Der Fall Edathy und die Seuchenmedizin

by f.luebberding on 19. Dezember 2014

Ob sich schon jemand bei Hans-Peter Friedrich entschuldigt hat? Kaum. Der zurückgetretene CSU-Bundesinnenminister ist längst vergessen. Dabei sind die Gründe für dessen unsinnigen Rücktritt die gewesen, die noch immer die Debatte um Sebastian Edathy bestimmen. Die Angst, sich mit einem Verdacht namens Kinderpornographie infizieren zu können. Der funktioniert wie ein Virus. Allerdings ist er im Gegensatz zu Ebola zu 100 % tödlich. Niemand kann den Verdachtsvirus politisch überleben. Jeder, der in Verdacht geraten könnte, sich vom Verdächtigen nicht sofort zu isolieren, gilt selbst schon als infiziert und damit als ansteckend. Der Umgang von Politik und Medien mit der Edathy-Affäre ist besser mit den Kategorien der Seuchenmedizin zu begreifen als mit den normalen Kriterien des politischen Skandals. Es geht um die Isolierung des Verdächtigen; die Verhängung von Quarantäne für alle, die mit ihm zu tun hatten.

Der Stern hat in seiner aktuellen Ausgabe eine sehr gute Aufarbeitung der Chronologie der Edathy-Affäre. Der Artikel ist informativer als dessen Pressekonferenz gestern Vormittag oder gar die Zeugenvernehmungen vor dem entsprechenden Bundestagsuntersuchungsausschuss. Er zeigt, wie alle politischen Seuchenmediziner den Kinderpornographieverdachtsfall namens Edathy einzugrenzen versuchten. Dort wird zugleich deutlich, warum der neue Chefredakteur des Stern, Christian Krug, den Artikel im eigenen Blatt nicht verstanden hat. Er schreibt in seinem Editorial:

“Vielmehr wird die Öffentlichkeit aber interessieren, wer ihn (Edathy F.L.) politisch schützen wollte.”

Das ist der Irrtum, dem nicht nur Krug zum Opfer fällt, sondern fast alle Beobachter. Es entspricht der üblichen Logik des politischen Skandals: Man will vertuschen, um den eigenen Mann vor der Verfolgung zu schützen. Nur ist das in diesem Fall ein Irrtum. Hier wollten sich vielmehr alle vor Edathy und dem Kinderpornographieverdachtsvirus schützen. Dafür war es von vornerein unerheblich gewesen, ob Edathy tatsächlich strafbares Handeln vorzuwerfen gewesen ist oder nicht. Ob er mit einer Verurteilung rechnen musste oder nicht. Allein der Verdacht reichte schon, um ihn der politischen Quarantäne zu unterwerfen. Deshalb intervienierte der BKA-Präsident Jörg Ziercke. Aus dem Grund unterrrichtete Hans-Peter Friedrich den SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel. Deswegen wurden Thomas Oppermann und Frank-Walter Steinmeier informiert. Nur deshalb kümmerte sich der Fraktionskollege Michael Hartmann um den Gestrauchelten. Es ging einzig darum, wie man den politischen Kollateralschaden des infizierten Edathy begrenzen konnte. Die Erklärung, hier könnte es um Strafvereitelung im Amt oder Geheimnisverrat gegangen sein, also um die Unterstützung des Tatverdächtigen Edathys, führt in die Irre. Es ging, wie in der Seuchenmedizin, primär um den Schutz der Umwelt vor dem Infizierten und nicht um dessen Gesundung.

Politisch war dieses Handeln zwangsläufig gewesen. Angesichts der heutigen Medienbedingungen ist die Erwartung, einen solchen Verdacht dauerhaft geheim halten zu können, eine Illusion, die kein Politiker haben wird. Er muss sich so positionieren, um für den Fall der Aufdeckung nicht mit in den Abgrund gezogen zu werden. Das bedeutete aus der Perspektive des Herbstes 2013, alles getan zu haben, um Edathys politischen Ambitionen zu stoppen. Das allerdings unter der Bedingung der Unschuldsvermutung, die man für Edathy gelten lassen musste. Allein auf der Kundenliste eines kanadischen Film- und Fotoanbieters zu stehen, der in den Kinderpornographiesumpf verstrickt ist, ist zwar politisch tödlich, aber nicht zwangsläufig ein juristisches Delikt. Ihn somit offen politisch zu sanktionieren, war zu diesem Zeitpunkt unmöglich gewesen.

Niemand konnte im Oktober 2013 das politische Aus des Politikers Edathy verkünden. Man musste ihn aber unter Quarantäne stellen. Wer den Stern-Artikel liest, und wer Edathy in seiner Pressekonferenz zugehört hat, bekommt von ihm diesen Eindruck vermittelt. Edathy fühlte sich zusehens isoliert. Es gab zu diesem Zeitpunkt weder ein juristisches Verfahren gegen ihn, noch politische Auskünfte über sein zukünftiges Schicksal. Der einzige Kontakt zu dieser Wirklichkeit politischer Seuchenbekämpfung, die sich aber hinter seinem Rücken abspielte, war tatsächlich der Bundestagskollege Hartmann gewesen. Edathy kann übrigens gar nicht wissen, was Hartmann ansonsten für eine Rolle gespielt hat. Mit wem dieser sprach und woher er seine Informationen bezogen hatte. Zu dem Zeitpunkt vor der Aufdeckung der Affäre hat er ihn offenkundig als jemanden betrachtet, der Edathys Interessen im Auge hatte. Erst später muss ihm der nicht unbegründete Verdacht gekommen sein, Hartmann wäre eher der Interessenvertreter der Leute gewesen, die sich vor ihm politisch schützen wollten.

Nur so sind auch seine Einlassungen zu Hartmann zu verstehen. Er bekam den Eindruck, dieser wäre lediglich im Auftrag der politischen Seuchenmediziner unterwegs gewesen. Warum die jeden Grund hatten, ihn zu isolieren, wurde spätestens mit der Hausdurchsuchung vom 10. Februar 2014 deutlich. Edathy wurde umstandslos zum kriminellen Pädophilen erklärt. Seine soziale Ächtung erfolgte sofort und ohne Verzug. Die Öffentlichkeit interessierte weder die Unschuldsvermutung, noch die genauen Umstände der ihm zur Last gelegten Taten. Der Verdacht der Kinderpornographie genügte zur sozialen Vernichtung des Sebastian Edathy. Es galt der Grundsatz, man solle an die unschuldigen Kinder als Opfer von Kinderpornographie und Pädophilen denken, um diese soziale Vernichtung zu rechtfertigen. Dieser Grundsatz ist nichts anderes als der Kinderpornographieverdachtsvirus, der schon längst die rechtliche Würdigung eines Falles namens Edathy ersetzt hat. Der Prozeß im kommenden Jahr ist weitgehend irrelevant geworden, wenn das Urteil und dessen Vollstreckung schon ein Jahr vorher verkündet worden ist. Jeder, der in den Verdacht geraten wäre, Edathy geholfen zu haben, wäre mit ihm in den Abgrund gestürzt.

Alle politischen Akteure, von Ziercke bis Hartmann, können sich in ihren Befürchtungen bestätigt fühlen. Es ist das eingetreten, was jeder schon im Herbst 2013 wusste: Edathy kann diesen Fall politisch und sozial nicht überleben, noch nicht einmal dann, wenn er unschuldig wäre. Sie haben alles richtig gemacht, bis auf eines: Dieses politische Kalkül als ihre Angst vor der Öffentlichkeit offen auszusprechen. Weil sie dann einräumen müssten, dass sie weder die Unschuldsvermutung, noch sonstige Verfahrensregeln interessieren. Etwa, wie Thomas Oppermann, einen BKA-Präsidenten angeblich nicht anrufen zu dürfen, obwohl er allen Grund dazu hatte. Oder, wie Friedrich, einen SPD-Parteivorsitzenden über einen Verdachtsfall zu informieren, der das Potential hat, jeden in den Abgrund zu reißen. Das hat einen guten Grund, den wir aus der Seuchenmedizin kennen. Sobald die ersten Fälle auftreten, geraten alle in Panik. Nichts anderes passierte im Fall Edathy.

Wer in Zukunft ein faires Verfahren will, wo jeder Regeln einhalten kann, ohne dafür bestraft zu werden, sollte auch die entsprechenden Voraussetzungen dafür schaffen. Das bedeutet einen Verdacht auf Kinderpornographie, wie bei Edathy, so zu behandeln wie jedes andere Delikt. Ziercke müsste weder die Folgen des Verdachts fürchten, noch Oppermann bei ihm anrufen. Friedrich müsste keinen Parteivorsitzenden informieren. Dieser Kinderpornographieverdachtsvirus ist nichts anderes als der Grundsatz “immer an die Kinder als Opfer der Kinderpornographie” zu denken. Dieser erzeugt Abscheu und Ekel. Dafür gibt es gute Gründe. Aber den politischen und rechtsstaatlichen Umgang mit solchen Delikten sollten weder Abscheu, noch Ekel bestimmen. Das ist aber die bestimmende Größe beim Umgang mit Sebastian Edathy gewesen. Insofern kann man ihn durchaus als Opfer betrachten. Was ihm ansonsten vorzuwerfen ist, wird das Landgericht Verden beurteilen müssen.

{ 72 comments }

Dipfele Dezember 19, 2014 um 16:13

> Dieser Kinderpornographieverdachtsvirus ist nichts anderes als der Grundsatz “immer an die Kinder als Opfer der Kinderpornographie” zu denken.

Das hat der Gesetzgeber, die Ex-Kollegen von Edathy, dann ja auch nicht gemacht, wenn er Bilder einer bestimmten Kategorie straffrei gestellt hat.

wowy Dezember 19, 2014 um 16:15

Zusammengefasst:
Wen interessiert Rechtsstaatlichkeit, wenn man hinstehen müsste, um die eigenen Pfründen zu sichern?
Was bei der Diskussion um Pegida völlig ausgeblendet wird: Die Vorbildfunktion
Wenn demokratische Regeln nicht mehr eingehalten werden, von Entscheidern, die vom Volk legitimiert sind, warum soll das Volk sie noch einhalten? Wenn der kleinste gesellschaftliche Konsens nicht mehr besteht, dann bastelt sich eben jeder seine eigene Wirklichkeit. Konsens setzt in aller Regel eine Debatte voraus und genau die findet nicht mehr statt.
Die konsumistische Individualisierung und Entsolidarisierung führt zu 80 Millionen Kleinstaaten.
Die Sprachlosigkeit und Konfliktunfähigkeit der Regierung Merkel ist der Nährboden dafür.

kusanowsky Dezember 19, 2014 um 16:34

“Das hat einen guten Grund, den wir aus der Seuchenmedizin kennen. Sobald die ersten Fälle auftreten, geraten alle in Panik. ”

Bleibt noch die Frage übrig, warum dieser Seuchenschutz die wahrscheinlichere Folge ist und nicht das Vertrauen auf Recht und Rechtsstaatlichkeit? Warum ist die Virulenz des Verdachts eher wahrscheinlich als die “morbide Sachlichkeit” der Rechtlichkeit dieser Sache?

wols Dezember 19, 2014 um 16:54

“Die konsumistische Individualisierung und Entsolidarisierung führt zu 80 Millionen Kleinstaaten.
Die Sprachlosigkeit und Konfliktunfähigkeit der Regierung Merkel ist der Nährboden dafür.”

Das kannst du nicht dieser oder einer anderen Regierung anlasten. Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. “Schwanz ab!” ist die kürzeste umgangssprachliche Umschreibung dafür.

Wenn Edathy gekokst hätte, oder Zwangsprostituierte in Dresden besucht, dann wäre ja nichts passiert. Es ist nicht der Konsum sondern der Konsum genau dieses Artikels der so geächtet ist.

wowy Dezember 19, 2014 um 17:00

@wols
Bitte meinen Beitrag nochmal lesen, bevor du Dinge in Zusammenhang stellst, die ich nicht in Zusammenhang gestellt habe.

bleistift Dezember 19, 2014 um 17:04

“Insofern kann man ihn durchaus als Opfer betrachten.”

Armer Edathy. Eine Runde Mitleid.

bleistift Dezember 19, 2014 um 17:19

“Dieser Kinderpornographieverdachtsvirus ist nichts anderes als der Grundsatz “immer an die Kinder als Opfer der Kinderpornographie” zu denken. Dieser erzeugt Abscheu und Ekel. Dafür gibt es gute Gründe. Aber den politischen und rechtsstaatlichen Umgang mit solchen Delikten sollten weder Abscheu, noch Ekel bestimmen.”

Wie soll man sich das denn in der Praxis vorstellen? Das ist ein Widerspruch in sich. Denn entweder gibt es gute Gründe Abscheu und Ekel zu empfinden oder eben nicht. Und wenn es gute Gründe gibt, dann müsste man schizophren sein anders zu handeln. Gerade als Politiker. Also als Person die im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht.
Und man soll doch auch nicht so tun als wäre Edathy der erste Politiker der “gejagt” wird. Da fallen mir Wulf ein. Dieser CDU Politiker der Juden als Tätervolk bezeichnet hat. Hohmann glaube ich. Paolo Pinke also Michel Friedman. Usw.
In Deutschland gibt es heute meinem Empfinden nach zwei große Tabus: Antisemitismus und Kindesmissbrauch.
Aber lassen wir das. Hätte F.Luebberding sich eigentlich auch die Finger so wund getippt wenn Edathy bei der CSU wäre?

Soldat Schwejk Dezember 19, 2014 um 18:01

Die Metapher mit dem Kinderpornographieverdachtsvirus und der politischen Seuchenbekämpfung trifft es ziemlich gut, finde ich. Und @topis Nennwortzusammensetzungsexperimente sind anschlußfähig, wie man sieht.

Ansonsten ist zu dem Thema hier ja vor fast Jahresfrist eigentlich alles geschrieben worden, was dazu geschrieben werden kann.

bleistift Dezember 19, 2014 um 18:38

Kindermord im Beisein „mächtiger Männer“?

Scotland-Yard-Ermittler bezeichnen die Aussagen eines mutmaßlichen Missbrauchsopfers als „glaubhaft“. Ranghohe Politiker, darunter ein Minister aus dem Thatcher-Kabinett, sollen vor Jahrzehnten einem Pädophilen-Ring angehört haben. Drei Jungen wurden womöglich getötet.

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/grossbritannien-scotland-yard-ermittelt-gegen-paedophilie-ring-13330914.html

In der Boulevard-Zeitung „Sunday People” gab der anonyme Zeuge nun zu Protokoll, er sei in den frühen achtziger Jahren im Raum gewesen, als ein Tory-Abgeordneter einen zwölf Jahre alten Jungen während einer Sex-Orgie im Dolphin Square Apartment erwürgt habe. Etwa eineinhalb Jahre später sei er dann Zeuge eines weiteren Mordes geworden, der im Beisein „mächtiger Männer“ stattgefunden habe. Ein dritter Junge soll vorher absichtlich überfahren worden sein. Die Männer, darunter auch ein ehemaliger Minister im Kabinett Margret Thatchers, seien bei ihren Vergewaltigungen „brutal“ vorgegangen und hätten etwa, wie in seinem eigenen Fall, den Kopf des Opfers unter Wasser gehalten.

Zu den Männern, die „Nick” anhand von Fotos identifizierte, gehört der frühere Botschafter und MI6-Geheimdienstchef Sir Peter Hayman. Er war bereits in den achtziger Jahren aufgeflogen, nachdem kinderpornographisches Material in seiner Wohnung gefunden worden war. Zudem war bekannt, dass er Mitglied im „Paedophile Information Exchange“, einer Kontaktbörse für Kinderschänder, gewesen ist, die erst Mitte der achtziger Jahre geschlossen wurde. Hayman wurde, trotz einer Nachfrage im Unterhaus, nie angeklagt. Er verstarb 1992.

[.....]

Die Annahme, dass die Täter von staatlichen Institutionen gedeckt wurden und womöglich noch immer geschützt werden, ist nicht abwegig. Im vergangenen Juli musste das Innenministerium eingestehen, dass mehr als hundert Akten, die entsprechende Hinweise enthalten hatten, verschwunden sind – „vermutlich vernichtet, verloren oder unauffindbar”. Vermisst wird unter anderem das Dossier, das der konservative Abgeordnete Geoffrey Dickens in mehrjähriger Kleinarbeit recherchiert und 1983 dem damaligen Innenminister, seinem Parteifreund Leon Brittan, persönlich ausgehändigt hatte. Es enthielt Aussagen von Opfern – und die Namen der Täter.

bleistift Dezember 19, 2014 um 18:40

Da ist mir die Art und Weise wie man mit Edathy umgeht ehrlich gesagt erheblich lieber.
Nur so.

bleistift Dezember 19, 2014 um 20:38

Zum Glück macht dieses Jahr bald Feierabend, eigentlich reicht es längst, aber kurz bevor sich dieses Land kollektiv in die Feiertage verabschiedet, darf es noch einen langen Blick in Abgründe der Berliner Republik werfen.

Für Feinschmecker des Politbetriebs mag es hochspannend sein, welcher Verantwortungsträger wem wann was genau über die Ermittlungen gegen den ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material verraten hat. Für alle anderen jedoch bleiben keine juristischen Details hängen, es bleibt nur ein verheerender Gesamteindruck.

Politiker, ein Haufen kaputter Charaktere?

Ein Eindruck, der geeignet ist, aus ohnehin bereits politikverdrossenen Bürgern herzhafte Politikerverächter zu machen. Denn angesichts der jüngsten Berichterstattung könnte man meinen, Politiker seien, sobald man hinter ihre bürgerlichen Fassaden schaut, nichts als ein Haufen kaputter Charaktere. Im schlimmsten Fall gehen sie wie Sebastian Edathy und Michael Hartmann ihren Neigungen zu Knabenerotik oder harten Drogen nach; wird ihr Fehlverhalten ruchbar, kommen verdächtig zufällig Datenträger abhanden. Und im Normalfall seien sie einfach nur kalte Machtstrategen wie der SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann und sein Parteichef Sigmar Gabriel, die vor allem das eigene Fortkommen im Auge haben und das ihrer Partei.

Dieser Eindruck ist umso verheerender, als er in einer Situation aufkommt, in der sich Politik und Medien verstärkt dem Vorwurf ausgesetzt sehen, selbstbezogen und unglaubwürdig zu sein. Die Pegida-Demonstranten in Dresden und anderswo gehen nicht nur gegen eine eingebildete Islamisierung auf die Straße, sie marschieren auch gegen eine vermeintliche Kaste von Privilegierten an der Spitze eines vermeintlich verkommenen Systems.

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/edathy-affaere-kommentar-a-1009572.html

Morph Dezember 20, 2014 um 01:44

@fl

“Die Angst, sich mit einem Verdacht namens Kinderpornographie infizieren zu können. Der funktioniert wie ein Virus. Allerdings ist er im Gegensatz zu Ebola zu 100 % tödlich.”

Hat überhaupt schon irgendein Mensch wegen eines Verdachts, Kinderpornographie zu kaufen, sein Leben verloren? Edathy jedenfalls wirkt ganz munter. Im Gegensatz zu den vielen Ebolatoten. Ach so, Du meinst das ja nicht wörtlich. (Da kannste mal sehen, @Schwejk, dass die Metapher überhaupt nicht trifft, sondern vernebelt).

Deine Argumentation, Frank, wäre verständlich, wenn in der Tat nichts als ein grundloser Verdacht das Karriereende Edathys herbeigeführt hätte. Fakt ist aber, dass der Mann bei einem einschlägigen Händler pädosexuelle Erotika gekauft hat, für deren Herstellung die elementaren Menschenrechte von Kindern verletzt worden sind (Strafrecht hin oder her). Ich wiederhole: Das ist ein Fakt. Von Edathy selber anerkannt.

Meine These: Der unbegründete Verdacht, Kinderpornographie gekauft zu haben, würde niemandem die Karriere kosten. Wenn es anders wäre, würden ständig entsprechende Intrigen laufen. Edathy war nicht schon erledigt, als in den Kreisen der relevanten Entscheider gerüchteweise der Verdacht bekannt wurde, sondern als klar wurde, dass es sich durchaus nicht um einen haltlosen Verdacht handelte, dass an der Geschichte etwas dran war.

Insofern: Bitte die Metaphernschleuder abstellen und wieder mit Begriffen und Fakten argumentieren!

someone Dezember 20, 2014 um 09:58

Es waren Filme einer ominösen “Kategorie 2″, morph, die das BKA als geschmacklos einordnet. Keine Kipo. Die Seuchenmetapher mag übertrieben sein, aber die Bestandsaufnahme stimmt, dass man heutzutage beim geringsten Verdacht in dieser Richtung gesellschaftlich geächtet wird. Selbst solche Machwerke wie Schulmädchenreport fallen heute unter Kipo.
http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__184c.html
Die Reflexe funktionierten ja und man hat das Strafrecht um einen weiteren Wischi-Waschi-Paragraphen erweitert. Was die 70′er vielleicht zuviel an Entspanntheit hatten, hat man heute zu wenig.
Der Kupplerparagraph ist auch sehr witzig. Watt’n Glück, dass Erziehungsberechtigte ausgeschlossen sind, sonst müssten wohl ein Drittel der Eltern in den Knast.
http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__180.html

Soldat Schwejk Dezember 20, 2014 um 10:11

@ Morph

Muß Dir wohl nicht erklären, was eine Metapher ist :-)

Die Analogie zum Tod ist die vollständige und unwiderrufliche Beendigung einer politischen oder vergleichbaren “bürgerlichen” Karriere, die Exklusion aus jenen “bürgerlichen” Karrierewelten.

Nehmen wir zum Vergleich die Fälle Wiesheu und Friedmann. Deren Karrierebruch wegen immerhin schwerer Fehlleistungen war vorübergehend, und sie sind nicht aus der “bürgerlichen” Gesellschaft exkludiert worden. Auch Uli Hoeneß wird das nicht widerfahren. Aber bei Edathy nimmt niemand an, daß ihm ein wie auch immer gearteter Wiedereinstieg möglich sein wird. Ohne sein Handeln beurteilen zu wollen, kann man beobachten, daß Edathys Fehlleistung in der öffentlichen Wahrnehmung etwas eigentümlich Endgültiges anhaftet, das auch auf seine Umgebung einen Schatten wirft. Und in der Hinsicht kennzeichnet die Metapher vom tödlichen Virus etwas Wesentliches bei der ganzen Angelegenheit.

Aber da wir schon bei Metaphernkritik sind: Du erinnerst Dich an Sorokins Text zur Ukraine-Krise, dessen Metaphorik Du noch verteidigt hast? Die schien Dir also passender, ja? Na, wenn Du meinst…

wowy Dezember 20, 2014 um 10:52

@morph
Auch wenn dir rechtsstaatliche Grundsätze nicht so wichtig sind, bei dem Material, soweit die bisherige Erkenntnis, handelt es sich nicht um Kinderpornographie.
http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__184b.html
Die moralische Einordnung ist etws anderes.

Andreas Kreuz Dezember 20, 2014 um 11:28

@Morph Dezember 20, 2014 um 01:44

Meine These: Der unbegründete Verdacht, Kinderpornographie gekauft zu haben, würde niemandem die Karriere kosten.

Deine These halte ich für falsch.
Ein solches Schwert – insbesondere dieses leichte, sau-scharfe – würde ganz schnell stumpf, wenn es täglich im Einsatz wäre – und Ersatz mit dieser Wirkung ist schwer zu beschaffen.

Balken Dezember 20, 2014 um 12:17

Interessant bei der ganzen Diskussion in den Medien und auch hier ist, dass Null Thema ist, dass Edathy zum Chef des ausgerechnet NSU-Untersuchungsausschusses gemacht worden war, sowie, dass lange in Ermittlungsbehörden (angeblich nicht) bekannt war, dass gegen ihn belastendes vorlag. Ein Schelm, wer hier Zusammenhänge nicht ausschließt?

wowy Dezember 20, 2014 um 12:23

Im Edathy-Untersuchungsausschuss bleiben die entscheidenden Figuren Ziercke und Oppermann.

petervonkloss Dezember 20, 2014 um 15:14

Future Patratores

„Ist doch ganz einfach“ sagte man mir neulich „mit potenziellen Kinderf…… will niemand was zu tun haben“.

soldatenkoenig Dezember 20, 2014 um 16:55

Hab einen schönen Leserkommentar dazu gefunden:

Ein führender Politiker einer Regierungspartei bestellt Nacktfotos von kleinen Jungs und möglicherweise noch härteres Zeugs im Internet. Als ihm die Polizei auf die Schliche kommt, versucht er über einen befreundeten Abgeordneten-Kollegen, der selbst von Crystal Meth abhängig ist, Informationen darüber herauszubekommen, was gegen ihn schon vorliegt, um rechtzeitig Beweismittel verschwinden zu lassen. Der oberste Polizist des Landes, ein Kumpel des Junkies, gibt bereitwillig Informationen heraus und warnt nebenbei auch noch die Führung der Regierungspartei über den Vorgang, damit diese den Pädo nicht in die Regierung holt.

Eine Geschichte aus Zimbabwe? Nein! Politischer Alltag in Deutschland 2014…:-)

Frankie (f.k.a.B.) Dezember 20, 2014 um 17:03

@soldatenkönig

Schöne Geschichte.

Und wo ist jetzt der Skandal? Das Menschen zuweilen bizarre Neigungen haben?
Dass Menschen Drogen nehmen?
Dass Menschen Verfehlungen begehen?

Dass Menschen Regeln verletzen? Ach komm. Ein Skandal wird es erst , wenn die Regelverletzungen nicht geahndet werden. Erst wenn dies passiert ist man in Simbabwe.

Frankie (f.k.a.B.) Dezember 20, 2014 um 17:17

@bleistift

“Dieser Eindruck ist umso verheerender, als er in einer Situation aufkommt, in der sich Politik und Medien verstärkt dem Vorwurf ausgesetzt sehen, selbstbezogen und unglaubwürdig zu sein. ”

Auch hier wiederhole ich: sind Regeln verletzt worden? Wenn ja, wird diese Regelverletzung geahndet? Das ist es was mich im Bereich Fehler-Schuld-Sühne-Mora linteressiert. Menschen waren immer fehlbar, sind es und werden es immer bleiben, und sie werden immer Möglichkeiten suchen, sich der Sanktionierung bei Regelverletzung zu entziehen. Und eine Gesellschaft ist immer so gut wie sie es schafft, Regeln durchzusetzen und deren Verletzung zu sanktionieren. DAs ist doch alles Aufklärung, mein Gott, das ist politischer Rationalismus, soweit waren wir doch schon mal?!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass unsere Gesellschaft bei diesem Thema gar nicht so schlecht funktioniert. Den grössten Schatten auf dieses funktionierende Gemeinwesen allerdings ist für mich immer noch die unerträgliche Gelassenheit, mit der man Helmut Kohl seinerzeit sein trotziges Verschweigen der Spendengeldgeber durchgehen liess. DA hat unser Rechtsstaat wirkloch Schaden genommen.

QuestionMark Dezember 20, 2014 um 17:51

@Frankie (f.k.a.B.) Dezember 20, 2014 um 17:03
Stellst dich jetzt ein bißchen dümmer als du bist, oder? Natürlich wird Edathy der regulären Strafverfolgung entrinnen. Der Mann hat rechtzeitig alle Beweismittel vernichtet. Eben weil er vorgewarnt worden ist. Und ansonsten liegt nichts Belastbares vor. Zu schwierig für die Frankies dieser Welt, oder was?

gelegentlich Dezember 20, 2014 um 19:01

@QuestionMark
Stelle Dich doch ein wenig gelassener an. Keiner wird je wissen, ob der Herr rechtzeitig alle Beweismittel vernichtet hat. Für mich ist immer noch der eigentliche Skandal dabei das Verhalten der Staatsanwaltschaft.
Aber ansonsten hat @Frankie recht, denke ich.

soldatenkoenig Dezember 20, 2014 um 19:12
topi Dezember 20, 2014 um 19:36

wowi mit im Boot, soso.

Zum Thema sexuelle Ausbeutung von Kindern ist das hier noch interessant.

http://www.theguardian.com/uk-news/2014/dec/18/police-claims-vip-sex-ring-murder-three-boys

Gab und gibt es ja auch in D, mit schwersttraumitiserten Überlebenden, die selbst, wenn sie es schaffen, sich zu äußern, kein Gehör finden. Weil es einfach unglaublich ist.

gelegentlich Dezember 20, 2014 um 21:18

@topi

Was, auch hier? Hast Du einen Link zur Hand?
Nicht zu glauben weil es unglaublich ist kommt ja wohl nicht so selten vor. Weil es dann ja eh VT ist…

QuestionMark Dezember 20, 2014 um 22:48

@topi
@gelegentlich
Es ist jetzt ja nicht der erste Fall in der SPD wo gewisse Herren in diesem Zusammenhang in die Schlagzeilen geraten. Da war auch noch ein gewisser Tauss sofern ich mich nicht irre. Es hinterlässt schon einen verstörenden Eindruck wenn man bedenkt wie oft die oberen Zehntausend mit solchen Sachen in Berührung kommen (und das dann noch publik wird) obwohl zahlenmäßig doch die Wahrscheinlichkeit gering sein sollte. Übrigens gab es auch Fälle in der CDU/CSU die wenig bekannt sind und anscheinend von den MSM kaum beleuchtet werden.
http://www.welt.de/politik/deutschland/article121321988/Kinderporno-Verdacht-gegen-CDU-Politiker.html
http://www.ovb-online.de/politik/kindesmissbrauch-csu-kandidat-tritt-zurueck-3379627.html
Da kann schon der Eindruck aufkommen: Alles Perverse.
Oder: Die Bildchen/Filmchen werden für Intrigen instrumentalisiert. Who knows?

Morph Dezember 21, 2014 um 02:05

@Schwejk

“Aber da wir schon bei Metaphernkritik sind”

Da habe ich meinen Punkt wohl nicht deutlich genug gemacht. Mir geht es nicht um die Kritik metaphorischen Redens. Ohne Metapher könnte man nicht kommunizieren.

Mein Punkt ist der: Die Metapher trägt nicht, was sie tragen soll. Und weil das so ist, kann Frank die Metapher nicht konsequent durchführen. Er durchbricht die kategoriale Differenz zwischen metaphorische Bildquelle und metaphorisch perspektiviertem Gegenstand, wenn er schreibt, dass der Kinderpornoverdacht, anders als das Ebola-Virus, zu 100 % tödlich sei.

Das ist in jeder nur denkbaren Hinsicht Schwachsinn. Und zu diesem Schwachsinn kommt es notwendig und regelmäßig, wenn Metaphern herbeigewzungen werden.

Muss Dir wohl nicht erklären, was ein gezwungener Reim ist. ;-)

Andreas Kreuz Dezember 21, 2014 um 09:31

@Morph Dezember 21, 2014 um 02:05

Wie wäre es mit empirischen Untersuchungen an der eigenen Person?
Nach Deiner Auffassung doch völlig unproblematisch…

gelegentlich Dezember 21, 2014 um 10:25

@QuestionMark

„Da kann schon der Eindruck aufkommen: Alles Perverse.“
Ja, im Vorbeigehen, wenn man nicht genauer hinsieht und solch einen Eindruck mitnehmen will. Was bei Jörg Tauss wirklich war weiß offenbar Niemand. Auf jeden Fall war das eben auch eine poltische Intrige.
Aber die Art, wie Du das behalten hast, zeigt doch dass @fl mit seiner Metapher recht hatte. Mit den oberen Zehntausend hat das Alles nichts zu tun.
Was @topi dann anführt ist ein ganz anderes Kaliber.

soldatenkoenig Dezember 21, 2014 um 10:51

Die Kinder werden ja durch rot-grüne Sexualaufklärung schon frühzeitig für den Missbrauch vorbereitet.

http://www.bzga-avmedien.de/?uid=0839a27600ca61236ab4e05f3f4fcb40&id=thema.sexualaufklaerung&idx=58

Zielgruppe:
Kinder von 3 bis 7 Jahren, Kindergarten/Vorschule, Kindertagesstätten

Thema/Gegenstand:
Körpererfahrung und Sexualerziehung

gelegentlich Dezember 21, 2014 um 11:03

@soldatenkoenig

Bitte um Amtshilfe! Ich kann den Ironie-Tag nicht erkennen.

QuestionMark Dezember 21, 2014 um 11:33

@gelgentlich
topi nannte ein anderes Kaliber, richtig. Ich kann gerne auch noch mal auf den Fall Dutroux hinweisen. Wir reden nicht nur von UK.
http://www.morgenpost.de/printarchiv/politik/article391061/Dutroux-ist-nur-ein-Glied-in-der-Kette.html

Denn die 34-Jährige versichert, dass sich prominente Politiker, angesehene Polizisten und Manager in dem Netz der Pädophilen verfangen haben sollen.

[...]

Die Polizisten von Brüssel, die die Zeugin vernahmen, waren schockiert. Vor allem deshalb, weil die heute 34-Jährige Details nannte, die nicht einmal den Ermittlern bekannt waren. Sie konnte das ehemalige Fabrikgelände, das längst abgerissen ist, detailliert beschreiben. Regina Louf sagte auch aus, dass Christine van Hees mit einem Metallstift gequält worden sei. Und tatsächlich war später in der gefesselten und verbrannten Leiche des 16-jährigen Mädchens ein solcher Metallstift gefunden worden.

Und dann sollte man noch bedenken das immer nur die Spitze des Eisbergs publik wird. Deswegen der Eindruck: Alles perverse.

keiner Dezember 21, 2014 um 11:57

Nunja, vor hundert Jahren hat man die Leute halt in Schwulitäten gebracht, heute ist Kipo das Mittel der Wahl für politische Hinrichtungen. Das Erstaunliche ist doch, dass diese Mechanismen immer noch funktionieren. Egal mit welchem Trigger. Man muss nur eines der wenigen verbliebenen Tabus wählen und ab dafür. Steuern, Kinderbildchen, vielleicht noch Sprngstoff besorgen für den IS. Die Springer-Presse erledigt den Rest, gelle, Herr Wulff?

gelegentlich Dezember 21, 2014 um 12:02

@QuestionMark

Pervers? Ja. „Alles“ – ??? Eindrücke sollten manchmal besser flüchtig sein, wie ich finde.

g.w. Dezember 21, 2014 um 13:17

@keiner 11.57
sehe ich auch so. Durch Internet, email und NSA etc. kann kein Politiker mehr etwas geheim halten. Und irgendwo hat jeder Dreck am Stecken, ob Kipo, Drogen, Steuerbetrug oder private Affären. Jeder ist erpressbar. Die Medien brauchen etwas nur lang genug zu skandalisieren, und davor hat doch wahrscheinlich jeder Politiker Angst.
So erkläre ich mir die Unterwürfigkeit der Abgeordneten und Politiker und auch der Medienleute, die nur noch abnicken, was gerade auf der Agenda steht.

Zur Abschreckung muss dann regelmässig wieder irgendjemand vorgeführt werden.

bleistift Dezember 21, 2014 um 17:38

@ topi

“Zum Thema sexuelle Ausbeutung von Kindern ist das hier noch interessant.”

Hatte ich schon verlinkt.
http://www.wiesaussieht.de/2014/12/19/der-fall-edathy-und-die-seuchenmedizin/#comment-238854

Nur so.

bleistift Dezember 21, 2014 um 21:11

Da hier gerade nichts los ist und mir einfach ein wenig langweilig ist.

@ Frankie (f.k.a.B.)

Ich mag dich. Du bist mir sympathisch. Genauso wie mir der Soldat Schwejk mittlerweile fast an’s Herz gewachsen ist. Wenn ich seine politischen Ansichten nach wie vor auch gräulich abscheulich finde.
Mir ist gerade einfach ein wenig langweilig.

“Auch hier wiederhole ich: sind Regeln verletzt worden? Wenn ja, wird diese Regelverletzung geahndet? Das ist es was mich im Bereich Fehler-Schuld-Sühne-Mora linteressiert.”

In dem Beitrag den ich verlinkt habe, ging es aber um den Eindruck der entsteht.
Abgesehen davon, habe ich nur auf den Artikel von F. Luebberding geantwortet. Nicht auf irgendwelche Demokratieverächter die ständig überall Dekadenz wittern. Zu denen gehöre ich ausdrücklich nicht.
Nur, wenn wir hier nicht in Simbabwe leben. Warum muss man dann so ausführlich darüber diskutieren? Wenn die Judikative so unabhängig agieren würde, warum schreibt F.Luebberding dann so viele Artikel über Edathy?
Warum diskutiert man darüber, dass die Immunität von Ramelow aufgehoben werden soll? Ist es gut? Ist es schlecht?
Das scheint mir alles sehr politisch zu sein. Nicht sehr “objektiv”. Auch dein Hinweis auf Kohl scheint mir in dem Zusammenhang nicht wirklich objektiv. Nur als ein Fingerzeig auf das “andere politische Lager”. Auch nicht besser.
Mal im Ernst: wenn Edathy sich das Zeug geladen hat, dann ist er sicher kein Schwerverbrecher. Nur ist er als Politiker auch eine Person der Öffentlichkeit. Da kann man schon gewisse Maßstäbe anlegen. Ich erwarte von meinem Bundestagsabgeordneten einfach, dass er nicht mit herunter gelassenen Hosen in seinem Bundestagsbüro sitzt und sich die Palme wedelt. Während er sich Bilder von leichtbekleideten Knaben anschaut. Wir sind hier nicht im alten Griechenland.
In meiner Firma mache ich das auch nicht.
Ich will hier nicht den Moralapostel spielen. Die Kinder haben jedenfalls genug zu leiden.
Es geht nur, wie du (oder Sie?) so schön schreibst um Objektivität. Und das nervt mich hier ein wenig. Ist das was F.Luebberding schreibt wirklich objektiv? Oder ist es parteiisch?
Da darf ich mal das hier verlinken:
http://www.wiesaussieht.de/2014/11/23/ein-spiegel-in-der-tradition-rudolf-augsteins/

Dort gibt es einerseits dieses Altpapier von F.Luebberding. Da werden (für meine Begriffe) schon ordentlich üble Vergleiche nahe gelegt (ausdrücklich nicht gezogen). Zum anderen wird hingewiesen auf die Printausgabe des Spiegel.
Den Spiegel habe ich mir dann gekauft. Dort konnte man lesen, dass Edathy nachweislich eindeutig kinderpornographische Seiten in Russland besucht hat.
Diese Printausgabe des Spiegel habe ich nun leider schon in meinem privaten Altpapier entsorgt. Deshalb kann ich daraus nicht mehr zitieren. Ob es online abrufbar ist weiß ich gerade nicht.
Jedenfalls gehe ich davon aus, dass auch F.Luebberding die Printausgabe des Spiegel gelesen hat und deshalb weiß, dass Edathy wohl auch eindeutig illegale Seiten besucht hat. Wohlgemerkt von seinem Bundestagscomputer aus. Sein privates Schlepptop ist ja leider weg.
Eben diesen Edathy nun als “Opfer” zu bezeichnen finde ich mindestens parteiisch. “Insofern kann man ihn durchaus als Opfer betrachten.”
Armes Opfer.
Das was hier journalistisch abläuft kann man meiner bescheidenen Meinung nach schon mit Simbabwe vergleichen. Oder so.
@ Frankie
Mir geht es ebenfalls nur um Objektivität. Nur gibt es die? Kann es die geben?
Ich persönlich habe nicht den Eindruck, dass es bei der Verteidigung von Edathy um Objektivität geht.
Trotzdem bedanke ich mich natürlich sehr dafür, dass F.Luebberding (der sicherlich eine sehr integre Person ist) hier eine kontroverse Debatte zulässt.

ruby Dezember 21, 2014 um 21:28

nichts los, langweilig ?
seid bereit aufzustehen, Menschenschänder weltweit zu entmachten;
ist bestes leben
;-)

someone Dezember 21, 2014 um 22:15
Frankie (f.k.a.B.) Dezember 22, 2014 um 08:53

@Bleistift

“Auch dein Hinweis auf Kohl scheint mir in dem Zusammenhang nicht wirklich objektiv.”

Das war auch nicht objektiv gemeint, sondern für mich ( subjektiv ) die stärkste nicht geahndete Regelverletzung der letzten 30 Jahre. Weil sie von mächtigster Position aus betrieben wurde. Jeder Mensch ist fehlbar. Aber dass diese Regelverletzung nicht geahndet wurde, ist immer noch ein Skandal.

“…wenn Edathy sich das Zeug geladen hat, dann ist er sicher kein Schwerverbrecher. Nur ist er als Politiker auch eine Person der Öffentlichkeit. Da kann man schon gewisse Maßstäbe anlegen. Ich erwarte von meinem Bundestagsabgeordneten einfach, dass er nicht mit herunter gelassenen Hosen in seinem Bundestagsbüro sitzt und sich die Palme wedelt.”

Nun, Massstäbe wurden angelegt – und deshalb ist Edathy ja kein Bundestagsabgeordneter mehr. “Checks and balances” hat funktioniert, was will man mehr?

Frankie (f.k.a.B.) Dezember 22, 2014 um 08:56

@Bleistift

Und, was scheinbar schon vergessen ist: Friedrich ist nicht mehr Innenminister – auch er hatte Regeln verletzt ( Amtsgeheimnis ). “Checks and balances” hat auch hier funktioniert.

gelegentlich Dezember 22, 2014 um 10:18

@Frankie

„“Checks and balances” hat auch hier funktioniert.“

Nein, nicht ganz. Der verantwortliche Staatssekretär, der Intimfeind von Edathy im Untersuchungsausschuss, wurde nicht geschaßt. Denn den zu entfernen hätte sicher weh getan. Für Friedrich was Passendes zu finden ist vermutlich nicht die Welt.
Und die skandalöse Staatsanwaltschaft hat auch noch nicht ihr Fett weg.

Frankie (f.k.a.B.) Dezember 22, 2014 um 10:32

@gelegentlich

“Denn den zu entfernen hätte sicher weh getan. Für Friedrich was Passendes zu finden ist vermutlich nicht die Welt.”

Sei mir nicht bös, aber hier liegst Du krass daneben. Ein Ministerrücktritt ist der Gau für die Regierung, immer. Hier hat idealtypisch das zugeschlagen, dass der Vorgesetzte die Verantwortung für seinen Stall übernehmen muss. So soll es sein. Irgendein Staatssekretär , den kennt doch keiner, Friedrich aber jeder.

gelegentlich Dezember 22, 2014 um 10:52

@Frankie

Einigen wir uns: dann eben Beide? – Klar, der ist immer schön im Hintergrund. Wenn er gehen muss tut es aber viel mehr weh, zumal so Einer vermutlich viel Kompromat im Keller hat, das erst besänftigt sein will in diesem Fall. So ein Staatssekretär gehört sicherlich zur Stalldirektion, nicht zum normalen Personal. Dass ihn keiner kennt ließe sich ändern.

Morph Dezember 22, 2014 um 11:01

@bleistift

“Eben diesen Edathy nun als “Opfer” zu bezeichnen finde ich mindestens parteiisch.”

Ach was, parteiisch. Das ist vollbekloppt. Je länger Franks Artikel und sein Ebola-Vergleich mir im Kopf herumgeht, desto unsäglicher, lächerlicher und verhauener finde ich ihn. Sorry, Frank, Du weißt, dass ich Deine Artikel oft großartig finde. Aber diese Konstruktion einer mit Ebola vergleichbaren Gefahr, die vom Verdacht ausgehen soll, jemand sei Kunde von Dealern aus dem Milieu der organisierten Kinderpornokriminalität, ist nach der real beobachtbaren Lage der Dinge vollkommen an den Haaren herbeigezogen.

Noch am ehesten passt Deine Argumentation zu den Fällen, die unter dem Schlagwort “Missbrauch mit dem Missbrauch” bekannt geworden sind; Fälle, in denen aufgrund von induzierten Erinnerungen Zeugenaussagen zu Stande kamen, die einen direkten Kindesmissbrauch zu belegen schienen. Aber das ist ein vollkommen anderes Thema und hat mit dem Fall Edathy gar nichts zu tun.

Am meisten ärgert mich, dass mit dem Ebola-Vergleich folgendes Handlungsmotiv aufgerufen, aber nicht ausgesprochen wird: So wie die Ebola-Seuche sollte man auch die (sogar noch gefährlichere) Kinderpornographieverdachtsseuche bekämpfen. Verantwortlich handelt der, der einen Kinderpornographieverdacht (das Virus) nicht weiterträgt, ihn auf sich beruhen lässt.

In Klartextform betrachtet, ist dieses Handlungsmotiv unvermittelbar. Nur in der vernebelnden Gestalt der Metapher lässt es sich kommunizieren.

Auf Lübberdingisch gesagt: Die von dem Artikel konstruierte Metapher konstituiert ein Kinderpornographieverdachtsverharmlosungsvirus, das vielleicht nicht ganz so tödlich wie Ebola aber dennoch hirnerweichend genug ist, um es ratsam erscheinen zu lassen, seinen Übertragungsweg mit dem Impfstoff des kritischen Begriffs zu pflastern.

Frohe Festtage allerseits!

Hardy Dezember 22, 2014 um 11:23

Prandtl hatte vor Jahren einen sehr guten Artikel veröffentlich mit dem Tenor “Sowas tut man nicht”. Darin ging es darum, dass man – speziell die Politik(er) – nicht alles tun sollte was man tun darf und auch tun könnte. So verhält es sich auch hier. Edathy musste(!) wissen, dass das rauskommt und er musste(!) wissen dass er dann dran ist. Und genauso wie bei Wulff und seinen Schmutzeleien ist das was passiert ist, die einzig denkbare Konsequenz. Ob strafrechtlich relevant oder nicht. Homer Simpson mag seinem Sohn beibringen, wie man sich aus Problemen rauswieselt; eine allgemeine Regel sollte man daraus nicht machen. Und das werfe ich Edathy vor: Dass Kipo eine Keule ist, musste er wissen – manchmal wird im Leben auch einfach nur Dummheit bestraft.

Morph Dezember 22, 2014 um 12:22

@Hardy

“Dass Kipo eine Keule ist, musste er wissen”

Was soll der Satz, dass Kinderpornographie eine ‘Keule’ sei, besagen?

Nach meinem Verständnis besagt die Metapher ‘Keule’ folgendes: primitive Waffe im persönlichen Konflikt mit möglicherweise verheerender Wirkung.

Ist das auch Dein Verständnis, wenn Du das Wort ‘Keule’ verwendest?

Wenn ja, könntest Du mir anhand von Beispielen zeigen, in wiefern der Tatbestand der Kinderpornographie in persönlichen Konflikt als primitive Waffe mit verheerenden Wirkungen eingesetzt wird? Ich bin nicht besonders anspruchsvoll: fünf Beispiele aus den letzten 10 Jahren würden mir (trotz aller stochastisch-statistischen Gegengründe) reichen, um die Metapher für angemessen zu halten.

Wenn nein, was, zum Henker, meinst Du mit dieser Metapher?

Morph Dezember 22, 2014 um 12:28

Um aus meinem Herzen keine Mördergrube zu machen:

Ich glaube, wer einen sozial geächteten Tatbestand als ‘Keule’ bezeichnet, der bringt damit zum Ausdruck, dass er den Grad der gesellschaftlichen Ächtung für übertrieben hält.

Ich persönlich halte die sexualmoralische Gleichstellung aller mündig-einvernehmlichen Formen der Sexualität und die Ächtung aller unmündig-zwanghaften Formen der Sexualität für eine ziemlich elementare zivilisatorische Errungenschaft. Und daher finde ich, im Zusammenhang mit Kinderpornographie/Kindesmissbrauch von ‘Keule’ zu reden, sexualmoralisch reaktionär.

Hardy Dezember 22, 2014 um 12:37

@Morph

Dann formuliere ich es um: “Dass auch angebliche Kipo eine Keule ist, musste er wissen…”

Genau das war doch die Intention: Bei solchen Vergehen trennt die Öffentlichkeit nicht mehr scharf, ob das gerade noch erlaubt oder gerade schon verboten war und haut mit einem, ja, primitiven Instrument drauf. Also bleibt man *komplett* weg von sowas. Das musste er wissen. Daher ist sein Fall(en) so vorhersehbar wie richtig: In der Not wird die Dummheit bestraft, nicht der Besitz der Fotos.

Morph Dezember 22, 2014 um 17:32

@Hardy

“Bei solchen Vergehen trennt die Öffentlichkeit nicht mehr scharf, ob das gerade noch erlaubt oder gerade schon verboten war und haut mit einem, ja, primitiven Instrument drauf.”

Wie gesagt, da hätte ich gern ein paar Beispiele. Mir scheint diese ‘Diagnose’ weniger auf Fakten als auf Mutmaßungen zu beruhen.

Und die Rechtsfrage betrifft eher technische Gesichtspunkte der Anwendung und Durchsetzung, nicht aber den Grundsatz, dass Käufer von erotisch intendierten Nacktphotos gegen die Menschrechte der Abgebildeten verstoßen, wenn die Abgebildeten dem Handel mit diese Fotos nicht zugestimmt haben bzw. nicht zustimmen können.

someoen Dezember 22, 2014 um 17:49

Wenn der gerechte Zorn erst einmal entbrannt ist, kennt auch ein morph kein Halten mehr.
http://archive.org/details/PhantasmagoriaTheater-MFritzLang1931574/
Da muss man das Winkeladv0katentum und andere technische Gesichtspunkte schon beseite lassen. Es geht hier immerhin um eine Hexenjagd, die zur geistlichen Hygiene beiträgt.
Find Maddie!

Morph Dezember 22, 2014 um 21:54

@someone

“Wenn der gerechte Zorn erst einmal entbrannt ist,”

richtig, da bist Du ja Experte,

“kennt auch ein morph kein Halten mehr”

könntest Du das ein klein bisschen zu substanziieren versuchen? Weil, dann würdest Du auf die Dich verblüffende Tatsache stoßen, dass ich hier den kontrollierten Diskurs statt das haltlose Metaphorisieren empfehle.

oben schriebst Du: “die Bestandsaufnahme stimmt, dass man heutzutage beim geringsten Verdacht in dieser Richtung gesellschaftlich geächtet wird.”

Wie gesagt, ich bitte um Beispiele. Was Ihr Edathy-Versteher hier hineinkommentiert ist so eine gefühlte Maßlosigkeit des Konderpornographieverdachts. Solange die Rede nicht auf eine nachvollziehbare Sachbasis gestellt wird, kann ich das nur als Ausdruck einer reaktionären Sexualmoral lesen. Klar, das Prinzip sexueller Selbstbestimmung (mit Minderjährigenschutz, Ächtung der Praxis des Grabschens, der Idee ehelicher Pflichten usw.) geht dem heteronormativen Mann ziemlich auf den Sack… da wünscht man sich die seligen 1970er Jahre zurück, in denen mann noch ziemlich unbehelligt seinen inneren Patriarchen auf die freie Wildbahn jagen schicken zu dürfen glaubte. Hey, das war Emanzipation! ;-)

bleistift Dezember 23, 2014 um 01:33

@ Frankie (formerly known as Bernanke)

“Nun, Massstäbe wurden angelegt – und deshalb ist Edathy ja kein Bundestagsabgeordneter mehr. “Checks and balances” hat funktioniert, was will man mehr?”

Mir ging es um den Artikel von F.Luebberding. Den habe ich zu kritisieren versucht. Nicht die tatsächlichen Vorgänge. Eben diese Vorgänge wurden ja von F.Luebberding kritisiert. Edathy als Opfer. “Checks and balances” haben sozusagen falsch funktioniert. Edathy wurde zu einem armen Opfer.
Soweit ich es verstehe, weil man sich auf Statistik bezogen hat. Statistisch haben die allermeisten Menschen die “Posing-Bilder” auf ihrem PC haben auch KiPo auf ihrem PC. Deshalb wurde ermittelt gegen Edathy. Soweit ich es begreife, hat F.Luebberding eben dies kritisiert. Wie die Print Ausgabe des Spiegel aber berichtet, hat Edathy von seinem Bundestags-PC aus tatsächlich KiPo Seiten aufgerufen. Die Statistik hatte also Recht.
Wenn in einer Gegend öfters Einbrüche stattfinden. Ist es dann illegal wenn die Polizei da mal verstärkt vorbei fährt? Weil die Statistik einen weiteren Einbruch nahelegt?
Auch die Polizei muss sich doch nicht mit aller Gewalt dümmer stellen als sie eigentlich ist. Die Wirkung auf die “normale” Bevölkerung ist selbstverständlich nicht sonderlich positiv. Sie wäre noch weit verheerender wenn man so vorgehen würde wie F.Luebberding es in seinen Artikeln zu Edathy nahelegt. Die Suche nach “childporn” muss man dann einfach als eine Suchanfrage eines objektiv interessierten Zeitgenossen bewerten der sich mal ein unabhängiges Bild machen will.

@ Hardy

“Daher ist sein Fall(en) so vorhersehbar wie richtig: In der Not wird die Dummheit bestraft, nicht der Besitz der Fotos.”

Das ist der dümmste Satz den ich seit langer Zeit gelesen habe. Und das will in diesem Forum schon was heißen.
Was dieser Satz nahelegt. Welche Assoziationen er weckt. Da schweige ich mich mal aus.

“Da muss man das Winkeladv0katentum und andere technische Gesichtspunkte schon beseite lassen. Es geht hier immerhin um eine Hexenjagd, die zur geistlichen Hygiene beiträgt.”

Oh yeah! What the fuck…!
Vor ein paar Jahren saß ich in der Kirche. Das war die Zeit als es um sexuellen Missbrauch durch Kleriker ging. Unser Pfarrer hielt eine seiner Wahnsinnspredigten. Ist ein österreichischer Pater. Stockkonservativ. Der wettert gerne mal gegen 68er und Linke.
Sexueller Missbrauch: das sei keine Erfindung der Medien. Er selbst habe das mal in seinem Kloster erlebt.
Da gab es einen Mitbruder der sich an kleinen Jungs vergangen habe. Das wurde dann thematisiert. Es ging um die Frage: bei der Polizei anzeigen oder lieber versetzen? Die Mehrheit hat sich für das Versetzen und gegen die Anzeige entschieden. So auch unser Pfarrer. Wie er freimütig einräumte. Ein Jahr später habe sich der Mitbruder dann wieder an Kindern vergangen.
Sein Abstimmungsverhalten begründete unser Pfarrer mit der damals angeblich vorherrschenden Meinung. Man wusste einfach nicht, dass Kindesmissbrauch schlimm sei.
Eine Aussage die ich insofern sehr interessant fand, als unser Pfarrer ansonsten keinerlei Probleme damit hat in seinen Predigten die 68er sehr schlimm und sehr verdorben und verwerflich zu finden. Zumindest das hat er damals also schon gewusst.
Immerhin hatte er aber den Mut das in einer öffentlichen Predigt auszuplaudern. Da gehört natürlich schon was dazu. Respekt.
Jedenfalls habe ich anschließend (und im Laufe der nächsten Tage und Wochen) mit Menschen über diese Predigt geredet. Und siehe da, ich war anscheinend der einzige Zuhörer dieser Predigt. Ich bin nicht einem einzigen Menschen begegnet der diese Predigt gehört haben wollte. Sofort wurde das Thema gewechselt.
Vor ein oder zwei Jahren hat dann ein anderer Pfarrer hier in der Gegend seine Lebensgefährtin (und sein Kind) geheiratet. Sogar die Bild Zeitung hat auf ihrer Titelseite darüber berichtet.
Was soll ich sagen? Die Empörung der Menschen war riesig. Ich bin geschiedenen (!) Personen begegnet die erklärten dem Pfarrer nicht mehr die Hand geben zu können. Er sei zu verlogen.
Wo findet da die “Hexenjagd” statt?
Warum benehmen sich Sozialdemokraten plötzlich wie katholische Kleriker? Warum wird da plötzlich verharmlost? Und die Schuld bei anderen gesucht?
Der blöden Polizei die aufgrund von Statistiken ermittelt. Statistiken die sich hinterher tatsächlich als wahr erweisen.
Insofern finde ich das Geschreibe von F.Luebberding hier nicht “vollbekloppt” sondern eben tatsächlich als zumindestens parteiisch.
Aber warum soll es der SPD anders gehen als der kath. Kirche oder der Odenwaldschule?

bleistift Dezember 23, 2014 um 02:15

Die Ermittler werfen ihm vor, im November 2013 an sechs Tagen entsprechende Dateien auf seinen Bundestags-Laptop herunter geladen zu haben. Lässt das Landgericht Verden (Niedersachsen) die Anklage zu und wird der 44-Jährige für schuldig befunden, drohen ihm bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe – und vorher ein peinliches Verfahren.

Die Anklage im Detail ist ein überraschender Abschluss der Ermittlungen, die die Staatsanwaltschaft im Februar offiziell aufgenommen hatte. Sie stützt sich auf neue Vorwürfe, nicht auf den ursprünglichen Verdacht. Edathy war eigentlich ins Visier der Justiz geraten, weil sein Name auf der Kundenliste einer kanadischen Firma stand, die auch Kinderpornos verkauft hat. Mindestens 31 Videos und Fotosets mit Bildern nackter Kinder hat Edathy zwischen 2005 und 2010 nach Angaben der Staatsanwaltschaft dort gekauft. Edathy bestreitet aber, dass das Material strafbar ist, er machte den Ermittlern in den vergangenen Monaten schlimme Vorwürfe und versicherte öffentlich, er sei nicht pädophil. Doch die Fahnder ahnten: Wer sich solche Bilder „im Grenzbereich zur Kinderpornografie“ beschafft, besitzt oft noch anderes, härteres Material. Die Staatsanwaltschaft fühlt sich jetzt in ihrer Entscheidung, umfangreich zu ermitteln, bestätigt. Die Wohnungsdurchsuchung blieb zwar ergebnislos, doch bei der Untersuchung der Sicherungskopie eines verschwundenen Bundestags-Computers von Edathy wurde man fündig: Mit den gespeicherten Verbindungsdaten konnten die Ermittler Aufrufe von eindeutig strafbaren Kinderporno-Seiten im Internet belegen.

Edathy soll an sechs Tagen Anfang November 2013 Bild- und Videodateien heruntergeladen haben; die Fahnder vermuten noch weit mehr solcher Aktionen, doch lassen sich ältere Verbindungen nicht mehr rekonstruieren. Den Laptop hatte Edathy später als gestohlen gemeldet, ob das stimmt oder nur vorgetäuscht war, blieb für die Ermittler ungeklärt. Sie fanden bei Edathy aber auch noch einen Bildband und eine CD, deren Inhalt als jugendpornografisch bewertet wird.

http://www.derwesten.de/politik/ermittlungen-mit-ueberraschendem-abschluss-aimp-id9607992.html

Edathy soll laut Anklage Kinderpornos von russischen Internetseiten heruntergeladen haben

Hardy Dezember 23, 2014 um 09:29

@Morph

Grundsätzlich: Ich werde hier kein Fass zu KiPo öffnen. Daher nur kurz ein paar Links von einem Fachanwalt, der auch in entsprechenden Verfahren verteidigt:

https://www.lawblog.de/index.php/archives/2014/07/17/anklage-gegen-sebastian-edathy/

https://www.lawblog.de/index.php/archives/2014/11/18/edathy-steht-nicht-mit-dem-ruecken-zur-wand/

https://www.lawblog.de/index.php/archives/2014/02/19/keine-beweise-sind-keine-beweise/

https://www.lawblog.de/index.php/archives/2014/02/17/fuenf-saetze-haetten-genuegt/

Dessen Meinung ist offensichtlich eindeutig: nicht strafbar. Und das primitive Instrument heißt z.B. bild (mit Absicht kleingeschrieben).

Ich äußere mich hiermit nur zur Rechtsfrage, nicht zur Moralfrage.

Hardy Dezember 23, 2014 um 09:31

@bleistift

“Das ist der dümmste Satz den ich seit langer Zeit gelesen habe. Und das will in diesem Forum schon was heißen.”

och ja, weißt Du: Dumm, das sind immer die anderen.

Morph Dezember 23, 2014 um 14:02

@Hardy

Danke für die Links. Die Frage des Bildes ist tatsächlich zentral. Ich bin da Realist, d.h. ich bin davon überzeugt, dass es einen Unterschied zwischen ‘Einbildern’ (Phantasiegebilden) und ‘Abbildern’ gibt (bildlichen Spuren des real Sichtbaren). Und ich halte es für ein Menschenrecht, über das eigene Abbild verfügen zu dürfen. Im Rechtsjargon wird das als “Recht am eigenen Bild” geführt. Wer die Abbilder von Menschen als sexuelles Erregungsmittel gebraucht, geht – bildlich vermittelt – eine sexuelle Beziehung mit der abgebildeten Person ein. Und das setzt – im Sinne des Rechts auf sexuelle Selbstbestimmung – das Einverständnis der abgebildeten Person voraus.

Zwar ist das auch eine Moralfrage, aber nicht nur. Das gesetzlich verbriefte Recht auf sexuelle Selbstbestimmung schließt m.E. das Recht darauf ein, über den sexuellen Gebrauch des eigenen Abbildes verfügen zu dürfen.

Wie gesagt, damit sind komplizierte Anwendungs- und Durchsetzungsprobleme verbunden. Aber hier geht es ja darum, ob Edathy ein beklagenswertes Opfer oder ein nicht zu tolerierender Täter ist. Und mir scheint da der Fall vollkommen klar zu sein.

Hardy Dezember 23, 2014 um 14:48

@Morph

Rechtlich gesehen scheint(!) die Sache klar zu sein – da mag man anderer Meinung sein, das kann auch ein Richter am LG anders sehen als der LawBlog, wie dem auch sei: Irgendwann wird es ein rechtskräftiges Urteil (oder einen Freispruch) geben.

Zur moralischen Ebene äußere ich mich nicht, wie bereits gesagt. Diese Diskussion möchte ich mir ersparen, so kurz vor Weihnachten.

Gesellschaftlich muss man sich fragen, ob Posing-Fotos (und nur die!) jemanden von einer echten Tat abhalten. Dann gilt es abzuwägen.

Zum Politischen habe ich mich auch geäußert, den Kommentar dazu des Foristen Bleistift kannst Du ja lesen. Ich bleibe dabei: Edathy hätte wissen müssen, dass passieren würde was jetzt passiert und die Finger davon weglassen sollen. Das tat er nicht, diese Dumheit wurde bestraft. In der Politik kann nicht nur das Recht ausschlaggebend sein, sondern auch moralische Gründe. Dies galt auch für Wulff; daran sind beide gescheitert.

Zuguterletzt: ” Aber hier geht es ja darum, ob Edathy ein beklagenswertes Opfer oder ein nicht zu tolerierender Täter ist.”

Er ist beides.

bleistift Dezember 23, 2014 um 23:22

@ Hardy

“och ja, weißt Du: Dumm, das sind immer die anderen.”

Ist ja gut. Ich bin harmlos. Ich will nur spielen.
Aber Du hast Recht. Mit der eigenen Intelligenz ist wirklich jeder zufrieden.

bleistift Dezember 24, 2014 um 01:37

@ Hardy

Ich habe mir jetzt mal die Mühe gemacht mir die vier Links durchzulesen die du gesetzt hast.
Sie reichen von Februar 2014 bis November 2014.
Da sich innerhalb dieses Zeitraums etliche Dinge geändert haben dürften ist letztendlich nur der Beitrag von November 2014 wirklich relevant.
Und dort heißt es:
“Den eigentlichen Besitz kinderpornografischer Dateien kann man Edathy anscheinend nicht nachweisen. Danach wurden auf seinem Dienst-Laptop lediglich Hinweise dafür gesichert, dass Edathy Links mit möglicherweise kinderpornografischem Inhalt geklickt hat. Deshalb wird ihm auch nicht der Besitz selbst zur Last gelegt, sondern, dass er es unternommen hat, sich diesen Besitz zu verschaffen (§ 184b Abs. 4 S. 1 StGB). Der Besitz wie der – juristisch sehr merkwürdig gestaltete – “Versuch des Verschaffens” werden allerdings gleich bestraft.

[.....]

Konkret bei Edathy gefunden wurden laut dem Gericht lediglich ein Bildband und eine CD, welche die Ermittler als jugendpornografisch einstufen. Jugendpornografie umfasst Darstellungen von Personen zwischen 14 und 18 Jahren. Die Höchststrafe für den Besitz ist nicht sonderlich hoch; sie beträgt maximal ein Jahr Gefängnis. Bei jemandem, der wie Edathy nicht vorbestraft ist, wird man bei einem Bildband und einer CD also selbst dann nicht weit kommen, wenn es sich tatsächlich um Jugendpornografie handelt. Gerade bei der Bewertung, was noch erotische Aufnahmen und was Pornografie ist, gibt es auch einen großen Spielraum, insbesondere bei den nun berühmt-berüchtigten Posingbildern.”

Du schreibst nun: “Dessen Meinung ist offensichtlich eindeutig: nicht strafbar.”

Für mich persönlich gibt es einen Unterschied zwischen “einem Jahr Haft” und “nicht strafbar”.

Liest Du dir eigentlich durch was du da verlinkst?

bleistift Dezember 24, 2014 um 02:10

@ Hardy

Was ich gerade versäumt habe: eigentlich wollte ich noch folgende Textstelle fett drucken.

“Den eigentlichen Besitz kinderpornografischer Dateien kann man Edathy anscheinend nicht nachweisen. Danach wurden auf seinem Dienst-Laptop lediglich Hinweise dafür gesichert, dass Edathy Links mit möglicherweise kinderpornografischem Inhalt geklickt hat. Deshalb wird ihm auch nicht der Besitz selbst zur Last gelegt, sondern, dass er es unternommen hat, sich diesen Besitz zu verschaffen (§ 184b Abs. 4 S. 1 StGB). Der Besitz wie der – juristisch sehr merkwürdig gestaltete – “Versuch des Verschaffens” werden allerdings gleich bestraft.

Hoffe, es klappt diesmal.

“Gesellschaftlich muss man sich fragen, ob Posing-Fotos (und nur die!) jemanden von einer echten Tat abhalten. Dann gilt es abzuwägen.”

Ja. Ich schalte jetzt einfach mal einen Gang runter.
Ich interpretiere jetzt mal. Ich will dich nicht unnötig aufregen. Über Weihnachten. (“Diese Diskussion möchte ich mir ersparen, so kurz vor Weihnachten.”)
Du behauptest also, dass man Posing Bilder tolerieren muss, weil sie potentielle Täter von Taten abhalten könnten? Zumindestens müsse man sich das fragen.
Vor ein paar Monaten habe ich dazu auch einen wunderschönen Vorschlag einer (islamistischen) Feministin aus Kuwait gelesen. Die schlug vor (ernsthaft) nichtmuslimische Frauen zu versklaven. Auf diese Weise wäre es dem strengreligiösen Mann möglich sich sowohl sexuell ungehemmt auszuleben als auch sich an das islamische Recht zu halten.
In etwa das Gleiche forderst du doch hier auch. Wenn ich (unwürdige Person die ich bin) dich richtig interpretiere.
Buben und Mädchen aus Osteuropa ziehen sich nackig aus und posen vor der Kamera. Natürlich gerade so, dass es in Westeuropa nicht strafbar ist.
Das hält dann fette, dicke Lustmolche in Dtl. davon ab sich tatsächlich an DOITSCHEN Kindern zu vergehen. Denn deutsche Kinder sind selbstredend absolut tabu.
Ich habe das jetzt einfach mal interpretiert.
Du weißt ja: mit der eigenen Intelligenz ist wirklich jeder zufrieden.
Und bestimmt bin ich nur ein dummer Bauerntölpel der zu blöd ist dich Genie zu verstehen.
Frohe Weihnachten.

Keynesianer Dezember 24, 2014 um 07:24

@bleistift

Vermutlich surfst Du nie im Internet.

Als ich mir mal eine Webcam kaufen wollte, um eventuell Lehrvideos über Makroökonomie zu produzieren, habe ich nach Testberichten gesucht.

Also habe ich gleich bei Youtube “webcam” eingegeben. Weil ich mir dachte, dass die Testberichte auch gleich die Bild- und Tonqualität zeigen. Was ich dann zu sehen bekam, hat selbst mich überrascht.

Mach das mal! :)

petervonkloss Dezember 24, 2014 um 08:29

„Um das Jahr 1900 gab es längst fast alles, was ich benötige. Aber die Dinge, die ich nicht brauche, werden täglich mehr“

Was sagt ein Keynesianer dazu?

Keynesianer Dezember 24, 2014 um 08:36

@petervonkloss

Das ist wohl das Alter. :)

Da zweifelt selbst ein Keynesianer an der nachfrageorientierten Politik, wenn er am Tag vor Weihnachten durch die ganze Stadt bummelt, um den Stand der Konjunktur zu prüfen, und nichts mehr sieht, was er selber auch nur geschenkt haben möchte.

petervonkloss Dezember 24, 2014 um 09:14

@ Keynesianer

Ich empfehle CELSUS „GEGEN DIE CHRISTEN“

(Matthes & Seitz.)

wowy Dezember 24, 2014 um 09:32

Hier kann man sehr schön nachlesen, wie man mit absoluter Ahnungslosigkeit Nichtsgenauesweißmannicht beurteilt.

petervonkloss Dezember 24, 2014 um 09:40

“Ein Gott erscheint, und andre müssen weichen.
Statt Wahrheit Irrtum nur mit neuen Zeichen.
Wir stehen jetzt in anderer Ewigkeit,
und gleichwohl: besser war die alte Zeit.
Blind pflügt die Wissenschaft die Erde um.
Ihm Wahn erträumt der Glaube seinen Kult.
Ein neuer Gott ist nur ein Wort. Darum glaub
nicht und such nicht: Alles ist okkult.”

Fernando Pessoa

Keynesianer Dezember 24, 2014 um 10:01

@petervonkloss Dezember 24, 2014 um 09:14

Ich empfehle CELSUS „GEGEN DIE CHRISTEN“

Danke sehr, nach einer passenden Lektüre zur Weihenacht habe ich gerade noch gesucht. ;)

topi Dezember 24, 2014 um 22:07

“Wer die Abbilder von Menschen als sexuelles Erregungsmittel gebraucht, geht – bildlich vermittelt – eine sexuelle Beziehung mit der abgebildeten Person ein. Und das setzt – im Sinne des Rechts auf sexuelle Selbstbestimmung – das Einverständnis der abgebildeten Person voraus.

Zwar ist das auch eine Moralfrage, aber nicht nur. Das gesetzlich verbriefte Recht auf sexuelle Selbstbestimmung schließt m.E. das Recht darauf ein, über den sexuellen Gebrauch des eigenen Abbildes verfügen zu dürfen.”

Oha.
Na hoffentlich hast du alle Unterwäschemodels, auf denen du dir in deiner Sturm- und Drangzeit einen runter geholt hast, vorher um Einverständnis gefragt.

Morph Dezember 26, 2014 um 15:39

@topi

Hab mir schon gedacht, dass es nicht reichen würde, von Anwendungs- und Durchsetzungsproblemen zu scheiben, die mit den Prinzipien des Rechts am eigenen Bild und des Rechts auf sexuelle Selbstbestimmung verbunden sind.

Und so im Stillen hatte ich eine Wette abgeschlossen, wer wohl den erwartbaren Deppenkommentar posten wird. Tja: verloren! – Dass Du das sein würdest, @topi, habe ich nicht erwartet. Du bist doch eigentlich ein Schlauer!

Also, für Dich, ergänzend:

Wenn eine Person der Veröffentlichung ihres Abbildes zustimmt (oder als Person der Zeitgeschichte zustimmen muss), stimmt sie damit eo ipso dem uneingeschränkten privaten Gebrauch dieses Abbildes zu. Das liegt im Begriff der Veröffentlichung.

Das liberale Rechtsverständnis gesteht Personen das Recht zu, Bilder von sich zu veröffentlichen, welche die eigene persönliche Würde zur Disposition stellen. Aus leicht nachvollziehbaren Jugendschutzgründen wird dieses Recht Minderjährigen nicht eingeräumt.

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