist schlicht nicht wahr.

…wie vieles andere nicht.

Ruthenien wäre ein potentieller Konfliktherd. Bevor er wirklich zu einem wird, wird gleich erst einmal Putin beschuldigt, Es gibt da nämlich in der UA einige unerzählte alte Geschichten, die hervorbrechen könnten. Mit ein wenig gesundem Menschenverstand und Liberalität kann man den Ausbruch von Konflikten aber sicher vermeiden. Mit der in UA üblichen völkischen Ideologie und unter Zuhilfenahme unbewiesener Anschuldigungen wird das möglich. Andererseits hat sich bis vor einem Jahr niemand einen Bürgerkrieg in UA vorstellen können. Es gibt da auch noch Jobbik und Orban mit ihrem völkischen Ungarntum, die der UA Schwierigkeiten machen könnten. Aber soweit ist es wohl noch nicht.

Girkin ist in militärischen Dingen sicher zurechnungsfähig und bedacht.

gelegentlich November 22, 2014 um 20:25

@Morph und Mitleser

„(Wir kommen mit ad-hominem, wie man weiß, nicht weiter. Also: zur Sache!)“

Hä, das soll ad hominem gewesen sein? Das ging um Deinen Standpunkt. Wie dem auch sei, um auf den Anfang zurück zu kommen:

„ Es wird Zeit, wieder deutlich zu machen, was der Unterschied zwischen dieser Propaganda-Tröte und Journalismus ist. Ansonsten begeben wir uns auf russisches Niveau.“ (@fl im Altpapierkorb)

Nun, die Woche hat schlagend gezeigt dass unsere MSM-Medien überwiegend keinen Schlag besser sind als die erwähnte russische Regierungsseite, um es vorsichtig auszudrücken. Die Vermutung, dass es darum ging, mit Propagandamitteln die vermutete politische Wirkung des Putin-Interviews zu konterkarieren, hat sich für mich bestätigt. Aber hier ist auch das Problem: für eine eigene Politik haben solche Medien kein Mandat. Die neue Leisten (Kaufen ist doch legal) scheinen mir schlechter als die alten (strikte Trennung von Bericht und Meinungskommentar). In dieser Form sind diese Medien als Informationsquelle nicht mehr geeignet resp. es ist einfach zu mühsam und zeitaufwändig, sich die unverschmutzten Perlen rauszusuchen.

Soldat Schwejk November 22, 2014 um 20:29

@ Folkher Braun

Na, der @someone ist sicher kein Transatlantiker. Nur ein ziemlich gestörter Russenhasser.

Folkher Braun November 22, 2014 um 20:38

Aua. Dann darf ich ihm wahrscheinlich nicht verraten, dass ich spontan nach den EU-Sanktionen mir ein paar Telnjaschkas und eine Uschanka gekauft habe ;-)) Uschanka mit Emblem, wo Hammer und Sichel drauf sind.

Balken November 22, 2014 um 21:12

“Aus Spaß. Aus Erkenntnisinteresse. Aus Langeweile. Aus Besserwisserei. Aus …”

Diese Einlassung hätte ich in meine Einschätzung ja glatt noch als Bestätigung mit aufnehmen können. Unmittelbar nach meinem posting eingestellt – ohne dass der eine das andere, gilt gegenseitig, schön hätte zur Kenntnis haben können – ist die Bestätigung aber sogar noch vollkommener.
Danke. “Wir kommen mit ad-hominem, wie man weiß, nicht weiter”, stimmt schon. Also zur Sache. Un die ist ja, wie wir von @Morph erfahren durften, die Diskussion selber als die hier zu betrachtende Realität. Die ursprüngliche Ebene, das, worüber hier diskutiert wird, interessiert (ihn) dabei nicht. Es geht um die Analyse der Argumentationsfiguren. Ab und zu wirft er, aus Spaß, aus Erkenntnisinteresse, aus Langeweile… auch mal einen Knüppel hinein, um den Erkenntnisgewinn, wie die Ameisen so ticken, ausschwirren und gegen den Knüppel andiskutieren, zu steigern. Oder halt auch rein aus Spaß, ohne Erkenntnisgewinnabsicht, denn eigentlich ist es ja so absehbar, wie die Ameisen ticken, wenn man einen Knüppel in ihren Haufen wirft.
Aber: Inwieweit hat er recht, sich zu belustigen über die Erntshaftigkeit, mit der hier (auch) diskutiert wird? Je ernsthafter sich jemand aufführt, umso belustigter ist @Morph. Gar wenn hier Forderungen, quasi Ultimaten, gestellt werden. Damit hat er aber wohl recht. Dafür gibt es andere Spielwiesen. (Höchstens würde ich ihm ankreiden, dass er seine Bewertungen, wie “lunatiker”, “Beklopptenfraktion” und dergleichen angreifbar einseitig vergibt.)
Und, abgesehen davon, inhaltliche, sachlich fundierte Beiträge, begründete Meinungen, die sich hier bei wenigen Teilnehmern immer wieder finden lassen, lese ich gern, auch wenn das natürlich nicht mehr ist als virtueller Stammtisch, aber jedenfalls auch nicht weniger. Das ist dann allerdings unmiittelbare Ebene. Daran beteiligt sich @Morph als Beobachter der Beobachter nicht. O.k., muss ja nicht. Sollte sich dann aber auch nicht gerade jene sezierend vorknöpfen, die eben gerade solche informierenden, sachlichen, geduldigen Kommentatoren sind, die mit “ad hominem” eh nichts am Hut haben. Wenn er sich hier gerade einen solchen herausgreift, dann ist es womöglich doch nicht “egal wieviele Fans er im long tail des Internet hat”?

Goodnight November 22, 2014 um 22:22

@Balken

Wir beobachten hier immer nur die Beobachtung anderer. Keiner war in der Ukraine, in Russland oder auf dem Schoß von Obama. (außer natürlich der SoldatSchwejk)

Was wir hier aber in first order beobachten können, das ist Kommunikation.

Und das macht die Welt nicht wirklich schöner…denn was man hier so beobachtet ist Babylon.

Denn Information kann man hier nur herausfiltern, wenn man das ganze in zweiter Ordnung beobachtet. D.h. man betrachtet das Schauspiel und sucht konkrete Informationen nach eigenen Leitdifferenzen.

Und genau so operieren hier alle. Sie führen ein Schauspiel auf, welches als Schauspiel keine Bedeutung hat.
Die Kommunikation dient hier nur dazu, eine Vielzahl von Unterscheidungen zu bezeichnen, mittels dessen sich die Teilnehmer stabilisieren oder destabilisieren können.
Folglich ist hier Konflikt conditio sine qua non, deshalb die Tendenz zur Kneipe. Niemand will hier Reflektion, Ganzheitlichkeit, Wahrheit.

Unser Bewusstsein ist so sehr damit beschäftigt sich abzugrenzen, dass der Wahrheit niemals Einlass gewährt wird. Sie kann höchstens in minimalen Dosierungen verteilt über sehr lange Zeit eindringen.

Und so wird auch diese Wahrheit niemals wirklich bei Euch ankommen. Eine Millisekunde dringt sie durch…aber schon jetzt schaltet ihr ab. Aus. Euer Bewusstsein befehlt Abgrenzung und schon denkt Ihr. “Was für ein Depp, dieser Goodnight.”

“All we ever see of stars are their old photographs.”
(Watchmen)

Balken November 22, 2014 um 22:33

@goodnight
Also dass ist jetzt lustig.
Spontane Zustimmung gleich während ich das lese – allerdings bis auf den letzten Absatz.
Warum wohl mag ich dem letzten Absatz so nicht zustimmen? ;-)

Andreas Kreuz November 22, 2014 um 22:33

@Goodnight November 22, 2014 um 22:22

Dann vergiß aber nicht,
auf dem aktuellen Bild
den nackten Kaiser zu betrachten:

http://www.egon-w-kreutzer.de/001/tk221114.html

gelegentlich November 22, 2014 um 22:34

@Goodnight

„Niemand will hier Reflektion, Ganzheitlichkeit, Wahrheit.“

Aber einer von diesen Niemands formuliert dass „diese Wahrheit niemals wirklich bei Euch ankommen“ wird – und meint damit seine eigene. Ist es schon zu spät für Logik, late night statt good night?

Ich habe noch nicht mal die Millisekunde fühlen können. :-(

„(außer natürlich der SoldatSchwejk)“ – ich bin zu faul, sorry, muss ich überlesen haben als @Soldat so was gesagt haben soll.

Wie fühlen wir uns denn nach solch einer Alptraumwoche, was den Zustand hiesiger Medien angeht?

Balken November 22, 2014 um 22:34

…argh, das ist natürlich auch nur mit einem s lustig.

ruby November 22, 2014 um 23:10
Soldat Schwejk November 22, 2014 um 23:34

@ Goodnight —> “Und so wird auch diese Wahrheit niemals wirklich bei Euch ankommen. Eine Millisekunde dringt sie durch…aber schon jetzt schaltet ihr ab. Aus. Euer Bewusstsein befehlt Abgrenzung und schon denkt Ihr. “Was für ein Depp, dieser Goodnight.””

Oh mitnichten. Mein Bewußtsein befiehlt Zustimmung und schon denke ich: “Mal wieder ein Kommentar auf dem Niveau, das man von dem Kerl eigentlich gewohnt ist.” :-)

—> “Denn Information kann man hier nur herausfiltern, wenn man das ganze in zweiter Ordnung beobachtet. D.h. man betrachtet das Schauspiel und sucht konkrete Informationen nach eigenen Leitdifferenzen. Und genau so operieren hier alle. Sie führen ein Schauspiel auf, welches als Schauspiel keine Bedeutung hat. Die Kommunikation dient hier nur dazu, eine Vielzahl von Unterscheidungen zu bezeichnen, mittels dessen sich die Teilnehmer stabilisieren oder destabilisieren können.”

Also jedes Schauspiel hat eine Bedeutung. Sonst würde es nicht aufgeführt, sonst würden Leute nicht hingehen und sich mitreißen lassen. Man sympathisiert während des Schauspiels doch mit einzelnen Rollen, kann das Stück als Gesamtkomposition dann hinterher aber trotzdem zu analysieren versuchen. Das mit den Leitdifferenzen merke ich mir für diesen Zweck…

Bei Themen, wo ich mich selbst nicht so reinhänge… etwa ISIS oder NSA-Überwachung… da kann ich es schon während des Schauspiels aus dieser zweitgeordneten Perspektive betrachten. Hier ist es aber was anderes. Bin mit mehr persönlichem Einsatz drin und dann nolens volens zu einem der Hauptakteure befördert worden. Habe den Eindruck, es gibt da draußen eine ganz verhängnisvolle aktuelle Entwicklung… eine Sache der kurzen Dauer, aber mit lang wirkenden Konsequenzen… eine unnötige, empörende, eigentlich zu verhindernde Entwicklung im deutsch-russischen Verhältnis… und kann es als Schütze Arsch in ‘the real world’ nicht verhindern… also versuche ich es hier symbolisch zu tun.

Und… wäre das Schauspiel noch schauenswert, wenn es neben der ganzen bereits reflektierten Zweitgeordnetheit der Unterhaltung nicht immer auch Darsteller gäbe, die für den Moment mit ihrer Rolle eins werden?

Folkher Braun November 22, 2014 um 23:37

Wenn ich mich nicht irre, gibt es Bereiche angewandter und solche abgewandter Mathematik. In den Sozialwissenschaften ist das ähnlich. Die Systemtheorie wurde Anfang der 70er Jahre in der DDR breitgetreten, weil dort eine zentrale Steuerung der Zentralverwaltungswirtschaft installiert werden sollte. In den Westzonen entwickelte vor allem Luhmann die abgewandte Version, den entgültigen intellektuellen Argumentationsbrei. Deswegen ticken Leute, die aus der Produktion kommen, vulgo an der Erstellung messbarer Arbeitsleistung gewöhnt sind, regelmäßig aus, wenn @Morph hier Betragensnoten verteilt. Holger und ich haben ja schon verzweifelt versucht, den Waschbär für Aufgaben in der Umformung von Naturstoffen vorzubereiten. Auf den Gewindeschneide-Lehrgang will er immer noch nicht. Jetzt könnte ich noch pneumatische und pneumatisch-elektronische Bremssysteme an Lastwagen anbieten. Ich fürchte, auch das wird nichts, denn seine biologisch-dynamischen Kartoffeln liegen immer im Regal beim Demeter, und er möchte gar nicht wissen, wie die da hin gekommen sind.

Soldat Schwejk November 23, 2014 um 00:01

… Also werde beim nächsten Besuch eines Schauspiels und beim Beobachten eigener Anteilnahme mal zu ergründen versuchen, welche eigene Leitdifferenz gerade angesprochen wurde. Mit solcher Perspektive kann einen vielleicht auch eine Tragödie zum Lachen bringen.

Manfred Peters November 23, 2014 um 00:29

@ Folkher Braun November 22, 2014 um 23:37
Die Systemtheorie der DDR war die Systematische Heuristik:
http://de.wikipedia.org/wiki/Systematische_Heuristik
Allerdings fielen Ihre Protagonisten schnell in Ungnade und mussten von diesem Teufelszeug abschwören.
Es gab also in der DDR auch wissenschaftliche Richtungskämpfe, ohne dass die Verlierer in den Gulag mussten. ;-)

@ Goodnight November 22, 2014 um 22:22
“Keiner war in der Ukraine, in Russland …”
Vor dem Schoß des doppeltdunklen Fürsten der Finsternis habe sogar ich etwas Angst. In der Ukraine, Russland (Sowjetunion), Moldawien war ich aber schon mehrfach.
Also, Du arroganter unwissender Westling musst erst einmal da hinriechen, wo ich schon hingesch….. habe!
Bsp.: ???????? ??-1

Soldat Schwejk November 23, 2014 um 00:31

… und bei all den Leitdifferenzen und Stabilisierungen ist ja nicht zu vergessen, daß unterschiedliche Affekte beteiligt sind… Wut, Ekel, Angst… auch Angst vor Haltungen, die zu sehr die eigenen sein könnten… umgekehrt auch Begehren… Begehren von Identitäten, die nicht wirklich die eigenen sein können… “Die Moderne” etwa: warum will man die, warum will man die nicht?

Hupp… das Wort zum Sonntag… Ich übergebe an den allnächtlichen katholischen Prediger @bleistift…

ruby November 23, 2014 um 00:42

@ Soldat Schwejk
böhmische Knödel aus Südamerika
http://www.chefkoch.de/rezepte/1954311318086993/Don-Diegos-Papas-Rellenas-Peruanas.html
;-)
wegen der Vielfalt und den Ursprüngen der Kartoffel

Folkher Braun November 23, 2014 um 00:47

@Manfred Peters: Ich war im 2. Semester am Otto-Suhr in Berlin dabei, wo plötzlich im Frühsemester 1970 ein akademisches Gegacker um Systemtheorie losgebrochen wurde. Da ich zwecks Lebensunterhalt parallel dazu als Betriebsarbeiter bei der Deutschen Reichsbahn tätig war (Reichsbahn Ausbesserungswerk Grunewald), habe ich natürlich Betriebspartei- und Betriebsgewerkschaftsleitung bei unseren Schulungen interviewt, was von dem Zeug zu halten sei. Antwort: nüscht. Wir arbeiteten nach der Reichsbahn-Betriebsordnung von 1929. Und die S-Bahn fuhr noch. Wir kloppten im Winter, wenn kein Streckendienst an den Böschungen möglich war, im Werk die Holzkästen für die Stromschienen zusammen. Wobei kein Nagel zur Seite ausgetrieben sein durfte. Noch eine sinnvolle Beschäftigung für @Morph, wenn ihn das mit den Gewinden intellektuell überfordern sollte.

Soldat Schwejk November 23, 2014 um 01:02

Ach ja… Kulinarisches… Den Warenaustausch mit Rußland befördern! Muß mal schauen, ob es hier noch irgendwo den vorzüglichen Seetang in Konserven gibt. Der ist total klasse… “morskaja kapusta”… aus dem Ochotskischen und Japanischen Meer im Fernen Osten. Damit sind gewiß auch keine Lebensmittelskandale verbunden…

http://lebensmittel.ru/images/product_images/popup_images/476_0.jpg

Folkher Braun November 23, 2014 um 01:29

Nee Soldat: Firmen, mit denen ich es zu tun habe, klassischer Fahrzeugbau, die haben im Moment damit zu kämpfen, dass der Auftragseingang aus RUS weggebrochen ist. Wer nicht vor Ort eine Montagefabrik hat, versucht, die bestellten Fahrzeuge über den Umweg Türkei ins Land zu bringen. Das sind alles Sachen, die kein Mensch braucht, außer Steinie, Murksel und Co..

bleistift November 23, 2014 um 01:34

@ topi

“Aha. Nach deiner Logik ist der Kairoer hilfsbereiter, gar menschenfreundlicher, weil er länger in Bullshitjobs arbeitet als der Deutsche. Oder was stimmt wieder mal logisch nicht an deinen Argumenten?”

Nein, die Menschen in arabischen Ländern wie in Entwicklungsländern überhaupt sind sagen wir wärmer oder offener als Menschen in reichen Ländern.
Das liegt schlicht daran, dass sie sehr stark aufeinander angewiesen sind. Wo es keinen funktionierenden Sozialstaat gibt, wo es eigentlich überhaupt keinen vernünftig funktionierenden Staat gibt tritt natürlich die Familie oder das Kollektiv (in Form der Dorfgemeinschaft, des Stadtviertels) an diese Stelle. Diese Abhängigkeit des Individuums vom Kollektiv kann negative Auswirkungen haben. Das wird thematisiert in Form von Ehrenmord, Zwangsheirat usw. Sie hat aber natürlich auch positive Auswirkungen. Eben die die ich genannt habe.
Das Mitgefühl, also das Aufeinander-Achtgeben, das Sich-umeinander-kümmern, das Gemeinsame-Lösungen-suchen ist in arabischen Ländern ohne jeden Zweifel stärker ausgeprägt als im reichen Europa.
Im Fernsehen kann man ab und an auch Stimmen aus der ehemaligen DDR hören. Da heißt es dann: “Wir hatten zwar nichts. Vieles hat nicht funktioniert. Auf vieles musste man verzichten. Aber das Gemeinschaftsgefühl war besser. Man hat mehr aufeinander geachtet. Sich gegenseitig geholfen”. Lag das nur am Sozialismus (der die Menschen zu guten Menschen erziehen wollte) oder auch an der Mangelwirtschaft die gewisse Übereinstimmungen mit den Verhältnissen in Dritt Welt Ländern aufwies?
Die Lösung kann nun ganz bestimmt nicht darin bestehen, dass wir hier den Sozialstaat abschaffen. Aber als einen Punkt kann man das doch einfach mal kurz so stehen lassen (darüber nachdenken) und sich weiter durchlesen was ich schreibe.
Der Sozialstaat den wir in Europa haben wird erwirtschaftet durch ein kapitalistisches System. In diesem System ist Egoismus und Konkurrenz sehr wichtig. Nur kann man nicht leugnen dass es einen kausalen Zusammenhang gibt zwischen dem Wohlstand der (auch) durch das Ausnutzen niederer Triebe generiert wird auf der einen Seite und der (sagen wir mal) Finanzierung altruistisch motivierter Triebe auf der anderen Seite. In Form eben des Sozialstaats.
Das eine bedingt sozusagen das andere und setzt es voraus. Insofern kann es kein richtiges Leben im falschen geben.
Eben das versuche ich dir hier zu vermitteln. Der Sozialstaat fördert nicht zwangsläufig das Gute im Menschen. Er bestärkt vielmehr auch seinen Egoismus. Seinen Zynismus. Weil die Menschen in einem sehr reichen Land jedes Gefühl für Schrecken verlieren. Alles ist geregelt. Für alles gibt es eine Anlaufstelle. Irgendjemanden der dafür zuständig ist.
Jede Verantwortung wird delegiert an eine Stelle die sich darum kümmert. Kompetent und praktisch nicht korrupt.
Das ist das System in dem wir heute leben. Man muss also den Zusammenhang betrachten. Man kann nicht das eine vom anderen trennen. Man kann nicht so tun als wäre der “gut” der den Sozialstaat ausbauen will und der “böse” der dem Markt mehr Raum verschaffen will.
Wenn wir mal zur Kenntnis nehmen, dass das System in etwa so ist wie ich es gerade beschrieben habe. So stellen wir fest, dass der Mensch sich quasi selbst verliert. Er kann sich nicht mehr fühlen. Es gibt keine Ecken und Kanten mehr die ihn sein “Menschsein” fühlen lassen. Es fehlt die “Erdung”. Kinder werden verwaltet. In Kitas oder Kindergärten. Arbeitslose werden verwaltet. Arbeitsagentur. Und auch die Sterbenden werden verwaltet. Pflegeheime. Das funktioniert alles wunderbar gut. Das bezweifle ich nicht.
Nur sind wir glücklich? Ist das alles was wir wollen?
Ich habe bislang noch nicht aufgehört religiös zu sein. Irgendwie sehne ich mich nach mehr. Irgendwas in mir sagt mir, dass das nicht alles sein kann. Denn im Grunde ist das was ist fürchterlich lächerlich. Als Christ sollte man ja eigentlich glauben die Welt sei von Gott geschaffen. Meiner persönlichen Meinung nach ist sie eher das Produkt eines schlecht gelaunten Dämons der sich einen Scherz erlauben wollte.
Jedenfalls kannst du deine 15-Stunden Woche einführen. Wenn du das unbedingt möchtest. Mich persönlich wird das kaum tangieren. Ich werde ganz bestimmt nicht plötzlich anfangen schlechte Gedichte zu schreiben oder kitschige Bilder zu malen.
Ich werde mich weiterhin mit einer altertümlichen Sense auf die Wiese stellen und Gras mähen. Weil es mir gut tut. Ich werde weiterhin in den Wald gehen und Holz machen. Weil man da gut nachdenken kann. Ich werde meinen Kindern weiterhin erlauben auf Bäume zu klettern auch wenn sie runterfallen können und sich ein Bein brechen können. Ich werde mir weiterhin anhören was mein Vater mir zu sagen hat. Auch wenn es mich nervt.
Können die Menschen denn umgehen mit der Freiheit die du ihnen bieten willst?

bleistift November 23, 2014 um 01:36

“Hupp… das Wort zum Sonntag… Ich übergebe an den allnächtlichen katholischen Prediger @bleistift…”

Danke.

ruby November 23, 2014 um 01:41

Seettank statt Grünkohl demnächst in Berlin

ruby November 23, 2014 um 01:58

Frage als Antwort
Wieso haben Indianer jahrzehntausende gebraucht bis Südamerika oder wie lange dulden wir Mario draghi und dessen Geldtheorie noch?

bleistift November 23, 2014 um 02:25

Zur Verdeutlichung darf ich vielleicht noch diesen Beitrag von Frankie (f.k.a.B.) verlinken .

Nicht dass ich das irgendwie instrumentalisieren möchte.
Nur vielleicht zur Verdeutlichung dessen was ich sagen möchte.

ruby November 23, 2014 um 06:10

@Bleistift
Geh zu blicklog.com und mach den monte Carlo Kurs du kommst zur Statistik mit Heinz sahner – schließen erlaubt
Grüße an soffi
;-)

ruby November 23, 2014 um 06:26

@AK und Frankie
Es ist nie zu spät, weil es Menschen wie euch gibt!

petervonkloss November 23, 2014 um 06:40

@ dem verbogenen Bleistift

„Der Sklavenaufstand in der Moral beginnt damit, dass das Ressentiment selbst schöpferisch wird und Werthe gebiert“ F. Nietzsche…………….

Daß solch liebenswerte Menschen wie z. B. @ topi und @ Soldat Schwejk auf Dich „hereinfallen“, mag der „Begleitung“ eures Dienstes seit 45 geschuldet sein…….damals lag es in der Natur der Sache, aber heute seid ihr die
Rumpelstilzchen der Geschichte, das all und überall seine „vernünftigen“ Vertreter „sitzen machen“ hat in all dem was Deutschland (und Europa) unmittelbar angeht.

Deine systematische Legendenbildung in diesem Blog ist für Fachleute leicht zu durchschauen.

petervonkloss November 23, 2014 um 07:25

„Ich möchte auch gar nicht wissen, inwiefern es eine „Begleitung“ in Bezug auf den NSU gab“ sagte mir ein sehr guter Bekannter und ich erinnerte, daß ich mal die Schnapsidee einer Umsiedlung in Gänze Israels (außer Tel Aviv, als Quasi-Hongkong) nach Mecklenburg – Vorpommern vorschlug.

petervonkloss November 23, 2014 um 08:14

Acta diurna

“Nur beim Römischen Weltreich kann man sagen, daß die Kultur ein Faktor war. Auch das Regime der Araber in Spanien war etwas unendlich Vornehmes: die größten Wissenschaftler, Denker, Astronomen, Mathematiker, einer der menschlichsten Zeiträume, eine kolossale Ritterlichkeit zugleich. Als dann später das Christentum dahin kam, da kann man nur sagen: die Barbaren. Die Ritterlichkeit, welche die Kastilier haben, ist in Wirklichkeit arabisches Erbe. Hätte bei Poitiers nicht Karl Martell gesiegt: Haben wir schon die jüdische Welt auf uns genommen – das Christentum ist so etwas Fades –, so hätten wir viel eher noch den Mohammedanismus übernommen, diese Lehre der Belohnung des Heldentums: Der Kämpfer allein hat den siebenten Himmel! Die Germanen hätten die Welt damit erobert, nur durch das Christentum sind wir davon abgehalten worden.”
Adolf Hitler am 28. August 1942
(zitiert nach: Heinrich Heims/Werner Jochmann: “Adolf Hitler. Monologe im Führerhauptquartier 1941-44″, S. 370)

petervonkloss November 23, 2014 um 09:59

Ich schreibe einen Hit für die Doofen:

„Ich werde mich weiterhin mit einer altertümlichen Sense auf die Wiese stellen und Gras mähen. Weil es mir gut tut. Ich werde weiterhin in den Wald gehen und Holz machen. Weil man da gut nachdenken kann. Ich werde meinen Kindern weiterhin erlauben auf Bäume zu klettern auch wenn sie runterfallen können und sich ein Bein brechen können. Ich werde mir weiterhin anhören was mein Vater mir zu sagen hat. Auch wenn es mich nervt.
Können die Menschen denn umgehen mit der Freiheit die du ihnen bieten willst?“

Manfred Peters November 23, 2014 um 10:15

@ petervonkloss November 23, 2014 um 07:25
“… einer Umsiedlung in Gänze Israels… nach Mecklenburg – Vorpommern vorschlug.”
Das gibt diplomatische Verwicklungen mit dem Weltherrscher, denn:
“Für Mecklenburg-Vorpommern konnten wir dies nicht mehr verantworten, da ein Totalverlust drohte. Da kam uns das Angebot der Bush-Administration ganz recht, gegen die Übernahme der Landesschulden und für den symbolischen Kaufpreis von 1 EUR das Land als Atomtestgelände zu kaufen.”
http://www.sgipt.org/politpsy/wirts/dag/witz/hvp_siem.htm
Wer die Erlaubnis bekommt MV zu besuchen kann wird nur noch Bombentrichter finden der Rest ist durch H5N8 verseucht.
Also an Schutzkleidung/Gammaplane denken!

Jackle November 23, 2014 um 16:22

“Die Kategorie haben wir schon öfter hier diskutiert. Meine Position ist immer die gewesen: Es gibt keinen gesamtgesellschaftlichen Fortschritt. ”

Endstation Fortschritt:
https://www.youtube.com/watch?v=qdw9FL8qPd4

Bleistift November 23, 2014 um 18:47

Dracula,
Dass du als Vampir Angst vorm Kreuz hast ist nun nicht wirklich eine Überraschung.

Manfred Peters November 24, 2014 um 13:00

Wo ist die Entsatzarmee aus der xxxxxxgrube?
Putin hat sich Kanada unter den Nagel gerissen
http://www.schindluder.net/8474/fakten-fakten-fakten-focus-putin-kreuzt-unter-falscher-flagge-vor-australien/
und macht mit kanadischen Kriegsschiffen die Weltmeere unsicher.
Man kann sich auf Gottvater Jarchow, den Hinterwäldler und seinen Pumpengenossen auch nicht mehr verlassen. :-(

REMOVEWAT 2.2 9 DOWNLOAD Dezember 22, 2014 um 15:48

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