Geld aus dem Nichts? Ja – aber nicht so!

by Weissgarnix on 10. Januar 2018

Dieser Artikel der heutigen online FAZ verheisst im Titel Spannung, endet dann aber doch nur mit einem müden Gähnen. Denn, wie ich in meiner kurzen aber lehrreichen Zeit auf Twitter feststellen konnte, in der Tat laufen aktuelle einige interessante proto-akademische, neben den üblichen pseudowissenschaftlichen Diskussionen, darüber, was Zentralbank Geld sei, ob es tatsächlich “ex nihilo” geschaffen würde und woraus letztlich die Zentralbanken ihren Gewinn lukrieren. Der auch hier bekannte Stefan Ewald vertritt zum Beispiel seit langem die (wiederaufgewärmte) Ansicht von Abba Lerner, dass Geld für den Staat keine Schuld sei, auch keine Deckung habe, sondern durch den Souverän in beliebiger Höhe geschaffen und für Staatsausgaben benutzt werden könne, solange über ein rigoroses Steuersystem sichergestellt wird, dass überschüssige Kaufkraft vor Entzünden des Inflationsfeuers wieder dem privaten Sektor entzogen wird. Wieder andere, aus dem Umfeld der Twitter-Kritiker Ewalds, meinen aber nun, Zentralbank Geld sei noch nicht einmal an sich eine “Schuld”, sondern viel eher einer Art Lizenzgeschäft, ähnlich dem der großen Kreditkartenfirmen. Entsprechend wirke da auch ein Netzwerkeffekt, insoferne, als die Akzeptanz des Geldes mit der Verbreitung wächst und die Verbreitung mit der Akzeptanz. Schlussendlich, so einer der Kritiker, ein ehemaliger Banker aus der Londoner City, sei es ein Witz, dass Zentralbanken Geld auf der Passivseite unter “Schulden” ausweisen; viel eher sollte es als Aktivposten gezeigt werden oder besser noch: die “Lizenz zum Gelddrucken” als Aktivum mit einem (riesigen) immateriellen Wert ausgewiesen werden.

Finde ich cool. So schafft man tatsächlich “Reichtum aus dem Nichts”, Freunde. Ungelogen!

Hingegen die FAZ:

Ein Blick in die Bilanz offenbart das Schweizer Geldgeheimnis. Der Löwenanteil entfiel auf Gewinne auf Fremdwährungspositionen. Die SNB hat Franken gedruckt und damit große Bestände an Euro und Dollar aufgekauft, um die eigene Währung künstlich niedrig zu halten. Auf diese Weise wurden Fremdwährungsreserven von umgerechnet 744 Milliarden Franken aufgehäuft. Im vergangenen Jahr hat der Franken etwa zur europäischen Gemeinschaftswährung 8,7 Prozent abgewertet, und das verschaffte einen dicken Gewinn.”

Muaaahhhh…. das ist weder neu noch aufregend noch ex nihilo.

Aber OK: wenigstens Anlass genug, mal wieder was über Geld zu bloggen.

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Keynesianer Januar 19, 2018 um 14:25

@Hardy Januar 19, 2018 um 14:03

Soll das jetzt ein Argument gewesen sein?

Ich habe keinen Onkel in der FED, der mir vorher sagt, wann die nächsten Höchst- und Tiefstkurse geplant sind. Ich hätte noch im Frühjahr 2007 nicht gedacht, dass die das jetzt schon wieder durchziehen, obwohl mir selbstverständlich die Zinserhöhungen aufgefallen sind.

Sogar Keynes hat es mehrmals erwischt, weil er nicht informiert war. Das weiß man eben nur mit einem guten Onkel in der FED.

Und einige eigene Banken und Konzerne müssen die auch mal krachen lassen, so aus Spaß an der Freud und selber rechtzeitig ausgestiegen, das kostet nix und verwirrt die Schäflein. Oder man kriegt dafür noch Rettungsgelder.

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